Sa, 11:26 Uhr
05.06.2004
Briefe aus Bad Füssing (4)
Nordhausen (nnz). Tourismus soll in Thüringen zu einem starken Wirtschaftsfaktor ausgebaut werden. Wirtschaftsminister Jürgen Reinholz (CDU) hat dazu ein Programm vorgestellt, das einleuchtend und plausibel klingt. Wie aber soll es mit dem Tourismus in der Region um Nordhausen herum weitergehen?
Im niederbayerischen Bad Füssing lebt die gesamte Region vom Tourismus, alles, aber auch alles ist auf die Gäste und Urlauber ausgerichtet. Drei Thermen lassen warmes Gesundheitswasser aus 1.000 Meter Tiefe an der Oberfläche sprudeln und schufen in den 70er Jahren die Voraussetzung für einen florierenden Industriezweig. Doch auch in diesem traditionellen Kurort machen sich Veränderungen bemerkbar. Das Durchschnittsalter der Kurgäste ist zurückgegangen. Neben den 60 bis 70jährigen finden sich immer mehr Gäste, die noch voll in der Blüte ihres Lebens stehen.
Die wollen mit einem Aufenthalt erreichen, dass diese Blüte noch lange anhält. Neben den bewährten Kuren bieten die Hotels in Bad Füssing zunehmend Wellness-Pakete oder exotisch klingende Projekte an. Ein Blick in die Homepage unseres Falkenhofes verrät die Veränderung. Die altersmäßige Zusammensetzung der Kurgäste trägt dem Trend Rechnung, lässt ihn erfolgreich erscheinen. Schließlich muß sich auch der Tourismus in Bad Füssing rechnen. Der Falkenhof hat sich den Veränderungen gestellt. In den Wintermonaten nahm Hotel-Chefin Kordula Wieder noch einmal 3,5 Millionen Euro in die Hand und krempelte das Hotel um. Die Zimmer wurden größer, schöner, gesünder gestaltet. Man findet kaum noch Metall, stattdessen Korb und Holz, eine hauseigene Therme macht den Besuch der traditionellen Thermen überflüssig. Urlaub total im Vital-Hotel, auch – eigene Erfahrung – bei total verregnetem Urlaub.
Trotz rückläufiger Zahlen bei den klassischen Kurgästen (die Gesundheitsreform lässt grüßen) - der Tourismus boomt immer noch, ist der Wirtschaftsfaktor Nummer 1. Immer noch werden Arbeitskräfte gesucht, immer noch liegt die Arbeitslosenquote bei nicht einmal 8 Prozent. Dafür wird aber auch etwas getan: Neue Radwege wurden angelegt, Nordic-Walking-Strecken entstanden. Alles riecht in dieser Region nach einem, wirklich nach einem Konzept, dem sich letztlich auch die Hotelbetreiber unterordnen. Nur wenn das gesamte Konzept der Region aufgeht, sagt Kordula Wieder vom Falkenhof, stimmt auch die einzelnen Kasse.
Ein Gesamtkonzept muß auch für die Nordhäuser Region her. Die formalen Schritte wurden mit der Gründung des Tourismusvereins zwischen Harz und Kyffhäuser getan. Kleine Schritte sind die Herausgabe von Broschüren, sind Messe-Auftritte. Was aber, so fragen sich Insider wie Laien, soll die Region um Nordhausen herum attraktiv für Urlauber aus Schleswig-Holstein, Bayern oder Berlin machen? Ein Biosphärenreservat Südharz kann es wohl kaum sein, schließlich sollen da nicht nur Wissenschaftler oder Hobby-Forscher mit der Lupe oder dem Kescher durch die Gipskarstlandschaft rennen. Tourismus braucht Massen, die letztlich die Kassen klingeln lassen. Die Kassen in Neustadt genauso wie in Ilfeld, in der Goldenen Aue oder die in Nordhausen.
Das der Winkelberg nun fast gerettet worden ist, sei sicher zu bejubeln. Doch damit lockt man nicht einen einzigen Urlauber mehr in die Region, die Rettung des Winkelberges war notwendig, um den touristischen Bestand im Südharz nicht zu gefährden. Nicht weniger aber auch nicht mehr.
In den kommenden Monaten muß in und um Nordhausen ein touristisches Paket für eine Region geschürt werden. Da sollten sich all die einbringen, die meinen, Tourismus sei ein Wirtschaftsfaktor, die meinen, die Region habe was zu bieten. Die Trümpfe müssen auf den Tisch, die Trümpfe der Region müssen vielleicht auch mit denen anderer Regionen verknüpft werden.
Eine punktuelle Lösung wie in Bad Füssing – bedingt durch die thermischen Quelle als Geschenk der Natur – wird es in und um Nordhausen nicht geben. Trotzdem sind auch im Norden Thüringens Chancen da. Man darf sie nur nicht egoistisch vertun.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnzIm niederbayerischen Bad Füssing lebt die gesamte Region vom Tourismus, alles, aber auch alles ist auf die Gäste und Urlauber ausgerichtet. Drei Thermen lassen warmes Gesundheitswasser aus 1.000 Meter Tiefe an der Oberfläche sprudeln und schufen in den 70er Jahren die Voraussetzung für einen florierenden Industriezweig. Doch auch in diesem traditionellen Kurort machen sich Veränderungen bemerkbar. Das Durchschnittsalter der Kurgäste ist zurückgegangen. Neben den 60 bis 70jährigen finden sich immer mehr Gäste, die noch voll in der Blüte ihres Lebens stehen.
Die wollen mit einem Aufenthalt erreichen, dass diese Blüte noch lange anhält. Neben den bewährten Kuren bieten die Hotels in Bad Füssing zunehmend Wellness-Pakete oder exotisch klingende Projekte an. Ein Blick in die Homepage unseres Falkenhofes verrät die Veränderung. Die altersmäßige Zusammensetzung der Kurgäste trägt dem Trend Rechnung, lässt ihn erfolgreich erscheinen. Schließlich muß sich auch der Tourismus in Bad Füssing rechnen. Der Falkenhof hat sich den Veränderungen gestellt. In den Wintermonaten nahm Hotel-Chefin Kordula Wieder noch einmal 3,5 Millionen Euro in die Hand und krempelte das Hotel um. Die Zimmer wurden größer, schöner, gesünder gestaltet. Man findet kaum noch Metall, stattdessen Korb und Holz, eine hauseigene Therme macht den Besuch der traditionellen Thermen überflüssig. Urlaub total im Vital-Hotel, auch – eigene Erfahrung – bei total verregnetem Urlaub.
Trotz rückläufiger Zahlen bei den klassischen Kurgästen (die Gesundheitsreform lässt grüßen) - der Tourismus boomt immer noch, ist der Wirtschaftsfaktor Nummer 1. Immer noch werden Arbeitskräfte gesucht, immer noch liegt die Arbeitslosenquote bei nicht einmal 8 Prozent. Dafür wird aber auch etwas getan: Neue Radwege wurden angelegt, Nordic-Walking-Strecken entstanden. Alles riecht in dieser Region nach einem, wirklich nach einem Konzept, dem sich letztlich auch die Hotelbetreiber unterordnen. Nur wenn das gesamte Konzept der Region aufgeht, sagt Kordula Wieder vom Falkenhof, stimmt auch die einzelnen Kasse.
Ein Gesamtkonzept muß auch für die Nordhäuser Region her. Die formalen Schritte wurden mit der Gründung des Tourismusvereins zwischen Harz und Kyffhäuser getan. Kleine Schritte sind die Herausgabe von Broschüren, sind Messe-Auftritte. Was aber, so fragen sich Insider wie Laien, soll die Region um Nordhausen herum attraktiv für Urlauber aus Schleswig-Holstein, Bayern oder Berlin machen? Ein Biosphärenreservat Südharz kann es wohl kaum sein, schließlich sollen da nicht nur Wissenschaftler oder Hobby-Forscher mit der Lupe oder dem Kescher durch die Gipskarstlandschaft rennen. Tourismus braucht Massen, die letztlich die Kassen klingeln lassen. Die Kassen in Neustadt genauso wie in Ilfeld, in der Goldenen Aue oder die in Nordhausen.
Das der Winkelberg nun fast gerettet worden ist, sei sicher zu bejubeln. Doch damit lockt man nicht einen einzigen Urlauber mehr in die Region, die Rettung des Winkelberges war notwendig, um den touristischen Bestand im Südharz nicht zu gefährden. Nicht weniger aber auch nicht mehr.
In den kommenden Monaten muß in und um Nordhausen ein touristisches Paket für eine Region geschürt werden. Da sollten sich all die einbringen, die meinen, Tourismus sei ein Wirtschaftsfaktor, die meinen, die Region habe was zu bieten. Die Trümpfe müssen auf den Tisch, die Trümpfe der Region müssen vielleicht auch mit denen anderer Regionen verknüpft werden.
Eine punktuelle Lösung wie in Bad Füssing – bedingt durch die thermischen Quelle als Geschenk der Natur – wird es in und um Nordhausen nicht geben. Trotzdem sind auch im Norden Thüringens Chancen da. Man darf sie nur nicht egoistisch vertun.
Peter-Stefan Greiner

