Do, 20:07 Uhr
03.06.2004
Im doppelten Sinn
Nordhausen (nnz). Nobelpreisträger Imre Kertesz überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald. Eines seiner Werke ist demnächst in der KZ-Gedenkstätte Dora zu erleben. Was das Besondere daran ist, erfahren Sie hier.
Im doppelten Sinn (Foto: nnz)
Schriftsteller Be, der Freund des Lektors Keserü hat Selbstmord begangen. Nach dem Ende des Ostblocks kam er mit der neuen Situation nicht mehr zurecht. Ein neues "Gefängnis" was ihm Sicherheit vermitteln könnte, wollte sich der Auschwitz- Überlebende nicht mehr suchen. Lektor Keserü ist sich sicher, daß es im Nachlaß des Schriftstellers ein Manuskript zu einem entscheidenden Roman geben muß und stellt Nachforschungen an. Dabei zeigt sich immer deutlicher, daß das ganze Leben Bes nur um die Erinnerung an den Holocaust kreiste. Sogar seine Ehe scheiterte an dieser Tatsache.
Wie kann man das Unerzählbare erzählen? Damit beschäftigt sich der Roman in allen Ebenen, die sich zeitlich und in der Erzählstruktur immer wieder überkreuzen und durchdringen. So gelingt es Imre Kertesz die Geschichte Ungarns vom nationalsozialistischen Terror über den Sozialismus bis heute darzustellen.
Zum 60. Mal jährte sich am 29.05. der erste Transport von ungarischen Juden nach Dora. Es grenzt an ein Wunder, daß Imre Kertesz nicht selbst hier war, meint Gedenkstättenleiter Christian Wagner. Man habe schon szenische Lesungen im Stollen veranstaltet, berichtet er weiter, aber Theater spielen auf einer Baustelle, in einem halb fertigen Gebäude, das hat es noch nicht gegeben.
"Liquidation" heißt der Roman, der in Dora vorgelesen wird. Für ein richtiges Stück fehlte die Zeit, da die fünf letzten Schauspieler des Nordhäuser Theaters außerdem das Stück "Der Sohn" spielen. Inszeniert wurden beide Projekte von Regisseur Thomas Janßen. Der hatte "Liquidation" gelesen und war sehr betroffen von diesem Buch. Als letzte Produktion der eigenständigen Schauspielsparte erschien es ihm passend, denn auch hier geht etwas künstlerisch wertvolles zuende.
Die Zusammenarbeit von Theater und Schauspiel sei immer sehr erfreulich gewesen, sagte Christian Wagner, der sofort bereit war, das zukünftige Lern- und Dokumentationszentrum für dieses Experiment zur Verfügung zu stellen. Er bedauerte, daß solche Produktionen in Zukunft wohl nicht mehr so leicht realisierbar sein werden.
Sechs Vorstellungen sind in der Gedenkstätte geplant. Mehr sind wegen der Bauarbeiten nicht möglich, denn Ende Oktober soll das Lern-und Dokumentationszentrum bezogen werden. Einweihung ist jedoch erst am 11. April 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung. Zum letzten Mal werden hier größere Gruppen ehemaliger Häftlinge erwartet.
Karten für die Lesung in besonderer Atmosphäre gibt es an der Theaterkasse zum Preis von 9,- Euro (ermäßigt 7,-). Rabatte gibt es für Gruppen und Jugendliche. Für je einen Euro Aufschlag wird ein Shuttlebus vom Theater zur Gedenkstätte und zurück angeboten. Dafür ist eine Anmeldung nötig. Die Premiere findet am 09. Juni um 20.00 Uhr statt.
Ab 18.00 Uhr sind alle Gäste zu einer kostenlosen Führung über das Gedenkstättengelände eingeladen. Weitere Vorstellungen finden am 10., 19. Und 20. Juni um 20.00 Uhr und am 15. Und 16. Juni um 11.00 Uhr statt. Auch hier kann die Geschichte vorher bei einem Rundgang über die Gedenkstätte erlebt werden.
Autor: wf
Im doppelten Sinn (Foto: nnz)
Schriftsteller Be, der Freund des Lektors Keserü hat Selbstmord begangen. Nach dem Ende des Ostblocks kam er mit der neuen Situation nicht mehr zurecht. Ein neues "Gefängnis" was ihm Sicherheit vermitteln könnte, wollte sich der Auschwitz- Überlebende nicht mehr suchen. Lektor Keserü ist sich sicher, daß es im Nachlaß des Schriftstellers ein Manuskript zu einem entscheidenden Roman geben muß und stellt Nachforschungen an. Dabei zeigt sich immer deutlicher, daß das ganze Leben Bes nur um die Erinnerung an den Holocaust kreiste. Sogar seine Ehe scheiterte an dieser Tatsache.
Wie kann man das Unerzählbare erzählen? Damit beschäftigt sich der Roman in allen Ebenen, die sich zeitlich und in der Erzählstruktur immer wieder überkreuzen und durchdringen. So gelingt es Imre Kertesz die Geschichte Ungarns vom nationalsozialistischen Terror über den Sozialismus bis heute darzustellen.
Zum 60. Mal jährte sich am 29.05. der erste Transport von ungarischen Juden nach Dora. Es grenzt an ein Wunder, daß Imre Kertesz nicht selbst hier war, meint Gedenkstättenleiter Christian Wagner. Man habe schon szenische Lesungen im Stollen veranstaltet, berichtet er weiter, aber Theater spielen auf einer Baustelle, in einem halb fertigen Gebäude, das hat es noch nicht gegeben.
"Liquidation" heißt der Roman, der in Dora vorgelesen wird. Für ein richtiges Stück fehlte die Zeit, da die fünf letzten Schauspieler des Nordhäuser Theaters außerdem das Stück "Der Sohn" spielen. Inszeniert wurden beide Projekte von Regisseur Thomas Janßen. Der hatte "Liquidation" gelesen und war sehr betroffen von diesem Buch. Als letzte Produktion der eigenständigen Schauspielsparte erschien es ihm passend, denn auch hier geht etwas künstlerisch wertvolles zuende.
Die Zusammenarbeit von Theater und Schauspiel sei immer sehr erfreulich gewesen, sagte Christian Wagner, der sofort bereit war, das zukünftige Lern- und Dokumentationszentrum für dieses Experiment zur Verfügung zu stellen. Er bedauerte, daß solche Produktionen in Zukunft wohl nicht mehr so leicht realisierbar sein werden.
Sechs Vorstellungen sind in der Gedenkstätte geplant. Mehr sind wegen der Bauarbeiten nicht möglich, denn Ende Oktober soll das Lern-und Dokumentationszentrum bezogen werden. Einweihung ist jedoch erst am 11. April 2005, dem 60. Jahrestag der Befreiung. Zum letzten Mal werden hier größere Gruppen ehemaliger Häftlinge erwartet.
Karten für die Lesung in besonderer Atmosphäre gibt es an der Theaterkasse zum Preis von 9,- Euro (ermäßigt 7,-). Rabatte gibt es für Gruppen und Jugendliche. Für je einen Euro Aufschlag wird ein Shuttlebus vom Theater zur Gedenkstätte und zurück angeboten. Dafür ist eine Anmeldung nötig. Die Premiere findet am 09. Juni um 20.00 Uhr statt.
Ab 18.00 Uhr sind alle Gäste zu einer kostenlosen Führung über das Gedenkstättengelände eingeladen. Weitere Vorstellungen finden am 10., 19. Und 20. Juni um 20.00 Uhr und am 15. Und 16. Juni um 11.00 Uhr statt. Auch hier kann die Geschichte vorher bei einem Rundgang über die Gedenkstätte erlebt werden.

