Di, 16:03 Uhr
03.07.2001
Entert Störtebeker bald Nordhausen ?
Nordhausen/Ralswiek (nnz). Das Rolandsfest ist gelaufen, das Truckerfest vorbei - in der Agentur Media-Heck wird bereits an Highlights für das nächste Jahr gebastelt. Im Gespräch war dabei auch ein Besuch der Störtebeker-Festspiele in der ehemaligen Hansestadt Nordhausen. nnz schaute sich deshalb schon mal auf der Insel Rügen in Ralswiek um.
Es herrscht pure Volksfeststimmung wenn 9.000 Menschen sich auf den Weg machen, um eine Vorstellung auf der Naturbühne in Ralswiek zu erleben, in deren Mittelpunkt der edle Pirat Klaus Störtebeker steht.
Drei Stunden vor Beginn des Theaterspektakels treffen die ersten Gäste in ihren PKWs ein und werden von Ordnern auf den riesigen Parkplatz gelotst, der noch knapp zwei Kilometer von der Bühne entfernt ist. Kleinbahnen bringen die erwartungsfreudigen und vom Stress der Rügendammüberquerung noch gezeichneten Touristen in das Dörfchen Ralswiek, wo ein gigantisches Markttreiben herrscht. Unzählige Würstchenbuden (darunter mehrere Original Thüringer Rostbrater) erwarten die Besucher ebenso wie Eisstände, Souvenirkioske und vieles mehr. Vorsichtshalber werden an jedem zweiten Stand Regenpelerinen angeboten - man kann ja nie wissen.
Die riesige Naturbühne mit den detailgetreuen Nachbildungen von Schlössern, Fischerkaten und Hamburger Rathaus lässt den Blick frei auf eine kleine Bucht, die während des Spiels von mittelalterlichen Seglern bevölkert wird, die sich auch bei völliger Flaute erstaunlich schnell bewegen können. Was auf der Bühne geboten wird ist genau so perfekt wie die gesamte Organisation rings um das Gelände. Eine internationale Stuntmen-Truppe überzeugt mit gewagten Aktionen und beherzten Todessprüngen von den Zinnen der Burg. Einer hat gar Feuer gefangen beim Beschuss der Feste und rettet sich nach einem ausdauernden Läufchen zischend im Brunnen. Beeindruckende Pyrotechnik-Effekte gaukeln den faszinierten Zuschauern brennende Schiffe auf offener See vor, die Hauptdarsteller haben genügend Platz, um die Bühne im gestreckten Galopp auf edlen Pferden zu betreten. Langanhaltende Schwertkämpfe und Prügelszenen treiben die Hauptdarsteller an die Leistungsgrenze und nehmen ihnen kurzzeitig den Atem, was über die Mikroports deutlich bis in die letzte Reihe zu hören ist.
Ein Turmfalke und ein Seeadler, der im Sturzflug über das Publikum auf Störtebeker zurast, vervollständigen die geplante Menagerie. Die über der Bucht kreisenden Möwen sind eine Zugabe der wunderschönen Rügener Natur.
Der Inhalt des Stückes ist schnell erzählt und leicht nachvollziehbar. Die Guten sind richtig gut und die Bösen richtig böse. Dazwischen gibt es keine Abstufungen, aber das entspricht der Größe der Bühne und der Länge des Zuschauerraums. Da ist kein Platz für schauspielerische Feinheiten. Hin und wieder wird ein Zitat á la Da werden Sie geholfen! eingestreut und löst sofort Begeisterung aus. Das Ensemble wird neben den physisch topfiten Piraten von gestandenen DDR-Größen wie Renate Blume, Klaus-Peter Thiele, Ute Lubosch (einst in Nordhausen engagiert gewesen), Wolfgang Lippert und vor allem dem Senior Wolfgang Dehler prominent ergänzt.
Am Ende wird der Piratenkapitän sehr schön naturalistisch geköpft, was besonders bei den vielen jüngeren Fans Anlass zu Besorgnis gibt und noch beim Verbeugen der Darsteller kommentiert wird: Guck mal, der Kopf ist noch ganz schief drauf, den haben sie nicht wieder richtig drangekriegt. Haben sie aber doch und es wird im nächsten Jahr auch wieder neue Abenteuer der furchtlosen Seeräuber geben. Nach jeder Vorstellung gibt es als Zugabe ein kostspieliges Höhenfeuerwerk.
Welch Segen dieses rundum gelungene Großspektakel für die ganze Insel Rügen ist, lässt sich nur schwer beziffern. Die Infrastruktur der Insulaner bekommt im Zeitraum von Ende Juni bis Anfang September jedenfalls eine gehörige Infusion, die tourismusärmere Jahreszeiten besser verkraften lässt.
Bleibt nur die Frage, wie sich Sven Bolko Heck einen Auftritt der wilden Horde in Nordhausen vorstellt und wo er die Schiffe unterbringt. Vielleicht kann ja der Bebelplatz geflutet oder das Altentor großflächig gewässert werden. Noch hat er einige Tage Zeit darüber nachzudenken und wem im Urlaub nichts einfallen will, was der ganzen Familie vom Baby bis zur Oma Spaß machen könnte, der sollte mal einen Besuch der Störtebeker-Festspiele erwägen. Es lohnt sich.
Autor: oschEs herrscht pure Volksfeststimmung wenn 9.000 Menschen sich auf den Weg machen, um eine Vorstellung auf der Naturbühne in Ralswiek zu erleben, in deren Mittelpunkt der edle Pirat Klaus Störtebeker steht.
Drei Stunden vor Beginn des Theaterspektakels treffen die ersten Gäste in ihren PKWs ein und werden von Ordnern auf den riesigen Parkplatz gelotst, der noch knapp zwei Kilometer von der Bühne entfernt ist. Kleinbahnen bringen die erwartungsfreudigen und vom Stress der Rügendammüberquerung noch gezeichneten Touristen in das Dörfchen Ralswiek, wo ein gigantisches Markttreiben herrscht. Unzählige Würstchenbuden (darunter mehrere Original Thüringer Rostbrater) erwarten die Besucher ebenso wie Eisstände, Souvenirkioske und vieles mehr. Vorsichtshalber werden an jedem zweiten Stand Regenpelerinen angeboten - man kann ja nie wissen.
Die riesige Naturbühne mit den detailgetreuen Nachbildungen von Schlössern, Fischerkaten und Hamburger Rathaus lässt den Blick frei auf eine kleine Bucht, die während des Spiels von mittelalterlichen Seglern bevölkert wird, die sich auch bei völliger Flaute erstaunlich schnell bewegen können. Was auf der Bühne geboten wird ist genau so perfekt wie die gesamte Organisation rings um das Gelände. Eine internationale Stuntmen-Truppe überzeugt mit gewagten Aktionen und beherzten Todessprüngen von den Zinnen der Burg. Einer hat gar Feuer gefangen beim Beschuss der Feste und rettet sich nach einem ausdauernden Läufchen zischend im Brunnen. Beeindruckende Pyrotechnik-Effekte gaukeln den faszinierten Zuschauern brennende Schiffe auf offener See vor, die Hauptdarsteller haben genügend Platz, um die Bühne im gestreckten Galopp auf edlen Pferden zu betreten. Langanhaltende Schwertkämpfe und Prügelszenen treiben die Hauptdarsteller an die Leistungsgrenze und nehmen ihnen kurzzeitig den Atem, was über die Mikroports deutlich bis in die letzte Reihe zu hören ist.
Ein Turmfalke und ein Seeadler, der im Sturzflug über das Publikum auf Störtebeker zurast, vervollständigen die geplante Menagerie. Die über der Bucht kreisenden Möwen sind eine Zugabe der wunderschönen Rügener Natur.
Der Inhalt des Stückes ist schnell erzählt und leicht nachvollziehbar. Die Guten sind richtig gut und die Bösen richtig böse. Dazwischen gibt es keine Abstufungen, aber das entspricht der Größe der Bühne und der Länge des Zuschauerraums. Da ist kein Platz für schauspielerische Feinheiten. Hin und wieder wird ein Zitat á la Da werden Sie geholfen! eingestreut und löst sofort Begeisterung aus. Das Ensemble wird neben den physisch topfiten Piraten von gestandenen DDR-Größen wie Renate Blume, Klaus-Peter Thiele, Ute Lubosch (einst in Nordhausen engagiert gewesen), Wolfgang Lippert und vor allem dem Senior Wolfgang Dehler prominent ergänzt.
Am Ende wird der Piratenkapitän sehr schön naturalistisch geköpft, was besonders bei den vielen jüngeren Fans Anlass zu Besorgnis gibt und noch beim Verbeugen der Darsteller kommentiert wird: Guck mal, der Kopf ist noch ganz schief drauf, den haben sie nicht wieder richtig drangekriegt. Haben sie aber doch und es wird im nächsten Jahr auch wieder neue Abenteuer der furchtlosen Seeräuber geben. Nach jeder Vorstellung gibt es als Zugabe ein kostspieliges Höhenfeuerwerk.
Welch Segen dieses rundum gelungene Großspektakel für die ganze Insel Rügen ist, lässt sich nur schwer beziffern. Die Infrastruktur der Insulaner bekommt im Zeitraum von Ende Juni bis Anfang September jedenfalls eine gehörige Infusion, die tourismusärmere Jahreszeiten besser verkraften lässt.
Bleibt nur die Frage, wie sich Sven Bolko Heck einen Auftritt der wilden Horde in Nordhausen vorstellt und wo er die Schiffe unterbringt. Vielleicht kann ja der Bebelplatz geflutet oder das Altentor großflächig gewässert werden. Noch hat er einige Tage Zeit darüber nachzudenken und wem im Urlaub nichts einfallen will, was der ganzen Familie vom Baby bis zur Oma Spaß machen könnte, der sollte mal einen Besuch der Störtebeker-Festspiele erwägen. Es lohnt sich.


