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Fr, 06:49 Uhr
18.06.2004

nnz-Forum: Reaktionen

Nordhausen (nnz). Die nnz-Redaktion hatte gestern in einem Beitrag „Kein Bock auf Wahlen“ über die Wahlverdrossenheit und mögliche Gründe berichtet. Dazu erreichten die Redaktion mehrere Mails, die wir im Forum der nnz veröffentlichen.


Sehr geehrter Herr Greiner,

ein wenig betroffen war ich von Ihrem Redaktionsartikel „Kein Bock auf Wahlen“ schon. Ich gebe zu, dass ich, obwohl fleißiger nnz-Leser, kein besonderer „Fan“ ihres redaktionellen Stils bin. Aber das, was Sie gestern schrieben, macht mir in der ausgedrückten Wut und auch Hilflosigkeit des Journalisten diesen sympathisch. In Ihrem Artikel artikuliert sich das Gefühl der Ohnmacht vor den außer unserer Kontrolle geratenen Verhältnisse, vor dem Wahnsinn des uns umgebenden theatrum mundi. Mit diesem Gefühl dürfen Sie sich bestimmt mit vielen Ihrer Leser eins wissen. Es spricht die Enttäuschung eines wissenden Pessimismus aus Ihren Zeilen. Wahrscheinlich ist das ein fruchtbarer Boden für guten und kritischen Journalismus. Also auch ein Grund für uns alle, Mut zu schöpfen.

Gute Medien sind bitter nötig. Wenn Fernsehproduzenten im kleinen Kreise zugeben, dass sie eigentlich ihre Produkte selber nicht mehr konsumieren, dass die gesamte Branche bewusst über den Knüppel der Zuschauerquote in Manipulation und Volksverdummung arbeitet, wenn Journalisten, nicht nur wie aktuell in Russland oder den USA, Maulkörbe verpasst bekommen, und wenn es nur aus Angst um den Verlust des Jobs ist, so ist das eine traurige Zustandsbeschreibung für unsere Demokratie. Aber es ist auch Aufruf an das Gewissen, gerade in Zeiten, in denen wir alle den eisigen Wind im Antlitz spüren. Nein, ein „goldenes Zeitalter“ gab es nie, auch nicht für die Medien. Allein das 20 Jahrhundert – na, ich lasse das besser.

Wenn es jetzt noch schlimmer kommt, sollten wir nicht vergessen, dass es für Abermillionen von Menschen schon so schlimm auf unserer Erde ist, dass es böser nicht geht. Auch dürfen wir uns nicht der Illusion hingeben, die Politik und Politiker mit moralischen Maß messen zu können. Dieses romantische Demokratieverständnis kollidiert mit der Wirklichkeit spätestens dann, wenn es sich um harte Interessen dreht. Was glauben Sie denn, wie viel Wert demokratische Rechte in einer egoistischen Gesellschaft krasser sozialer Widersprüche haben? Die katastrophale Wahlbeteiligung der Polen letzte Woche an der Europawahl wird von Kommentatoren auch mit darauf zurückgeführt, dass viele einfach nicht die 10 Zloty für den Busbahnfahrschein haben, um ins Wahllokal zu fahren.

Ich glaube, dass Demokratie erkämpft, erlebt werden muss und zwar mit Zivilcourage. Sie ist weder ein Geschenk unseres Grundgesetzes noch eine Sache, an der ich alle 4, 5 oder 6 Jahre als Stimmschaf teilhaben darf. Und sie muss oft auch gegen die Demokraten an der Macht verteidigt werden. Welche Opfer und Mühen das unter Umständen kostet, kann man bei Michael Moore nachlesen. Für eine Welt, die mir lebenswert ist, brauche ich, in aller Bescheidenheit, die Möglichkeit eines ehrlichen Meinungspluralismus, gute, kritische Medien mit einem anspruchsvollen Journalismus. Das wäre doch für den Anfang schon eine ganze Menge!

Es gibt einen schönen Spruch, frei nach Epiktet: „Gott gebe mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die sich ändern lassen und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ Ich wünsche Ihnen als Journalist alle drei Eigenschaften im richtigen Maß – für uns alle.
Ihr Klaus-Uwe Koch, Nordhausen


Respekt für die offenen Worte
Ich kann den Inhalt des Artikels voll unterstützen. Für mich ist Demokratie - nicht nur die Macht von Einzelnen und darf auch nicht dazu vollends verkommen. Volksentscheide und gläserne Verwaltungen gehören für mich auch dazu; das ist auch einer der Gründe weshalb ich selbst für den Kreistag kandidiere. Wir brauchen keine Berufspolitiker, die Gesetze beschließen, die sie selbst nicht betreffen. Man sollte die Mandate auf zwei Legislaturen begrenzen und zwar auf allen Ebenen, es gibt nichts schlimmeres wie "Betriebsblindheit" in der nur noch die eigene Meinung zählt.

Ich möchte mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn der Spruch - es sind Wahlen und keiner geht hin - Wahrheit wird. Auch im alten Rom gab es nach der Zeit der Spiele den Untergang. Die Menschen brauchen konkrete und ehrliche Aussagen von Politikern, sie brauchen keine Wahlversprechen, die dann eh keiner gesagt haben will sondern eine Zukunft für alle und keine Privilegien von und für ein paar Einzelne.
Petra Hauthal, Nordhausen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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