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Do, 06:41 Uhr
09.06.2016
nnz-Forum

Abbauverbot: Nur ein Anfang

Der Entschluss der Landesregierung, den Gipsabbau am Winkelberg zu untersagen und das Naturschutzgebiet Rüdigsdorfer Schweiz auf das potenzielle Abbaufeld auszudehnen, ist zu begrüßen. Anmerkungen eines nnz-Lesers...

Fast verschwunden: Das Gips-Fettkraut (Foto: Bodo Schwarzberg) Fast verschwunden: Das Gips-Fettkraut (Foto: Bodo Schwarzberg)
Das Gips-Fettkraut (Pinguicula gypsophila WALLROTH), siedelt weltweit nur im Südharzer Zechsteingebiet. Einer der einst mindestens 4 Wuchsorte fiel dem Gipssteinbruch Kohnstein zum Opfer. Heute gibt es noch zwei (2014).

Umweltministerin Siegesmund hat damit den Beinahe-Schaden ein Stück weit wieder gut gemacht, den ihre Vorgänger durch das Hinauszögern grundsätzlicher Entscheidungen angerichtet haben. Selbst die CDU-Ministerpräsidenten Althaus und Lieberknecht begeisterten sich bekanntermaßen für die Südharzer Gipskarstlandschaft, konnten den Druck der Wirtschaft aber letztlich nicht wirklich überwinden. Der so genannte Gipskompromiss von 1997 war das Ergebnis dieses Drucks. Alle sollten zufriedengestellt werden. Doch beim genaueren Hinsehen offenbarten sich Hintertürchen, die die Zerstörung unserer Landschaft weiterhin möglich machen würden.

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Gibt es diese Hintertürchen nicht immer noch? Wir sind gespannt, was nun passiert. Denn Casea wird sich wohl kaum mit der eingetretenen Situation abfinden. Drohen anderswo Neuverritzungen oder Ausweitungen bestehender Steinbrüche? Wurde im Hintergrund vielleicht schon ein neuer Gipskompromiss ausgebrütet? Vielleicht tatsächlich zu einer Ausweitung des Bruchs Rüsselsee?

Hoffentlich wäre der Widerstand der Bevölkerung und der Lokalpolitik dann ähnlich groß. Misstrauen ist angebracht: Liegen doch einige potenzielle Abbaufelder nicht in unmittelbarer Ortsnähe. Gegen die Bielener Biogasanlage haben sich einst auch weitestgehend nur die Bielener stark gemacht.

Der Südharzer Zechsteinrand besteht nicht nur aus der Rüdigsdorfer Schweiz. Auch wenn man dies manchmal denken könnte, angesichts der Diskussionen und Wortmeldungen. Knauf zerstört weiterhin weitestgehend ungestört den Alten Stolberg, und auch die NSG Harzfelder Holz und Pfaffenköpfe, Himmelsberg und Mühlberg sollen bitteschön von den Baggern verschont bleiben. Und natürlich auch alles andere.

Wie dem auch sei: Die Kuh dürfte keinesfalls vom Eis sein. Die Industrie ist sich dem überholten, aber immer noch gültigen Bergrecht bewusst und hat alle Zeit der Welt. Der Gips wird nicht schlecht, wenn er so in den Jahrmillionen alten Hügeln herumliegt. Und selbst dann, wenn er erst in 50 Jahren gefördert werden kann, wirft er noch satte Profite ab.

Fakt ist aber auch: Selbst dann, wenn wir die Gipswirtschaft komplett vertreiben könnten, ist das Problem nicht gelöst. Gips- und Anhydritlagerstätten gibt es auch anderswo. Die Unternehmen würden sich dann eben dort stärker bedienen und Landschaften zerstören, die wir von hier aus nicht sehen können. Deren Manager denken leider globaler als viele Naturschützer. Daher ist das Gipsabbauproblem letztlich ein Weltproblem, so, wie alle anderen Formen der Ressourcenverschleuderung auf unserer unersetzbaren Erde auch. Erst wenn wir gelernt haben, maßzuhalten, Recyceln viel billiger zu machen als Raubbau an endlichen Naturschätzen, haben wir eine Überlebenschance. Derzeit sieht es aber nicht danach aus.

Indes ist die vielbeschworene Artenvielfalt der Rüdigsdorfer Schweiz und weiterer großer Teile des Thüringer Gipskarsts von anderer Seite massiv bedroht: Zahlreiche gefährdete Arten fielen im Laufe der Zeit der Aufgabe der Schaf- und Ziegenbeweidung, kaum gebremster Verbuschung (einst) wertvoller Trocken- und Halbtrockenrasen bzw. gegenwärtig zunehmend der Rinderbeweidung zum Opfer. Das vollzieht sich im Vergleich zu einer bergbaulichen Sprengung lautlos.

Einen Gipssteinbruch sieht man, Arten, die verschwunden sind, fallen logischerweise nicht mehr ins Auge. Die allgemeine Stickstofffracht durch eine unsere Umwelt vergiftende Landwirtschaft und den Autoverkehr, noch gefördert durch Kriminelle Konzerne mit ihren Abgasskandalen, führt zu immer größeren Problemen. Und auch an der Umsetzung von FFH-Richtlinie und Schutzgebietsverordnungen mangelt es. Es gibt aber Ansätze zur Verbesserung bei letzterem.
Zurücklehnen verbietet sich also.

Unsere Landschaft ist eingebettet in das weltweite Ökosystem Erde. Die Entscheidung, den Winkelberg nicht im Interesse des Profits von den Landkarten tilgen zu lassen, ist daher nur eine sehr kleine Entscheidung. Ein wenig zum Trösten vielleicht, im Vergleich mit all den anderen Notwendigkeiten.

Weltweit also müssten Politik und Völker erkennen lassen, dass sie auf die Uhr schauen und handeln, statt den Kopf in den Sand zu stecken: Denn auf der Uhr ist es, u.a. dank des ungehemmten Kapitalismus, nicht mehr fünf sondern drei vor 12.
Bodo Schwarzberg
Autor: nnz

Anmerkung der Redaktion:
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Kommentare
Leser X
09.06.2016, 07:11 Uhr
Na bitte, geht doch...
... es muss nur der politische Wille da sein. Die "Schwarzen" fanden das Naturschutzgebiet zwar immer ganz ganz toll, so zum Wandern und so. Aber gegenüber der Wirtschaft bzw. den Raubbauern entsprechend zu handeln, dafür fehlte ihnen entweder der Mut oder sie waren wegen entsprechender Verstrickungen einfach zu unfrei zu handeln.

Gut, dass die alte Nomenklatura abgewählt wurde...
Gips
09.06.2016, 20:20 Uhr
Bodo
Bisher ist es doch nur ein Antrag. Hoffe das bleibt auch dabei. Wenn die gute Frau erstmal in Berlin ist ist es Ihr auch egal.
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