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Fr, 22:16 Uhr
27.11.2015
Projektabschluss vorgestellt

Ein Jahr Elektro-Mobil in Werther

Demografischer Wandel, Energiewende, Dorfsterben und Stadtflucht sind die Herausforderungen der Zukunft, insbesondere für ländlich geprägte Regionen. Wie man diesen Aufgaben begegnen kann, hat man in Werther in einem Modellprojekt ausprobieren können. Heute wurden die Ergebnisse vorgestellt...

Die junge Generation zieht es in die Städte und auf dem Land bleiben die Alten zurück. Bäcker, Fleischer und Tante Emma Laden sind vielerorts nur noch Erinnerung und wenn die Zeit gekommen ist, da es immer schwerer wird sein Leben allein zu gestalten, gehen auch die Alten in die Seniorenheime der Städte. Hält diese Entwicklung an, bleiben von den Dörfern irgendwann nur noch verfallene Gebäude.

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In Werther ist man entschlossen, sich dem entgegenzustemmen und ein Projekt des Freistaates Thüringen und der Fachhochschule Erfurt gaben der Gemeinde die Möglichkeit, neue Wege auszuprobieren. "Es war ein großes Glück und eine große Ehre Teil sein zu dürfen", sagte Werthers Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt.

Das Hauptaugenmerk lag dabei zunächst auf der besseren Versorgung und der Energiewende. Was zum eigentlichen Kern der Sache werden sollte kam eher als sekundärer Gedanke hinzu: E-Mobilität. Seit Anfang 2014 war in Werther das "Werther-Mobil" unterwegs, ein Elektro-Auto das mehrere Zwecke erfüllen sollte. Zum einen waren das Hol- und Bringedienste. Verbunden wurden die wiederrum mit dem ebenfalls neu eingerichteten Dorfladen. Der sollte all die Aufgaben übernehmen, die langsam aus dem dörflichen Leben verschwunden sind, wie Bäcker und Fleischer, und sich durch die Multifunktionalität behaupten. Der Wagen diente als Lieferfahrzeug, was ebenfalls der Auslastung des Ladens zu Gute kommen sollte.

Mit dem Werther Mobil soll es in die Zukunft der E-Mobilität gehen (Foto: Angelo Glashagel) Mit dem Werther Mobil soll es in die Zukunft der E-Mobilität gehen (Foto: Angelo Glashagel) Aufgabe Nummer zwei: Mobilität gerade für die älteren Einwohner die entweder kein eigenes Auto mehr besitzen oder nicht mehr fahren können. Der Fahrdienst sollte sie zu Arzt- oder Amtsterminen bringen. Wie sich zeigte machten die über 70 und 80jährigen die Hauptbenutzergruppe des Werther-Mobils aus. Aber auch Privatpersonen und Vereine sollten den Wagen mieten können.

Das geschah allerdings eher selten, zumindest bis zum Sommer. Der Anlauf sei "extrem zäh" verlaufen, sagte Prof. Dr.-Ing. Dr. h.c. Heinrich H. Kill vom Institut Verkehr und Raum der Fachhochschule Erfurt. Die Entwicklung sei aber kein Einzelfall, grundsätzlich dauere es bis die Wahrnehmung von Angeboten in der Bevölkerung einsetze. Inzwischen wüssten vor allem die Vereine die Möglichkeiten und Ladekapazitäten des Fahrzeugs zu schätzen. Immerhin zwischen 8 und 10 Stammkunden sowie eine handvolle gelegentliche Nutzer habe das E-Mobil, das klinge zwar nach wenig, sei aber aus Sicht der Forscher "ganz ordentlich", so Prof. Kill.

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Am Nachmittag wurden in Werther die Ergebnisse des Projektes vorgestellt (Foto: Angelo Glashagel) Am Nachmittag wurden in Werther die Ergebnisse des Projektes vorgestellt (Foto: Angelo Glashagel)

Das die E-Mobilität auf dem Vormarsch ist, zeigte Jörg Kallenbach vom Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie und Naturschutz. So würden derzeit die gesetzlichen Rahmenbedingungen für ausgewiesene Parkplätze für Elektroautos, Anreize für Unternehmen zur Anschaffung von Elektroautos und nicht zuletzt auch für einheitliche "Zapfsäulen" geschaffen. Mit Förderung vom Bund soll auch das Reichweiteproblem in Zukunft gelöst werden. Bis nach Erfurt hatte man es mit dem Werther-Mobil schon ohne Probleme geschafft. Vor Ort weihte man im Rahmen des Fachtages Elektromobilität im Juli des vergangenen Jahres eine Ladesäule ein.

Bis Elektroautos aber das Straßenbild dominieren werden, wird es noch eine Weile dauern. Und die E-Mobilität bringt ihre ganz eigenen Herausforderungen mit. Auch damit hat man sich Werther schon befasst. Statt einfach aus der Steckdose sollte der Strom auch aus Nachhaltigen Quellen kommen, genau genommen mehreren Solarpaneelen auf dem Dach des eigens erichteten Carports.

Die Ladung der Batterie erfolgte aber letztlich doch über das Stromnetz, weil das Auto tagsüber natürlich vor allem Tagsüber eingesetzt wurde. Die vom Solardach erzeugte Energie wurde ins Netz eingespeist oder diente der Deckung des Verbrauchs der Gemeindeverwaltung.

Nächster Schritt für das ambitionierte Zukunftsprojekt in Werther ist die Installation eines Stromspeichersystems. Und auch wenn heute die ersten Projektergebnisse präsentiert worden, hofft man die Aufgabe noch einige Monate weiter führen zu können. Die E-Mobilität wird Werther in jedem Fall erhalten bleiben.
Angelo Glashagel
Autor: red

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