Mo, 06:16 Uhr
10.08.2015
Rote Listen werden immer länger
Mähen gegen Artenverluste…
…oder besser gegen den Verlust von immer mehr Standorten bedrohter Pflanzenarten. Dies haben sich Mitstreiterinnen und Mitstreiter des BUND-Kreisverbandes Nordhausen seit Jahren auf die Fahnen geschrieben...
Wir dürfen die immer länger werdenden Roten Listen, die Hilflosigkeit der Politik und eine allgemeine Gleichgültigkeit nicht hinnehmen und müssen handeln, so Organisator Bodo Schwarzberg. Und: Etwa die Hälfte aller einheimischen Pflanzenarten ist bedroht. Viele sind bereits aus unserer Region verschwunden und es werden immer mehr.
Seit 2010 führen Mitglieder des BUND-Kreisverbandes Pflegeeinsätze zumeist auf den besonders von den Verlusten betroffenen Trocken- und Halbtrockenrasen durch. Am vergangenen Sonnabend mähten fünf Aktive des BUND-Kreisverbandes Nordhausen Halbtrockenrasen, die auf einer vertraglich festgelegten Fläche von 0,35 ha im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz bei Buchholz liegen. Das zugrundeliegende Programm heißt NALAP (Natur- und Landschaftspflegeprogramm). Der Vertrag wurde über die Untere Naturschutzbehörde mit dem Landesverwaltungsamt Thüringen geschlossen und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.
Die Mahd führt zur Förderung schnittfester Arten und zum Nährstoffentzug. Dadurch können Pflanzengemeinschaften erhalten werden, die sich nach der letzten Eiszeit bildeten und die durch die Menschen seit Jahrhunderten durch eine entsprechende Bewirtschaftung (Mahd, Schaf- und Ziegenweide) erhalten bzw. sogar erweitert wurden. Seit dem Zweiten Weltkrieg und besonders verstärkt seit der Wende verlieren wir immer mehr dieser artenreichsten Lebensräume unserer mitteleuropäischen Kulturlandschaft, so Schwarzberg. Er benennt Verbuschung, Beweidung mit Rindern und die Immission von anthropogenen erzeugten Stickstoffverbindungen als Ursachen. – Und die Unfähigkeit sowie Ignoranz der Politik.
Die Naturschützer wissen, dass sie die zunehmende Entwertung unserer einmaligen Gipskarstlandschaft daher kaum werden allein stoppen können. Aber einzelne, besonders wertvolle Flächen erhalten helfen, das praktizieren sie mit Erfolg. Sie könnten als Pool für eine Neubesiedlung anderer Flächen dienen, die hoffentlich schon bald wieder im Sinne des Naturschutzes bewirtschaftet werden.
Am vergangenen Sonnabend beteiligten sich Helga und Karl-Heinz Junker aus Sondershausen, Reiner Peix aus Niedersachswerfen sowie Klaus Dieter Zimara und Bodo Schwarzberg aus Nordhausen am jüngsten Einsatz. Mit zwei Freischneidern, mehreren Heuharken und einem geflochtenen Korb mähten und beräumten sie acht Stunden lang – bis es nichts mehr zu mähen gab. Auch wurde an wenigen Stellen junger Gebüschaufwuchs entfernt, Schlehen zum Beispiel, die sich förmlich auf die Halbtrockenrasenfläche schieben und diese so verkleinern.
Die meisten Geräte waren über die Naturstiftung DAVID mitfinanziert worden. Erst dadurch konnten wir größere Einsätze professionell durchführen, betont Organisator Schwarzberg.
Ein deftiger, natürlich im Schatten eingenommener Imbiss und viele anregende Gespräche machten den Einsatz auch abseits von Mähern und Harken zu einem angenehmen Erlebnis – trotz der Temperaturen um 30 °C, die in der Sonne noch weitaus höher gewesen sein dürften.
Aber, und da sind sich die BUND-Mitstreiter einig, sie nehmen die FFH-Richtlinie wörtlich, die eine Verschlechterung der Situation in den so genannten EU-Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) ausschließt (Verschlechterungsverbot). Das Einsatzgebiet gehört zum FFH-Gebiet Nummer 6 (Rüdigsdorfer Schweiz-Harzfelder Holz-Hasenwinkel).
Schwarzbergs besonderer Dank gilt den beiden Sondershäusern Helga und Karl-Heinz Junker, die trotz der relativ weiten Anfahrt mittlerweile zum Stamm der Pflegetruppe gehören. Im Herbst will die Gruppe noch mehrere Gebüschgruppen entfernen, die sich durch die Nutzungsaufgabe in den vergangenen 25 Jahren, meist in Erdfällen angesiedelt haben.
Die Pflegeeinsätze sollen, so die Pläne des BUND Kreisverbandes, künftig ausgeweitet werden – auf Grund der immensen Herausforderungen, die sich aus der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, der FFH-Richtlinie, dem jüngsten Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz und den dramatischen Roten Listen ergeben. – Den Kopf in den Sand zu stecken, ist unsere Herangehensweise nicht, so Schwarzberg.
Potenzielle Interessenten können sich jederzeit an Schwarzberg vom BUND-Kreisverband oder an andere BUND-Kreisverbandsmitglieder wenden (0171/6530123, bodo_schwarzberg@yahoo.de)
Autor: redWir dürfen die immer länger werdenden Roten Listen, die Hilflosigkeit der Politik und eine allgemeine Gleichgültigkeit nicht hinnehmen und müssen handeln, so Organisator Bodo Schwarzberg. Und: Etwa die Hälfte aller einheimischen Pflanzenarten ist bedroht. Viele sind bereits aus unserer Region verschwunden und es werden immer mehr.
Seit 2010 führen Mitglieder des BUND-Kreisverbandes Pflegeeinsätze zumeist auf den besonders von den Verlusten betroffenen Trocken- und Halbtrockenrasen durch. Am vergangenen Sonnabend mähten fünf Aktive des BUND-Kreisverbandes Nordhausen Halbtrockenrasen, die auf einer vertraglich festgelegten Fläche von 0,35 ha im Naturschutzgebiet Harzfelder Holz bei Buchholz liegen. Das zugrundeliegende Programm heißt NALAP (Natur- und Landschaftspflegeprogramm). Der Vertrag wurde über die Untere Naturschutzbehörde mit dem Landesverwaltungsamt Thüringen geschlossen und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.
Die Mahd führt zur Förderung schnittfester Arten und zum Nährstoffentzug. Dadurch können Pflanzengemeinschaften erhalten werden, die sich nach der letzten Eiszeit bildeten und die durch die Menschen seit Jahrhunderten durch eine entsprechende Bewirtschaftung (Mahd, Schaf- und Ziegenweide) erhalten bzw. sogar erweitert wurden. Seit dem Zweiten Weltkrieg und besonders verstärkt seit der Wende verlieren wir immer mehr dieser artenreichsten Lebensräume unserer mitteleuropäischen Kulturlandschaft, so Schwarzberg. Er benennt Verbuschung, Beweidung mit Rindern und die Immission von anthropogenen erzeugten Stickstoffverbindungen als Ursachen. – Und die Unfähigkeit sowie Ignoranz der Politik.
Die Naturschützer wissen, dass sie die zunehmende Entwertung unserer einmaligen Gipskarstlandschaft daher kaum werden allein stoppen können. Aber einzelne, besonders wertvolle Flächen erhalten helfen, das praktizieren sie mit Erfolg. Sie könnten als Pool für eine Neubesiedlung anderer Flächen dienen, die hoffentlich schon bald wieder im Sinne des Naturschutzes bewirtschaftet werden.
Am vergangenen Sonnabend beteiligten sich Helga und Karl-Heinz Junker aus Sondershausen, Reiner Peix aus Niedersachswerfen sowie Klaus Dieter Zimara und Bodo Schwarzberg aus Nordhausen am jüngsten Einsatz. Mit zwei Freischneidern, mehreren Heuharken und einem geflochtenen Korb mähten und beräumten sie acht Stunden lang – bis es nichts mehr zu mähen gab. Auch wurde an wenigen Stellen junger Gebüschaufwuchs entfernt, Schlehen zum Beispiel, die sich förmlich auf die Halbtrockenrasenfläche schieben und diese so verkleinern.
Die meisten Geräte waren über die Naturstiftung DAVID mitfinanziert worden. Erst dadurch konnten wir größere Einsätze professionell durchführen, betont Organisator Schwarzberg.
Ein deftiger, natürlich im Schatten eingenommener Imbiss und viele anregende Gespräche machten den Einsatz auch abseits von Mähern und Harken zu einem angenehmen Erlebnis – trotz der Temperaturen um 30 °C, die in der Sonne noch weitaus höher gewesen sein dürften.
Aber, und da sind sich die BUND-Mitstreiter einig, sie nehmen die FFH-Richtlinie wörtlich, die eine Verschlechterung der Situation in den so genannten EU-Flora-Fauna-Habitat-Gebieten (FFH-Gebieten) ausschließt (Verschlechterungsverbot). Das Einsatzgebiet gehört zum FFH-Gebiet Nummer 6 (Rüdigsdorfer Schweiz-Harzfelder Holz-Hasenwinkel).
Schwarzbergs besonderer Dank gilt den beiden Sondershäusern Helga und Karl-Heinz Junker, die trotz der relativ weiten Anfahrt mittlerweile zum Stamm der Pflegetruppe gehören. Im Herbst will die Gruppe noch mehrere Gebüschgruppen entfernen, die sich durch die Nutzungsaufgabe in den vergangenen 25 Jahren, meist in Erdfällen angesiedelt haben.
Die Pflegeeinsätze sollen, so die Pläne des BUND Kreisverbandes, künftig ausgeweitet werden – auf Grund der immensen Herausforderungen, die sich aus der Nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt, der FFH-Richtlinie, dem jüngsten Artenschutzreport des Bundesamtes für Naturschutz und den dramatischen Roten Listen ergeben. – Den Kopf in den Sand zu stecken, ist unsere Herangehensweise nicht, so Schwarzberg.
Potenzielle Interessenten können sich jederzeit an Schwarzberg vom BUND-Kreisverband oder an andere BUND-Kreisverbandsmitglieder wenden (0171/6530123, bodo_schwarzberg@yahoo.de)













