Di, 08:07 Uhr
30.06.2015
Angekommen im Land der Paragraphen
Neben Griechenland beschäftigt die Politik aller Ebenen immer weiter die sogenannten Flüchtlingsproblematik. Wie aber genau ist die Verfahrensweise bei der Aufnahme dieser Menschen hier im Landkreis Nordhausen. Die nnz begab sich auf Spurensuche...
Bislang wurden dem Landkreis Nordhausen 204 Personen von der Thüringer Erstaufnahmeeinrichtungen zugewiesen, davon sind 188 bereits im Landkreis eingetroffen.
Einstellen muss sich der Landkreis auf fast 500 Flüchtlinge. Der rückstand resultier laut Kreisverwaltung aus einer schleppenden Zuweisung im ersten Quartal. Unter anderem war das auch durch den Ausbruch von Masern in den Erstaufnahmeinrichtungen zurückzuführen.
Danach erfolgt der weitere Weg durch die Bürokratie vor Ort: Mit Vorankündigung von der Erstaufnahmeeinrichtung wird die Ankunft neuer Asylbewerber mitgeteilt. Am Tag der Ankunft werden die Personen dann entweder per Bustransfer in den jeweiligen Landkreis gebracht oder es werden Zugtickets ausgestellt und der Personenkreis reist selbst an. Der Empfang der Personen erfolgt durch die Sozialarbeiter entweder am Bahnhof oder am Ankunftsziel des Busses.
Danach werden behördliche Wege mit den Personen gemacht. Dazu gehört die Anmeldung bei der zuständigen Meldebehörde sowie die Vorsprache im Landratsamt. Hier ist die Meldebescheinigung vorzulegen und der Antrag auf Asylbewerberleistungen abzugeben, den die Menschen zusammen mit den Sozialarbeitern ausgefüllt haben. Nach kurzer Sichtung werden dann Bescheide erstellt und die Leistungen in Bar an der Kasse ausgezahlt.
Für einen Alleinstehenden sind das zwischen 209 und 326 Euro im Monat, je nach aktuellem Aufenthaltstatus, bei einer Ehegemeinschaft oder Partnerschaft erhalten die Frauen und Männer je zwischen 188 und 293 Euro. Weitere Staffelungen gibt es bei Kinder und Jugendlichen nach dem Alter.
Die Leistungen beinhalten alle Gelder bis auf die Mittel für Strom und Möbelausstattung. Somit ist mit dem Geld selbst für Kleidung, Nahrung und eventuell Mobilfunk aufzukommen. Eine Erstausstattung für Kleidung wurde vorher bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung vergeben.
Die von der Kreisverwaltung zur Verfügung gestellten Wohnungen haben die vorgeschriebene Erstausstattung gemäß der Richtlinie des Landkreises Nordhausen zur Gewährung einmaliger Bedarfe. Die Versorgung mit Strom ist sichergestellt und die Zahlung erfolgt direkt von der Kreisverwaltung an den Energieträger.
Die Möglichkeit eines eigenen Kontos besteht grundsätzlich, wenn das Geldinstitut dem zustimmt. Die Kreissparkasse hat dem im vergangenen Jahr zwischen 100 und 200 Mal zugestimmt. "Wir haben keine genaue Anzahl, wie viele Konten wir für Flüchtlinge eröffnet haben, da wir Konten nicht nach Hautfarbe oder Geschlecht unterscheiden und diese Konten auch nicht speziell gezählt haben", sagt Vorstandssekretär Sebastian Gräser auf Anfrage der nnz. Wie bei anderen Sparkassen in Thüringen kommt es auch im Landkreis Nordhausen vor, dass mit der Kundenkarte mehr eingekauft wird, als der Kontostand hergibt. Aber: diese Fälle gibt es auch bei deutschen Kunden aus dem Landkreis Nordhausen.
Der Bildungsstand wird von den zuständigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung nicht erfasst, da die gemäß Asylbewerberleistungsgesetz nicht für eine Arbeitsvermittlung des Personenkreises zuständig sind. Das ist schade, denn gerade die Thüringer Wirtschaft und das Handwerk klagen über die unzureichende Besetzung von Ausbildugnsstellen und sind ausländischen Interessenten gegenüber sehr aufgeschlossen.
Inzwischen gehen die Firmen zunehmend neue Wege bei der Besetzung ihrer freien Lehrstellen. So geben 37 Prozent der Befragten an, gern auch Asylbewerber und Flüchtlinge in die Ausbildung aufnehmen zu wollen, sagt die IHK Erfurt fordert erneut die Politik zur vollständigen Umsetzung des Ausbildungsmodells 3+2 für junge Flüchtlinge auf, das ein Bleiberecht für die dreijährige Ausbildung und zwei weitere Jahre nach erfolgreichem Abschluss beinhaltet.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redBislang wurden dem Landkreis Nordhausen 204 Personen von der Thüringer Erstaufnahmeeinrichtungen zugewiesen, davon sind 188 bereits im Landkreis eingetroffen.
Einstellen muss sich der Landkreis auf fast 500 Flüchtlinge. Der rückstand resultier laut Kreisverwaltung aus einer schleppenden Zuweisung im ersten Quartal. Unter anderem war das auch durch den Ausbruch von Masern in den Erstaufnahmeinrichtungen zurückzuführen.
Danach erfolgt der weitere Weg durch die Bürokratie vor Ort: Mit Vorankündigung von der Erstaufnahmeeinrichtung wird die Ankunft neuer Asylbewerber mitgeteilt. Am Tag der Ankunft werden die Personen dann entweder per Bustransfer in den jeweiligen Landkreis gebracht oder es werden Zugtickets ausgestellt und der Personenkreis reist selbst an. Der Empfang der Personen erfolgt durch die Sozialarbeiter entweder am Bahnhof oder am Ankunftsziel des Busses.
Danach werden behördliche Wege mit den Personen gemacht. Dazu gehört die Anmeldung bei der zuständigen Meldebehörde sowie die Vorsprache im Landratsamt. Hier ist die Meldebescheinigung vorzulegen und der Antrag auf Asylbewerberleistungen abzugeben, den die Menschen zusammen mit den Sozialarbeitern ausgefüllt haben. Nach kurzer Sichtung werden dann Bescheide erstellt und die Leistungen in Bar an der Kasse ausgezahlt.
Für einen Alleinstehenden sind das zwischen 209 und 326 Euro im Monat, je nach aktuellem Aufenthaltstatus, bei einer Ehegemeinschaft oder Partnerschaft erhalten die Frauen und Männer je zwischen 188 und 293 Euro. Weitere Staffelungen gibt es bei Kinder und Jugendlichen nach dem Alter.
Die Leistungen beinhalten alle Gelder bis auf die Mittel für Strom und Möbelausstattung. Somit ist mit dem Geld selbst für Kleidung, Nahrung und eventuell Mobilfunk aufzukommen. Eine Erstausstattung für Kleidung wurde vorher bereits in der Erstaufnahmeeinrichtung vergeben.
Die von der Kreisverwaltung zur Verfügung gestellten Wohnungen haben die vorgeschriebene Erstausstattung gemäß der Richtlinie des Landkreises Nordhausen zur Gewährung einmaliger Bedarfe. Die Versorgung mit Strom ist sichergestellt und die Zahlung erfolgt direkt von der Kreisverwaltung an den Energieträger.
Die Möglichkeit eines eigenen Kontos besteht grundsätzlich, wenn das Geldinstitut dem zustimmt. Die Kreissparkasse hat dem im vergangenen Jahr zwischen 100 und 200 Mal zugestimmt. "Wir haben keine genaue Anzahl, wie viele Konten wir für Flüchtlinge eröffnet haben, da wir Konten nicht nach Hautfarbe oder Geschlecht unterscheiden und diese Konten auch nicht speziell gezählt haben", sagt Vorstandssekretär Sebastian Gräser auf Anfrage der nnz. Wie bei anderen Sparkassen in Thüringen kommt es auch im Landkreis Nordhausen vor, dass mit der Kundenkarte mehr eingekauft wird, als der Kontostand hergibt. Aber: diese Fälle gibt es auch bei deutschen Kunden aus dem Landkreis Nordhausen.
Der Bildungsstand wird von den zuständigen Mitarbeitern der Kreisverwaltung nicht erfasst, da die gemäß Asylbewerberleistungsgesetz nicht für eine Arbeitsvermittlung des Personenkreises zuständig sind. Das ist schade, denn gerade die Thüringer Wirtschaft und das Handwerk klagen über die unzureichende Besetzung von Ausbildugnsstellen und sind ausländischen Interessenten gegenüber sehr aufgeschlossen.
Inzwischen gehen die Firmen zunehmend neue Wege bei der Besetzung ihrer freien Lehrstellen. So geben 37 Prozent der Befragten an, gern auch Asylbewerber und Flüchtlinge in die Ausbildung aufnehmen zu wollen, sagt die IHK Erfurt fordert erneut die Politik zur vollständigen Umsetzung des Ausbildungsmodells 3+2 für junge Flüchtlinge auf, das ein Bleiberecht für die dreijährige Ausbildung und zwei weitere Jahre nach erfolgreichem Abschluss beinhaltet.
Peter-Stefan Greiner

