Di, 00:27 Uhr
08.06.2004
Denkzettel ankreuzen
Nordhausen (nnz). Die PDS bot nicht in jeder Frage das Gelbe vom Ei, trotzdem ist sie zuverlässig in ihren Ansichten. Der das sagt, muß es wissen, denn kein geringerer als Gregor Gysi äußerte dieses vergagenen Abend in Werther. Mehr mit einem Klick.
Denkzettel ankreuzen (Foto: nnz)
Die "Hoffnung" in Werther war voll. Von überall wurden Stühle herangeschleppt, trotzdem gab es nicht genug Plätze. Gregor Gysi kam pünktlich. Gegrüßt wurde der einstige Spitzenmann der PDS mit riesigem Applaus.
Zu nahezu allen Themen hatte der Sozialist etwas zu sagen. Das tat er in seiner gewohnt mitreißenden Art. Seine Rede wurde immer wieder durch Klatschen unterbrochen, so gut kam er an.
Warum man sich zur Landtags- und besonders zur Europawahl für die PDS entscheiden sollte erfuhren seine Anhänger. Wer die CDU in Thüringen nicht wieder an der Macht sehen möchte, der sollte nicht die SPD wählen, die habe eh keine Chance und würde deshalb vielleicht eine Koalition mit der CDU eingehen. Wer die Bundespolitik der SPD ablehne und daher die CDU ankreuze, würde auch nicht dafür sorgen, daß es in diesem Land besser wird, eher noch unsozialer. Auch eine Wahl der Grünen unterstütze die derzeitige Regierung. Eine Entscheidung für die FDP würde noch stärkere Einschnitte in verschiedenen Bereich fördern. Also bliebe nur PDS zu wählen, damit könne man allen einen Denkzettel verpassen, erklärte Gregor Gysi.
Was eine Wahl der PDS ins Europaparlament für die Bundespolitik bedeuten würde, erklärte er ebenfalls. Für die ostdeutschen Bundesländer würde dann mehr getan, ein Zugeständnis gewissermaßen. Denn die andere "rote" Partei will schließlich an der Macht bleiben. Der Einzug der Sozialisten in Brüssel und auch eine hohe Stimmenzahl in Thüringen zeige allen anderen, daß die Ossis immer noch, oder auch schon wieder, sehr frustriert sind. Sie wollen ihre eigene Partei, und die haben sie in der PDS gefunden, ist sich Gregor Gysi sicher.
Am Scheitern der 5 % Hürde bei der Bundestagswahl räumt Gysi seine Mitschuld ein. Über die jetzige Politik äußerte er Enttäuschung. Natürlich könne man von Gerhard Schröder keine revolutionären Taten erwarten, aber daß er den Staat um einen Großteil der Einnahmen bringe und nun über Geldmangel klage, das sei nicht zu verstehen.
Als konkrete Beispiele führte Gysi die Abschaffung der Veräußerungserlössteuer für Kapitalgesellschaften und die Senkung der Körperschaftssteuer an. Im Zuge dessen seien Großunternehmen sogar Steuergeschenke gemacht worden, obwohl besonders die Körperschaftssteuer unter Helmut Kohl die dritthöchste Einnahmequelle nach Mehrwert- und Lohnsteuer war.
Wie seiner Meinung nach die Probleme mit den Lohnnebenkosten gelöst werden könnte, erklärte Gregor Gysi ebenfalls. Für den Vorschlag einer Abgabe nach Wertschöpfung erntete er tosenden Applaus.
An den anderen Parteien fand er wenig lobenswertes. Vor Gerhard Schröder habe er aber dennoch Achtung, denn dessen Irakpolitik ohne Zustimmung zum Krieg sei eine sehr gute Entscheidung gewesen. Der Mut, sich gegen die USA zu stellen, sei unbedingt anerkennenswert.
An Angela Merkel fände er zwar toll, wie sie es all den Westkerlen gezeigt habe, aber ihre Haltung im Krieg versteht Gysi nicht. Wie sie nach Washington gekrochen sei und betont habe, daß sich Deutschland mit der CDU daran beteiligt hätte, fand er äußerst peinlich.
Weitere Themen waren Bildung, Umweltschutz, Europapolitik und die mögliche Bildung einer linken Partei in Westdeutschland. Mit seinen zum Teil unkonventionellen Ideen riß er die Sozialisten mit.
Nach fast zwei Stunden wollte der gesundheitlich angeschlagene Politiker dann gehen. Autogramme mußte er aber vorher noch geben. Obwohl er längst nicht mehr so aktiv ist wie früher, besteht nach wie vor ein großes Interesse an dem PDS Mann. In einigen Punkten stimmt er auch mit den anderen Parteien überein, trotzdem ist er sich sicher, daß ein Kreuz für die Sozialisten eines an der richtigen Stelle ist.
Den Nerv seiner großen Fangemeinde hat Gregor Gysi mit seiner Rede in Werther auf jeden Fall getroffen. Mit minutenlangem Applaus wurde er verabschiedet.
Autor: wf
Denkzettel ankreuzen (Foto: nnz)
Die "Hoffnung" in Werther war voll. Von überall wurden Stühle herangeschleppt, trotzdem gab es nicht genug Plätze. Gregor Gysi kam pünktlich. Gegrüßt wurde der einstige Spitzenmann der PDS mit riesigem Applaus.
Zu nahezu allen Themen hatte der Sozialist etwas zu sagen. Das tat er in seiner gewohnt mitreißenden Art. Seine Rede wurde immer wieder durch Klatschen unterbrochen, so gut kam er an.
Warum man sich zur Landtags- und besonders zur Europawahl für die PDS entscheiden sollte erfuhren seine Anhänger. Wer die CDU in Thüringen nicht wieder an der Macht sehen möchte, der sollte nicht die SPD wählen, die habe eh keine Chance und würde deshalb vielleicht eine Koalition mit der CDU eingehen. Wer die Bundespolitik der SPD ablehne und daher die CDU ankreuze, würde auch nicht dafür sorgen, daß es in diesem Land besser wird, eher noch unsozialer. Auch eine Wahl der Grünen unterstütze die derzeitige Regierung. Eine Entscheidung für die FDP würde noch stärkere Einschnitte in verschiedenen Bereich fördern. Also bliebe nur PDS zu wählen, damit könne man allen einen Denkzettel verpassen, erklärte Gregor Gysi.
Was eine Wahl der PDS ins Europaparlament für die Bundespolitik bedeuten würde, erklärte er ebenfalls. Für die ostdeutschen Bundesländer würde dann mehr getan, ein Zugeständnis gewissermaßen. Denn die andere "rote" Partei will schließlich an der Macht bleiben. Der Einzug der Sozialisten in Brüssel und auch eine hohe Stimmenzahl in Thüringen zeige allen anderen, daß die Ossis immer noch, oder auch schon wieder, sehr frustriert sind. Sie wollen ihre eigene Partei, und die haben sie in der PDS gefunden, ist sich Gregor Gysi sicher.
Am Scheitern der 5 % Hürde bei der Bundestagswahl räumt Gysi seine Mitschuld ein. Über die jetzige Politik äußerte er Enttäuschung. Natürlich könne man von Gerhard Schröder keine revolutionären Taten erwarten, aber daß er den Staat um einen Großteil der Einnahmen bringe und nun über Geldmangel klage, das sei nicht zu verstehen.
Als konkrete Beispiele führte Gysi die Abschaffung der Veräußerungserlössteuer für Kapitalgesellschaften und die Senkung der Körperschaftssteuer an. Im Zuge dessen seien Großunternehmen sogar Steuergeschenke gemacht worden, obwohl besonders die Körperschaftssteuer unter Helmut Kohl die dritthöchste Einnahmequelle nach Mehrwert- und Lohnsteuer war.
Wie seiner Meinung nach die Probleme mit den Lohnnebenkosten gelöst werden könnte, erklärte Gregor Gysi ebenfalls. Für den Vorschlag einer Abgabe nach Wertschöpfung erntete er tosenden Applaus.
An den anderen Parteien fand er wenig lobenswertes. Vor Gerhard Schröder habe er aber dennoch Achtung, denn dessen Irakpolitik ohne Zustimmung zum Krieg sei eine sehr gute Entscheidung gewesen. Der Mut, sich gegen die USA zu stellen, sei unbedingt anerkennenswert.
An Angela Merkel fände er zwar toll, wie sie es all den Westkerlen gezeigt habe, aber ihre Haltung im Krieg versteht Gysi nicht. Wie sie nach Washington gekrochen sei und betont habe, daß sich Deutschland mit der CDU daran beteiligt hätte, fand er äußerst peinlich.
Weitere Themen waren Bildung, Umweltschutz, Europapolitik und die mögliche Bildung einer linken Partei in Westdeutschland. Mit seinen zum Teil unkonventionellen Ideen riß er die Sozialisten mit.
Nach fast zwei Stunden wollte der gesundheitlich angeschlagene Politiker dann gehen. Autogramme mußte er aber vorher noch geben. Obwohl er längst nicht mehr so aktiv ist wie früher, besteht nach wie vor ein großes Interesse an dem PDS Mann. In einigen Punkten stimmt er auch mit den anderen Parteien überein, trotzdem ist er sich sicher, daß ein Kreuz für die Sozialisten eines an der richtigen Stelle ist.
Den Nerv seiner großen Fangemeinde hat Gregor Gysi mit seiner Rede in Werther auf jeden Fall getroffen. Mit minutenlangem Applaus wurde er verabschiedet.


