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Di, 18:41 Uhr
01.06.2004

Zeugnisse der Geschichte

Nordhausen (nnz). Es ist kein Quark, was unsere Vorfahren in die Mauerritzen schmierten. Den letzten Zweifler überzeugten heute Martin Koppetzki und Dr. Diethard Walther. Wie die Vergangenheit im Landkreis wirklich aussah, erfahren Sie mit einem Klick.

Zeugnisse der Geschichte (Foto: nnz) Zeugnisse der Geschichte (Foto: nnz) Seit 1994 wurden auf der Burgruine Hohnstein verschiedene Funde gemacht. 1700 kg Steinzeug und Keramikscherben hatten sich unter den Trümmern versteckt, außerdem 231 kg Metall und 66 Münzen. Diese sind teilweise so dünn, daß man sich gar nicht traut sie anzufassen. Wie die Leute früher wohl damit bezahlt haben?

Interessant sind die Ofenkacheln. "Ein Ofen war eine Bibel in Bildern" berichtet Martin Koppetzki vom Landratsamt, der sich sehr für den Erhalt der Burgruine einsetzt. Viele Motive, unter anderem die Kreuzigung Christi, sind in künstlerisch hochwertiger Qualität abgebildet. Neben Darstellungen der christlichen Religion wurden auch Porträits zum Beispiel von Philipp Melanchthon gefunden.

Diese Funde wurden gemeinsam mit dem Landesamt für archäologische Denkmalpflege in Weimar überprüft und katalogisiert. Die besten Stücke sind in Zukunft im Tabakspeicher zu sehen. Es soll außerdem eine Ausstellung in Foyer des Landratsamtes geben.

Damit die Burgruine Hohnstein nicht einstürzt, sondern auch in hundert Jahren noch ein Anziehungspunkt für Touristen ist, wurden seit 1994 zahlreiche Baumaßnahmen durchgeführt. Die Mittel kommen zum Teil über die Gemeinde Neustadt aus der Städtebauförderung. Der notwendige Eigenanteil wird vom Landkreis als Besitzer der Anlage getragen. Bis 2003 wurden 624.024,04 Euro verbaut. Die jetzige Gaststätte und das Toilettenhäuschen wurden saniert. Verschiedene Mauern sind gesichert, die Mantelmauer an der Südseite wird zur Zeit geschlossen.

2004 werden die Arbeiten auf Grund neuer Fördermittelbescheide fortgeführt. Die Matelmauer wird 45.000,- Euro kosten, der Bergfried 15.000,-. Geplant ist außerdem in diesem Jahr ein Notdach für den Treppenturm zu konstruieren, damit dieser vor Regen und Frostschäden geschützt wird. Desweiteren sollen Arbeiten an der nördlichen Umfassungsmauer zwischen Brunnen und unterem Tor durchgeführt werden.

Um Baumaterial für die Rekonstruktion der Burganlage herzustellen, wird der alte Gips einfach wieder aufgearbeitet. Wie das funktioniert erklärte "Burgherr" Martin Koppetzki. Da der Gips Wasser aufnimmt und als Baustoff sozusagen lebt, kann er durch einfaches Entziehen des Wassers wieder reaktiviert werden. In einen selbst gebauten Steinofen wird der historische Mörtel in Schichten mit Holz dazwischen erhitzt und langsam ausgetrocknet. Die Brocken können jetzt einfach zerstampft, das Pulver neu an gemischt und erneut verwendet werden. Für tragende Mauern gibt es für das Recyclingmaterial bis jetzt noch keine Freigabe, für einfache, nicht tragende Mauerteile ist es freigegeben.

Die Burgruine Hohnstein soll nicht wieder aufgebaut werden, aber durch die Sicherung und teilweise Wiederherstellung können den Besuchern weitere Teile zugänglich gemacht werden.

In ungefähr 14 Tagen ist es dann möglich den Aussichtsturm zu betreten. Für die dort hängende Landkreisfahne wird noch ein Sponsor gesucht. Dieses Wahrzeichen müßte aus besonders strapazierfähigem Segeltuch sein, denn es ist häufig starkem Wind ausgesetzt.

Das Leben auf einer Burg können Interessierte beim Mittelalterfest erkunden, oder bei Führungen über das Gelände der Burgruine Hohnstein. Auf einer Burg leben, wird heute keiner mehr wollen, auch wenn die Wände garantiert nicht mit Quark zusammengehalten wurden.
Autor: wf

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