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Fr, 08:35 Uhr
14.08.2015
Praktische Integration ganz privat

Lutz Kurth und "seine" Mannschaft

Die Nachrichtenseiten "quellen" über. Flüchtlinge hier, Probleme dort. Und immer wieder weisen uns Politiker darauf hin, wie wichtig die Integration der Menschen ist, die Zuflucht in Deutschland suchen. Die nnz mit einem Beispiel, wie Integration funktioniert - ohne Behördenapparat. Ganz privat...

Nicht nur zum Spiel gehören Regeln... (Foto: nnz) Nicht nur zum Spiel gehören Regeln... (Foto: nnz)
Es ist Donnerstag. Kurz vor 16.45 Uhr. Hinter der Gemeinschaftsunterkunft in der Blum-Straße sitzen Ursula und Lutz Kurth. Wir haben uns verabredet. Viel Zeit hat der ehemalige Unternehmer und passionierte Volleyballer nicht. Denn jeden Moment muss hier "seine" Mannschaft, müssen "seine" Jungs erscheinen. Dennoch bleibt Zeit für die Geschichte.

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Lutz Kurth ist im SVC Nordhausen im Nachwuchsbereich "unterwegs". Er kann sich noch erinnern an die "goldenen Jahre" des Nordhäuser Volleyballs. Damals, als man in der zweiten Bundesliga ans Netz ging. Da spielte auch ein Kameruner mit im SVC-Team. Und Lutz Kurth wusste durch die Medien von der Gemeinschaftsunterkunft in Nordhausen. Es sollte - damals im Frühjahr 2015 - eine Art Talentesichtung werden. Schnell stellte sich heraus - das wird nichts mit dem gehobenen Spiel am Netz. Aber: die jungen Männer - orthodoxe Christen aus Eritrea - wollten weitermachen. Lutz Kurth auch.

Er wollte die jungen Männer auf seine Art integrieren. Wollte regelmäßig mit ihnen Volleyball üben. Der Name seines Projektes "Spielend Deutsch lernen" war schnell gefunden und bringt das Anliegen doppelt auf den Punkt. Also stellte Kurth sein Vorhaben dem Kreissportbund vor. "Super Idee" aber vielleicht gehen Sie mal zum Kreisjugendring. Auch dort befand man die Idee als "klasse" und verwies an den Verein Schrankenlos.

Irgendwie konnte Lutz Kurth einen Förderantrag innerhalb des Projektes "Demokratie leben" stellen. Mit dem Geld wurden Schuhe für die bis zu 25 Mann starke Mannschaft gekauft. Und so trainierte der 71jährige regelmäßig in einer Nordhäuser Sporthalle.

Dann aber kam der Sommer und eigentlich sollte Volleyball im Freien gespielt werden. Kurth erfuhr: Die junge Eritreer spielten liebend gern Fußball. Vor der Gemeinschaftsunterkunft. Das war nicht immer zum Gefallen der Nachbarn und auch nicht der vorbeifahrenden Autos. Also sah sich Lutz Kurth das gesamte Terrain an und befand: Hinter dem Wohnblock gibt es genügend Fläche um einen Volleyballplatz herzurichten.

Immer mit am Netz: Lutz Kurth (2. von rechts) (Foto: nnz) Immer mit am Netz: Lutz Kurth (2. von rechts) (Foto: nnz)
Nun ließ ehemalige Unternehmer seine Kontakte spielen. Sprach mit Mitgliedern des Rotary-Clubs. Sprach mit den Ostermanns von Granitbau, mit der Firma Baumaschinen Kurt König, mit Uwe Törpe. Die einen lieferten einen Bagger für den Erdaushub, die anderen Hacken, Spaten und Heckenscheren. Plötzlich waren auch mehrere Fuhren Sand angeliefert worden und irgendwann sah alles nach einem Volleyballfeld aus.

Die Netzanlage sponserte Rotary, die Löcher buddelten die Jungs aus Eritrea. Natürlich unter Anleitung von Lutz Kurth. Nach einem halben Jahr können sie sich verständigen und Ansprachen hat der 71jährige genügend. Nicht nur zu Spielabläufen und Techniken, sondern auch zur Erledigung von Aufgaben oder zur deutschen Pünktlichkeit.

"Wir sollten die Menschen, die zu uns kommen, nicht allein lassen. Im Alleinlassen entstehen Spannungen. Nach innen und nach außen. Ich habe mich von Woche zu Woche über kleine Fortschritte im gemeinsamen Sporttreiben gefreut", erzählt Lutz Kurth. Politiker würden das womöglich als gelungene Integration beschreiben. Gemeinsam - Lutz Kurth mit "seinen Jungs" soll noch mehr geschehen entlang der Robert-Blum-Straße. Der Volleyballplatz soll gepflegt werden, eine Fläche für ein Fußballfeld soll entstehen. Ideen hat Kurth viele. Und er hat den Willen sie umzusetzen. Auch wenn die Behördengänge mitunter äußerst kompliziert sind. Dann macht er es eben auf seine Tour. Ganz privat.
Peter-Stefan Greiner

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Autor: red

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Kommentare
Rainer-Zufall
14.08.2015, 11:32 Uhr
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