Di, 10:00 Uhr
24.05.2016
Bienen streicheln in Niedersachswerfen
Die neuen Nachbarn
Bienen sind fleißig Tiere, produzieren leckeren Honig und sind von zentraler Bedeutung für Mensch und Umwelt. Das ist Grundlagenwissen, das den meisten geläufig sein dürfte. Wer aber kann schon von sich behaupten einmal Bienen gestreichelt zu haben? In Niedersachswerfen weiß nicht nur wie das funktioniert, sondern noch eine ganze Menge mehr rund um die Honigbiene...
Talea ist Imkerin. Vier "Völker" hat sie in einem Waldstück nahe ihres Hauses untergebracht, die sie hegt und pflegt
und von denen sie Honig und Wachs ernten kann. Mit ihren Kollegen fachsimpelt sie über "Brutraumhonig", "Bienenfluchte" und "Honigschleudern" oder erklärt dem unbedarften Laien worauf es beim Waldhonig ankommt (Blattläuse, nicht die Blütenpracht sind entscheidend). Talea ist 10 und besucht die Heinz-Sielmann-Grundschule in Niedersachswerfen.
Ihr Herz für Honigbienen hat sie vor zwei Jahren entdeckt. Da war die Biene Tier des Jahres und an der Schule organisierte man einen Projekttag. Nichts außergewöhnliches in einem deutschen Klassenzimmer. Eingeladen hatte man sich damals einen, der sich mit den fleißigen Insekten auskennt: den Bienensachverständigen Olaf Hartung, selbst passionierter Imker, versteht sich.
Gestern stattete Herr Hartung, wie so oft in den vergangenen zwei Jahren, der Schule wieder einen Besuch ab. Aus dem Projekttag war die "Bienen AG" entstanden und die macht Sachen, die man im Klassenzimmer er selten erleben wird: die Kinder sollten nicht nur aus dem Lehrbuch lernen, sondern dirket mit den Tieren in Kontakt kommen, sollten wortwörtlich "Bienen streicheln" können. Das geht tatsächlich, erklärte Olaf Hartung gestern, solange es sich dabei um Drohnen handelt. Das sind die männlichen Bienen und die sind gänzlich ungefährlich, da bei den Bienen nur die Damen einen Stachel haben.
Gestern nun hatte Olaf Hartung für seine Bienen AG eine lang ersehnte Überraschung mitgebracht: seit dem frühen morgen haben die Schülerinnen und Schüler neue Nachbarn. Auf der kleinen Streuobstwiese der Schule haben gut 40.000 Bienen ein neues zu Hause gefunden.
Lehrer und Eltern hatten Bedenken gehabt, als die Idee das erste mal die Runde machte. Vor allem die Befürchtung das Kinder allergische Reaktionen zeigen könnten schoben dem Wunsch der Bienen AG einen Riegel vor. Es brauchte einen Vortrag von Talea und ihren jungen Imkerkollegen vor versammelter Eltern- und Lehrerschaft, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Die Kinder wissen, dass sie sich in der direkten Nähe der Bienen ruhig verhalten müssen, dann passiert auch nichts. "Ich habe die Bienen heute morgen hergebracht. Drei Meter weiter ist ein Parkplatz da steigen Leute ein und aus, fahren weg und niemand hat etwas von den Tieren mitbekommen. Nicht einmal die Kinder auf dem Schulhof", erzählt Hartung, der selber allergisch auf Bienenstiche reagiert und der gestern trotzdem mit bloßer Hand und ohne Anzug mit den Kindern einen Blick auf die neuen Nachbarn warf.
"Das geht nur wenn sie gut drauf sind", meint Hartung. Als Anfänger sollte man in jedem Fall mit einem Schutzanzug arbeiten, später könne man nach und nach einzelne Teile weglassen. Wie die Stimmung im Stock sei, das könne man oft schon hören, etwa wenn man nur den Deckel anhebe oder die Bienen hochsteigen um einen zu begrüßen, erzählte Nachwuchsimkerin Talea, und berichtete stolz das sie inzwischen schon manchmal auf die Handschue verzichtet.
Neben den Bienen auf der Streuobstwiese haben die Kinder noch mehrere eigene Völker in ihrer Obhut. Mit Hilfe von Olaf Hartung hat man eigene "Bienen-Beuten" gestaltet, im Volksmund eher als Bienenstock bekannt, und sie am Rande Niedersachswerfens aufgestellt. "Die Bienen bewegen sich in einem Radius von drei Kilometern und dort haben es die Tiere nicht so weit bis zum Raps", erklärte Imker Hartung. Auf der Streuobstwiese vor der eigenen Haustür haben die Kinder als kleines Willkommensgeschenk selbstgemachte "Bienenpralinen" verteilt, Lehmklumpen mit Blumensamen, die in den kommenden Wochen aufgehen sollen. Dabei hat man nicht irgendwelche Samen verwendet, sondern sorgfältig ausgewählt, denn Blüte ist nicht gleich Blüte, wissen die Jungimker zu berichten.
Zur Begrüßung für die Neuzugänge haben die Kinder selber "Bienenpralinen" gemacht (Foto: Angelo Glashagel)
Die Früchte der eigenen Arbeit (und der der Bienen) konnte man indes schon einmal ernten und genießen. Nachdem die Kinder im vergangenen Jahr "geschleudert" und "abgefüllt" hatten waren sie stolze Besitzer von 20 Kilogramm Honig. Umgerechnet sind das rund 40 Gläser, die man gewinnbringend auf dem Areefest veräußern konnte. Den Gewinn investierte man in neue Ausrüstung.
Denn wer mit der Imkerei anfangen will, der muss erst einmal in die Tasche greifen - je nachdem ob man gleich mit einem ganzen Volk oder nur einem Schwarm beginnt sollte man bis zu 1000 Euro an Kosten für die Erstanschaffung einrechnen, erklärte Olaf Hartung. Die Bienen AG kam denn vor allem auch deswegen zustande, weil man eine Spende von rund 3000 Euro von einer ansässigen Firma erhalten hatte.
Trotz der anfänglichen Kosten für Tiere und Ausrüstung erfreut sich die Imkerei zunehmender Beliebtheit. In ihren Kursen konnten die Imkervereine in den letzten Jahren immer mehr Teilnehmer begrüßen und auch die Wissenschaft interessiert sich aktuell für die Tiere, insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der städtischen Landschaft. Auch die Hochschule Nordhausen hat ihre eigenen Völker.
Für Privatleute haben Bienen vor allem den Vorteil, dass sie nicht viel Arbeit machen. Theoretisch könnte man sie auf dem eigenen Balkon halten, wovon der Bienensachverständige dann aber doch abrät, vor allem wegen der Nachbarn. Besser sei es die Beuten auf dem eigenen Grund und Boden aufzustellen, in der Stadt vorzugsweise in der Nähe von Friedhöfen. Und für ein, zwei Gläser Honig sei auch mancher Landbesitzer bereit, ein paar Bienebeuten bei sich aufzunehmen. Talea verbringt ein bis zwei Stunden in der Woche bei ihren Bienen im Wald. Dazu kommen andere Aufgaben wie Reparaturen oder das "einlöten" von Zwischenwänden für ihre Bienenbeuten. Und irgendwann kann man dann ernten: 120 Gläser stehen bei ihr schon bereit, berichtet Talea, Etiketten hat sie auch, allein die Stempel fehlen noch.
Zuerst sollte man sich aber mit den Grundlagen der Bienezucht auskennen. Die vermitteln Hartung und seine organisierten Imkerkollegen in Schnupperkursen, die klären wie man anfängt, was man beachten muss und mit welchen Kosten zu rechnen ist. Im November ist es wieder soweit. Und wer dann noch den 7-tägigen Grundkurs im kommenden Frühjahr absolviert, der kann auch mit Talea und den anderen Nachwuchsimkern fachsimpeln und irgendwann den eigenen Honig ernten.
Angelo Glashagel
Autor: redTalea ist Imkerin. Vier "Völker" hat sie in einem Waldstück nahe ihres Hauses untergebracht, die sie hegt und pflegt
und von denen sie Honig und Wachs ernten kann. Mit ihren Kollegen fachsimpelt sie über "Brutraumhonig", "Bienenfluchte" und "Honigschleudern" oder erklärt dem unbedarften Laien worauf es beim Waldhonig ankommt (Blattläuse, nicht die Blütenpracht sind entscheidend). Talea ist 10 und besucht die Heinz-Sielmann-Grundschule in Niedersachswerfen.
Ihr Herz für Honigbienen hat sie vor zwei Jahren entdeckt. Da war die Biene Tier des Jahres und an der Schule organisierte man einen Projekttag. Nichts außergewöhnliches in einem deutschen Klassenzimmer. Eingeladen hatte man sich damals einen, der sich mit den fleißigen Insekten auskennt: den Bienensachverständigen Olaf Hartung, selbst passionierter Imker, versteht sich.
Gestern stattete Herr Hartung, wie so oft in den vergangenen zwei Jahren, der Schule wieder einen Besuch ab. Aus dem Projekttag war die "Bienen AG" entstanden und die macht Sachen, die man im Klassenzimmer er selten erleben wird: die Kinder sollten nicht nur aus dem Lehrbuch lernen, sondern dirket mit den Tieren in Kontakt kommen, sollten wortwörtlich "Bienen streicheln" können. Das geht tatsächlich, erklärte Olaf Hartung gestern, solange es sich dabei um Drohnen handelt. Das sind die männlichen Bienen und die sind gänzlich ungefährlich, da bei den Bienen nur die Damen einen Stachel haben.
Gestern nun hatte Olaf Hartung für seine Bienen AG eine lang ersehnte Überraschung mitgebracht: seit dem frühen morgen haben die Schülerinnen und Schüler neue Nachbarn. Auf der kleinen Streuobstwiese der Schule haben gut 40.000 Bienen ein neues zu Hause gefunden.
Lehrer und Eltern hatten Bedenken gehabt, als die Idee das erste mal die Runde machte. Vor allem die Befürchtung das Kinder allergische Reaktionen zeigen könnten schoben dem Wunsch der Bienen AG einen Riegel vor. Es brauchte einen Vortrag von Talea und ihren jungen Imkerkollegen vor versammelter Eltern- und Lehrerschaft, um sie vom Gegenteil zu überzeugen. Die Kinder wissen, dass sie sich in der direkten Nähe der Bienen ruhig verhalten müssen, dann passiert auch nichts. "Ich habe die Bienen heute morgen hergebracht. Drei Meter weiter ist ein Parkplatz da steigen Leute ein und aus, fahren weg und niemand hat etwas von den Tieren mitbekommen. Nicht einmal die Kinder auf dem Schulhof", erzählt Hartung, der selber allergisch auf Bienenstiche reagiert und der gestern trotzdem mit bloßer Hand und ohne Anzug mit den Kindern einen Blick auf die neuen Nachbarn warf.
"Das geht nur wenn sie gut drauf sind", meint Hartung. Als Anfänger sollte man in jedem Fall mit einem Schutzanzug arbeiten, später könne man nach und nach einzelne Teile weglassen. Wie die Stimmung im Stock sei, das könne man oft schon hören, etwa wenn man nur den Deckel anhebe oder die Bienen hochsteigen um einen zu begrüßen, erzählte Nachwuchsimkerin Talea, und berichtete stolz das sie inzwischen schon manchmal auf die Handschue verzichtet.
Neben den Bienen auf der Streuobstwiese haben die Kinder noch mehrere eigene Völker in ihrer Obhut. Mit Hilfe von Olaf Hartung hat man eigene "Bienen-Beuten" gestaltet, im Volksmund eher als Bienenstock bekannt, und sie am Rande Niedersachswerfens aufgestellt. "Die Bienen bewegen sich in einem Radius von drei Kilometern und dort haben es die Tiere nicht so weit bis zum Raps", erklärte Imker Hartung. Auf der Streuobstwiese vor der eigenen Haustür haben die Kinder als kleines Willkommensgeschenk selbstgemachte "Bienenpralinen" verteilt, Lehmklumpen mit Blumensamen, die in den kommenden Wochen aufgehen sollen. Dabei hat man nicht irgendwelche Samen verwendet, sondern sorgfältig ausgewählt, denn Blüte ist nicht gleich Blüte, wissen die Jungimker zu berichten.
Zur Begrüßung für die Neuzugänge haben die Kinder selber "Bienenpralinen" gemacht (Foto: Angelo Glashagel)
Denn wer mit der Imkerei anfangen will, der muss erst einmal in die Tasche greifen - je nachdem ob man gleich mit einem ganzen Volk oder nur einem Schwarm beginnt sollte man bis zu 1000 Euro an Kosten für die Erstanschaffung einrechnen, erklärte Olaf Hartung. Die Bienen AG kam denn vor allem auch deswegen zustande, weil man eine Spende von rund 3000 Euro von einer ansässigen Firma erhalten hatte.
Trotz der anfänglichen Kosten für Tiere und Ausrüstung erfreut sich die Imkerei zunehmender Beliebtheit. In ihren Kursen konnten die Imkervereine in den letzten Jahren immer mehr Teilnehmer begrüßen und auch die Wissenschaft interessiert sich aktuell für die Tiere, insbesondere im Hinblick auf die zukünftige Entwicklung der städtischen Landschaft. Auch die Hochschule Nordhausen hat ihre eigenen Völker.
Für Privatleute haben Bienen vor allem den Vorteil, dass sie nicht viel Arbeit machen. Theoretisch könnte man sie auf dem eigenen Balkon halten, wovon der Bienensachverständige dann aber doch abrät, vor allem wegen der Nachbarn. Besser sei es die Beuten auf dem eigenen Grund und Boden aufzustellen, in der Stadt vorzugsweise in der Nähe von Friedhöfen. Und für ein, zwei Gläser Honig sei auch mancher Landbesitzer bereit, ein paar Bienebeuten bei sich aufzunehmen. Talea verbringt ein bis zwei Stunden in der Woche bei ihren Bienen im Wald. Dazu kommen andere Aufgaben wie Reparaturen oder das "einlöten" von Zwischenwänden für ihre Bienenbeuten. Und irgendwann kann man dann ernten: 120 Gläser stehen bei ihr schon bereit, berichtet Talea, Etiketten hat sie auch, allein die Stempel fehlen noch.
Zuerst sollte man sich aber mit den Grundlagen der Bienezucht auskennen. Die vermitteln Hartung und seine organisierten Imkerkollegen in Schnupperkursen, die klären wie man anfängt, was man beachten muss und mit welchen Kosten zu rechnen ist. Im November ist es wieder soweit. Und wer dann noch den 7-tägigen Grundkurs im kommenden Frühjahr absolviert, der kann auch mit Talea und den anderen Nachwuchsimkern fachsimpeln und irgendwann den eigenen Honig ernten.
Angelo Glashagel





