Mo, 19:42 Uhr
07.09.2015
EINE OFT GESTELLTE FRAGE UNSERER LESER:
Was kommt nach den Flüchtlingsströmen?
Deutschland ist für viele Flüchtlinge das Land der Hoffnung. Eine Million Asyl-Begehrer könnten es bis Jahresende werden. Über 22000 in Thüringen, um die 1000 für unseren Landkreis. Angesichts der seit Wochen anschwellenden Flüchtlingsströme häufen sich verständlicherweise in den Medien die Beiträge zu diesem Thema...
Auch Nordhausen unter Oberbürgermeister Klaus Zeh und der Landkreis unter Landrat Matthias Jendricke bieten eine Willkommenskultur. Eine menschenwürdige Unterkunft mit sicherem Dach über den Kopf soll es bis zum Winter werden. Eine gute Verpflegung wird garantiert. Eine Perspektive in Aussicht gestellt. Das alles ist richtig. Aber wohl nur die gegenwärtige Situation. Wie überall in Deutschland.
Es entsteht der Eindruck, all die damit verbundenen Probleme lösen zu können, wenn man Unterbringung und Versorgung organisiert hat. Was aber wird morgen, übermorgen, nächste Woche, nächstes Jahr und in den darauf folgenden sein? Fragen, die uns viele Leser dieser Zeitung stellen.
Der Strom derer, die sich eine bessere Zukunft bei uns erhoffen, wird sich nicht verringern oder gar abreißen. Im Gegenteil. Wenn die Untergebrachten und Versorgten nach Hause von den deutschen Wohltaten und der Herzlichkeit des Empfangs berichten, werden sie viele Nachahmer finden, versuchen, ihre Familienangehörigen nachkommen zu lassen.
Von 450000 bis zu einer Million Flüchtlinge geht die Bundesrepublik für die kommenden Jahre aus. Offiziell. Milliarden stellt sie dafür zur Verfügung. Die braucht es auch. Etwa 50 Prozent der jungen Männer, war zu hören und zu lesen, die bisher zu uns kamen, beherrschten weder die deutsche Sprache noch hätten sie einen Beruf erlernt.
Jetzt kommen selbst deutsche Politiker auf die Idee, das man nun auch alles Erdenkliche tun müsse, damit die Flüchtlinge künftig in ihrem eigenen Land bleiben und dort auch unter menschenwürdigen Bedingungen leben können. Zum Beispiel, indem UN-Soldaten ihre Heimat sichern.
Laut Bericht von Human Rights Watch für 2015 ist die USA der Hauptschuldige für die Flüchtlingsströme. Die Menschenrechtsorganisation sieht den Aufschwung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und anderer extremistischer Gruppierungen als globale Herausforderung unserer Tage. Folge der US-Politik.
Haben nicht der Sturz des Saddam Hussein im Irak durch amerikanische Bomben und Geschütze und die Machenschaften der Amerikaner in anderen Ländern zu einem Machtvakuum geführt, das ein Vordringen der IS-Terrormilizen erst ermöglichte?
Hussein war zweifellos ein Diktator, aber nach seinem Sturz starben bisher weitaus mehr Menschen als je unter seiner Herrschaft. Sunniten gegen Schiiten. Und umgekehrt. Kaum eine Woche ohne Attentate und tote Menschen auf den Straßen. Auch Slobodan Milosevic war ein Despot. Nach ihm dank amerikanischer Bombardierungen ohne UN-Mandat kamen nicht etwa Ruhe und Frieden, sondern der Zerfall Jugoslawiens. Bis heute: Nationalitätenkonflikte im Vielvölkerstaat mit all ihren Folgen.
Doch mit Drohnen und Luftangriffen allein, wie sich die Amerikaner brüsten, sind die Terrormilizen, die übrigens mit modernen amerikanischen Waffen kämpfen, nicht in den Griff zu bekommen. Bodentruppen werden die USA und ihre Verbündeten – Deutschland ist den Amerikanern besonders treu ergeben – aber nicht entsenden. Das scheint den Amerikanern auch gar nicht wünschenswert zu sein, denn so lange der Krieg anhält, verdienen die großen Rüstungskonzerne gutes Geld. In Ost und West. Auch Deutschland.
Firmen wie Lockheed Martin, Boeing und AM General, deren Umsätze zuvor zurückgingen, freuen sich über Millionenaufträge. Da stirbt die Moral. Das Interesse gewisser Kreise, Frieden zu schaffen, dürfte eher gering sein. US-Amerikaner werden ja auch nicht mit den Folgen, die ihr Krieg im Irak und anderswo mit sich bringt, konfrontiert.
Dass Menschen flüchten, die um ihr Leben fürchten, Frauen verschleppt und vergewaltigt, Trinkwasser verseucht und Häuser zerstört werden, ist allzu verständlich. Doch um die Flüchtlinge kümmern sich nicht die Verursacher, sondern diejenigen, bei denen sie sich in Sicherheit wiegen:die Länder Europas, vor allem Deutschland.
Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat schmiedet Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Auch für eine Lösung der innersyrischen Krise sieht der Kremlchef eine Chance. Ihm zufolge sei Präsident Baschar al-Assad zu Neuwahlen und zu einer Beteiligung seiner Gegner an der Regierung bereit. Außenminister Sergej Lawrow strebe demzufolge eine Anti-IS-Allianz mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats an. Die USA reagierte auf den Vorstoß zurückhaltend. So stirbt womöglich wieder eine Hoffnung.
Auch morgen, übermorgen, nächste Woche, 2016 und vielleicht auch danach werden Flüchtlingsströme deutsche Städte und Kommunen fluten. Auch Nordhausen, wenn es nicht gelingt, Voraussetzungen in ihren Heimatländern zu schaffen, die Menschen von einer Flucht abhalten.
Ob das auf Dauer unsere Sozialsysteme überfordert, wie es der Ungar Viktor Orban, der Russe Putin, die Regierenden in Tschechien und Polen prophezeien, wird die Zeit mit sich bringen.
Deshalb ist heute auch noch keine Antwort auf Fragen vieler Menschen möglich, was nach den Flüchtlingsströmen kommt.
Kurt Frank
Autor: redAuch Nordhausen unter Oberbürgermeister Klaus Zeh und der Landkreis unter Landrat Matthias Jendricke bieten eine Willkommenskultur. Eine menschenwürdige Unterkunft mit sicherem Dach über den Kopf soll es bis zum Winter werden. Eine gute Verpflegung wird garantiert. Eine Perspektive in Aussicht gestellt. Das alles ist richtig. Aber wohl nur die gegenwärtige Situation. Wie überall in Deutschland.
Es entsteht der Eindruck, all die damit verbundenen Probleme lösen zu können, wenn man Unterbringung und Versorgung organisiert hat. Was aber wird morgen, übermorgen, nächste Woche, nächstes Jahr und in den darauf folgenden sein? Fragen, die uns viele Leser dieser Zeitung stellen.
Der Strom derer, die sich eine bessere Zukunft bei uns erhoffen, wird sich nicht verringern oder gar abreißen. Im Gegenteil. Wenn die Untergebrachten und Versorgten nach Hause von den deutschen Wohltaten und der Herzlichkeit des Empfangs berichten, werden sie viele Nachahmer finden, versuchen, ihre Familienangehörigen nachkommen zu lassen.
Von 450000 bis zu einer Million Flüchtlinge geht die Bundesrepublik für die kommenden Jahre aus. Offiziell. Milliarden stellt sie dafür zur Verfügung. Die braucht es auch. Etwa 50 Prozent der jungen Männer, war zu hören und zu lesen, die bisher zu uns kamen, beherrschten weder die deutsche Sprache noch hätten sie einen Beruf erlernt.
Jetzt kommen selbst deutsche Politiker auf die Idee, das man nun auch alles Erdenkliche tun müsse, damit die Flüchtlinge künftig in ihrem eigenen Land bleiben und dort auch unter menschenwürdigen Bedingungen leben können. Zum Beispiel, indem UN-Soldaten ihre Heimat sichern.
Laut Bericht von Human Rights Watch für 2015 ist die USA der Hauptschuldige für die Flüchtlingsströme. Die Menschenrechtsorganisation sieht den Aufschwung der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) und anderer extremistischer Gruppierungen als globale Herausforderung unserer Tage. Folge der US-Politik.
Haben nicht der Sturz des Saddam Hussein im Irak durch amerikanische Bomben und Geschütze und die Machenschaften der Amerikaner in anderen Ländern zu einem Machtvakuum geführt, das ein Vordringen der IS-Terrormilizen erst ermöglichte?
Hussein war zweifellos ein Diktator, aber nach seinem Sturz starben bisher weitaus mehr Menschen als je unter seiner Herrschaft. Sunniten gegen Schiiten. Und umgekehrt. Kaum eine Woche ohne Attentate und tote Menschen auf den Straßen. Auch Slobodan Milosevic war ein Despot. Nach ihm dank amerikanischer Bombardierungen ohne UN-Mandat kamen nicht etwa Ruhe und Frieden, sondern der Zerfall Jugoslawiens. Bis heute: Nationalitätenkonflikte im Vielvölkerstaat mit all ihren Folgen.
Doch mit Drohnen und Luftangriffen allein, wie sich die Amerikaner brüsten, sind die Terrormilizen, die übrigens mit modernen amerikanischen Waffen kämpfen, nicht in den Griff zu bekommen. Bodentruppen werden die USA und ihre Verbündeten – Deutschland ist den Amerikanern besonders treu ergeben – aber nicht entsenden. Das scheint den Amerikanern auch gar nicht wünschenswert zu sein, denn so lange der Krieg anhält, verdienen die großen Rüstungskonzerne gutes Geld. In Ost und West. Auch Deutschland.
Firmen wie Lockheed Martin, Boeing und AM General, deren Umsätze zuvor zurückgingen, freuen sich über Millionenaufträge. Da stirbt die Moral. Das Interesse gewisser Kreise, Frieden zu schaffen, dürfte eher gering sein. US-Amerikaner werden ja auch nicht mit den Folgen, die ihr Krieg im Irak und anderswo mit sich bringt, konfrontiert.
Dass Menschen flüchten, die um ihr Leben fürchten, Frauen verschleppt und vergewaltigt, Trinkwasser verseucht und Häuser zerstört werden, ist allzu verständlich. Doch um die Flüchtlinge kümmern sich nicht die Verursacher, sondern diejenigen, bei denen sie sich in Sicherheit wiegen:die Länder Europas, vor allem Deutschland.
Im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat schmiedet Wladimir Putin Pläne für eine internationale Koalition. Auch für eine Lösung der innersyrischen Krise sieht der Kremlchef eine Chance. Ihm zufolge sei Präsident Baschar al-Assad zu Neuwahlen und zu einer Beteiligung seiner Gegner an der Regierung bereit. Außenminister Sergej Lawrow strebe demzufolge eine Anti-IS-Allianz mit einem Mandat des UN-Sicherheitsrats an. Die USA reagierte auf den Vorstoß zurückhaltend. So stirbt womöglich wieder eine Hoffnung.
Auch morgen, übermorgen, nächste Woche, 2016 und vielleicht auch danach werden Flüchtlingsströme deutsche Städte und Kommunen fluten. Auch Nordhausen, wenn es nicht gelingt, Voraussetzungen in ihren Heimatländern zu schaffen, die Menschen von einer Flucht abhalten.
Ob das auf Dauer unsere Sozialsysteme überfordert, wie es der Ungar Viktor Orban, der Russe Putin, die Regierenden in Tschechien und Polen prophezeien, wird die Zeit mit sich bringen.
Deshalb ist heute auch noch keine Antwort auf Fragen vieler Menschen möglich, was nach den Flüchtlingsströmen kommt.
Kurt Frank


