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Sa, 10:27 Uhr
03.07.2004

Mit dem Fahrrad vier Mal um die Welt

Nordhausen (nnz). 160 000 Kilometer oder vier Mal rund um den Äquator: Exakt diese Strecke hat Hans Joachim Dreßler, Radverkehrsbeauftragter des Freistaats Thüringen, bis zum heutigen Tage auf dem Fahrrad zurückgelegt. Fast 49 Jahre hat er dafür gebraucht und dabei rund 100 Reifen auf seinen insgesamt 10 "Drahteseln" verschlissen...


Noch heute ist der 63-jährige - im Thüringer Wirtschaftsministerium für Fragen der Verkehrsplanung zuständig - täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Am 6. Juli 1955 - im Alter von 14 Jahren - hatte er den ersten Kilometerzähler für sein Fahrrad gekauft, seit diesem Tag blieb keine Strecke mehr ungemessen. "Ich bin ein Freund von Statistiken", sagt Dreßler. Also notierte er fortan jeden zurückgelegten Radkilometer gewissenhaft in einem Notizbuch.

Und dieses beweist zweifelsfrei: Im Durchschnitt hat Dreßler rund 3 200 km im Jahr zurückgelegt, das bisherige Spitzenjahr war 1997 mit fast 6 000 km. Die mit 220 km längste zusammenhängende Radtour führte ihn 1962 von Gera nach Potsdam. Und noch heute legt er mindestens 9 km pro Tag zurück - zwischen seinem Haus und dem Bahnhof in Gera sowie zwischen dem Hauptbahnhof und dem Wirtschaftsministerium in Erfurt. Dass er für das tägliche Hin und Zurück zwischen Wohn- und Arbeitsplatz eher auf ökologisch verträgliche Verkehrsmittel wie Zug und Rad setzt, habe für ihn "keine ideologischen, sondern rein praktische Gründe": "Der Zug ist entspannender, und das Fahrrad ist auf Kurzstrecken bis fünf Kilometern allen anderen Fahrzeugen überlegen." Ein Auto besitzt Dreßler trotzdem.

Seit Antritt seiner Tätigkeit im Wirtschaftsministerium widmet sich der promovierte Schienenfahrzeugtechniker auch dem Radverkehr in Thüringen, zunächst eher nebenher, seit 1995 als offizieller Radverkehrsbeauftragter des Freistaats. Seine Bilanz: Seit 1992 wurden insgesamt 12 touristische Fernradwege mit einer Gesamtlänge von 1 600 km eingerichtet, 10 davon sind inzwischen durchgehend ausgebaut und beschildert. Mit dem Rhön-Radweg ist ein dreizehnter Radwanderweg in Planung. Nachholbedarf sieht Dreßler vor allem bei den straßenbegleitenden Fahrradwegen an Bundes- und Landesstraßen:

Zwar wurden hier seit der Wende rund 330 km neu gebaut; allerdings verfügen in Thüringen - wie in den anderen neuen Ländern Folge der DDR-Verkehrsplanung - nur rund 8,5% der Straßen über solche Fahrradwege; im Westen sind es 20%.

Nichtsdestotrotz begeistern sich zunehmend mehr Thüringer für das Fahrradfahren: Lag der Anteil derjenigen, die dieses Verkehrsmittel für ihre täglichen Wege nutzten, 1994 noch bei 3-4%, so ist er inzwischen auf 7% geklettert. Und dieser Anteil werde weiter steigen, prognostiziert Dreßler, der nicht müde wird, die Vorzüge des Radfahrens zu preisen: der Gesundheit förderlich, der Umwelt dienlich und ein probates Mittel gegen verstopfte Innenstädte und nervenaufreibende Parkplatzsuche.

In Nordthüringen habe man das offenbar längst erkannt: Hier benutzen bereits 12% der Menschen das Fahrrad für ihre Fahrten - deutlich mehr als im bundesdeutschen Durchschnitt mit 9%.

Der tägliche Arbeitsweg wird für Dreßler in spätestens zwei Jahren der Vergangenheit angehören; dann winkt der verdiente Ruhestand. Auf das Fahrrad wird der Geraer aber auch dann nicht verzichten: "Das ist meine beste Gesundheitsvorsorge", sagt er. Vor allem aber - und nur so sei seine Leidenschaft für das Fahrrad überhaupt zu erklären: "Ich bin einfach zu faul zum Laufen."
Autor: nnz

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