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Mi, 15:10 Uhr
30.12.2015
Ein Besuch in der Domstraße 12

Das älteste Haus am Platz

700 Jahre. Mindestens. Wenn die Wände des ältesten Nordhäuser Fachwerkhauses sprechen könnten, sie hätten manche Geschichte zu erzählen. Geschichten unzähliger Generationen. Auch heute ist wieder Leben im Haus und die neuen Bewohner kümmern sich darum, ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen...

Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel) Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)

Der beste Raum des Hauses, die "gute Stube", ist heute nur noch über die Sprossen einer wackeligen Baustellenleiter zu erreichen. Die Treppe, die einmal in den ersten Stock der Domstraße 12 führte, war nicht mehr zu retten. Zu alt, zu unsicher. Das Haus, oder vielmehr die Häuser, sind noch um einiges älter und durchaus noch bewohnbar.

Der Komplex Domstraße 12 besteht eigentlich aus drei Häusern, die sich heute im Besitz der Städtischen Wohnungsbaugesellschaft SWG befinden. Dank der Restaurierungsarbeiten, die 2010 begannen sind die verschiedenen Bereiche heute wieder gut zu erkennen. Der jüngste Teil und prominenteste Teil, die der Barfüßerstraße zugekehrte Fachwerkfront samt Bohlenstube, stammt aus dem Jahr 1565. Das weiß man dank dendrochronologischer Untersuchungen, die anhand von Holzproben das Jahr bestimmen können, in dem ein Baum gefällt wurde.

Zumindest das Alter des hölzernen Obergeschosses konnten die Bauforscher so recht genau bestimmen. Schwieriger wird es mit dem steinernen Torbereich. Ritten hier einst die Herren der Nordhäuser Burg hindurch auf dem Weg zu ihrer Festung? Die Lage nahe dem Dom lässt diese Vermutung immerhin zu, nur beweisen lässt sich das kaum. Die Heinrichsburg soll im 10. Jahrhundert vom Sachsenherzog Otto errichtet worden sein. Vollendet hat sie dann sein Sohn, Heinrich I., dem ersten König des Ostfrankenreichs, dem späteren Deutschland. Dessen Frau Mathilde wiederrum gründete hinter den schützenden Mauern ein Damenstift, und damit die Ursprünge der heutigen Domgemeinde.

Ob auch die Domstraße 12, oder zumindest ihr Torbereich, zu den Befestigungen gehörten, lässt sich heute nicht mehr sagen, es fehlt eine verlässliche Datiermethode für Mörtel und Gipse. Der Fantasie sind keine solchen Grenzen gesetzt. Erkennt man nicht am Durchgang zum alten Keller die Reste einer Wendeltreppe, eines alten Turmaufgangs vielleicht? Mit Sicherheit kann das niemand sagen.

Dass sich das Areal die meiste Zeit im Besitz des Domstiftes befunden hat, der auf Mathildes weltiches Damenkloster folgte, ist hingegen sicher, meint Suzy Hesse. Die Restauratorin für Wandmalereien und Architekturoberflächen gehört zur jüngsten Generation der Bewohner von Nummer 12, erst dieses Jahr zogen sie und ihre Familie hier ein.

Restauratorin Suzy Hesse lebt und arbeitet in der Domstraße 12 (Foto: Angelo Glashagel) Restauratorin Suzy Hesse lebt und arbeitet in der Domstraße 12 (Foto: Angelo Glashagel)
Restauratorin Suzy Hesse wohnt und arbeitet in der Domstraße 12

Das alte Haus ist für Frau Hesse Wohnstatt und Arbeitsplatz in einem. Im zweiten und dritten Teil des Hauses, von außen an den grauen und roten Fassadenteilen der Domstraße zu erkennen, hat es sich die Familie gemütlich gemacht und lebt von der Küche bis zum Kinderzimmer inmitten von Geschichte. Beide Gebäudeteile stammen aus dem 14. Jahrhundert, im dritten Teil etwa findet sich Schwellenbalken aus dem Jahr 1327 und auf dem Dachboden kann man noch originale Holznägel und die alten Markierungen erkennen, welche die Zimmerer hinterließen.

Als die eingebaut wurden war die Burg schon einige Jahre Geschichte, 1277 hatten die Bürger der Stadt die Ritter vertrieben und die Festung geschliffen. Was blieb war der Dom und seine Herren. Die könnten durchaus hier gewohnt haben, so genau weiß das auch Frau Hesse nicht. Repräsentativ genug wäre sie gewesen, die schicke Bohlenstube über dem Tor.

Lange Zeit hatte man gar nicht gewusst, was da für ein architektonischer Schatz unter dem Putz der Jahrhunderte schlummerte. An den Wänden ist auch heute noch DDR-Tapete zu erkennen, den Fußboden hatte man ausgeglichen. "Die Bauforscher haben die Stube 2010 entdeckt", erzählte Frau Hesse, "und haben mit offenen Mündern davor gestanden, das hatte man nicht ahnen können". Fünf Zentimeter dick hatte der Putz über den alten Holzbohlen gelegen, die wie mit einem mittelalterlichem Stecksystem miteinander verbunden sind. Die Verzierungen sind gut zu sehen, und auch die ursprüngliche Farbgebung lässt sich hier und da noch erkennen. 14 verschiedene Farbschichten konnte Frau Hesse identifizieren, angebracht im Laufe der Jahrhunderte.

Die Stube war früher einmal der einzige beheizbare Raum des Hauses und entsprechend ausgeschmückt. Wer es sonst schön warm haben wollte, der konnte sich vielleicht in die Backstube hinter dem Haupthaus flüchten. Zumindest fand man bei Ausgrabungen auf dem heutigen Hof einen alten Ofen aus dem frühen 17. Jahrhundert. Zu Tage traten während der Restaurierung auch glasierte Ofenkacheln, alte Hosenträger, Töpfe und Löffel.

Ein Haus, drei Teile - die Domstraße 12 hat über die Jahrhunderte immer wieder Veränderungen durchgemacht (Foto: Angelo Glashagel) Ein Haus, drei Teile - die Domstraße 12 hat über die Jahrhunderte immer wieder Veränderungen durchgemacht (Foto: Angelo Glashagel)

Eine Etage über der Stube lebte vielleicht das Gesinde, in den kleinen Kämmerchen sind noch die Reste verblassender Muster sichtbar. Heute haben die Hesses und ihre Kinder den Dachboden zum Teil in Beschlag genommen.

Wer sonst noch über die Jahrhunderte hier gewohnt hat, das ist nicht bekannt und bedürfte eingehender Untersuchungen. Die SWG will aus dem ersten Gebäudebereich mitsamt der Bohlenstube einen öffentlich zugänglichen Bereich machen, der in Stadtführungen mit eingebunden oder zum Tag des offenen Denkmals erkundet werden kann. Eine Tafel soll über die Geschichte des Hauses informieren und vielleicht wird man auch einige der Fundstücke ausstellen können.

Bis es soweit ist, werden die SWG, Frau Hesse und ihr Mann noch einiges zu tun haben, schließlich sollen die Gäste die "gute Stube" dann auch wieder über eine ordentliche Treppe erreichen können. Als Hüter des Hauses werden die Hesses über dieses neue Kapitel in der Geschichte der Nummer 12 wachen. Geht man auch in Zukunft so mit dem Erbe der Stadt um, wird es bestimmt nicht das letzte Kapitel gewesen sein und könnte auch für den Rest der Altstadt ein Schritt in die richtige Richtung sein.
Angelo Glashagel
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Das älteste Haus am Platz - die Domstraße 12 in Nordhausen (Foto: Angelo Glashagel)
Autor: red

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