eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Mi, 13:44 Uhr
17.06.2015

nnz-doku: 25 Jahre Partnerschaft mit Bochum

In Nordhausen wird in diesen Stunden die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages zwischen Nordhausen und Bochum mit einer Festveranstaltung begangen. Dabei hielt Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh die Festrede, die wir in unserer doku-Reihe veröffentlichen...


Sehr geehrte Frau Bürgermeisterin Stahl, sehr geehrter Herr Schrader, sehr geehrter Herr Tischer, sehr geehrte Bochumer Stadträte Dr. Hans Hanke (SPD), Dr. Stefan Jox (CDU) und Felix Haltt (FDP/UWG) und Herr Ulrich Kreutz sehr geehrte Nordhäuser Stadträte aller Fraktionen, sehr geehrte Vertreter beider Fördervereine,

zu unserer Festveranstaltung anlässlich der jetzt schon ein Vierteljahrhundert bestehenden Partnerschaft zwischen der großen Ruhrmetropole Bochum und unserem beschaulichen Nordhausen begrüße ich Sie sehr herzlich hier in unserem Bürgerhaus. Ich freue mich, dass Sie liebe Bochumer, wieder einmal den weiten Weg nach Nordhausen angetreten haben.

25 Jahre sind es her, als am Nachmittag des 17. Juni 1990 – im Rahmen des Nordhäuser Rolandsfestes – die Partnerschaft zwischen den so ungleichen Städten in unserem Theater geschlossen wurde mit den Unterschriften der damaligen Oberbürgermeisters Heinz Eikelbeck und des Bürgermeisters Dr. Manfred Schröter. 250 Bochumerinnen und Bochumer waren dazu nach Nordhausen gekommen.

Diesem Beginn der Partnerschaft wohnte ein Zauber inne. Dem der Improvisation. So bin ich bei der Vorbereitung für den heutigen Abend auf ein interessantes Schriftstück gestoßen. Es datiert zehn Tage vor der Unterzeichnung. Der damalige Stadtbaurat Beyse – offensichtlich Verantwortlich für die Vorbereitung des Festakts – übermittel Bürgermeister Dr. Schröter den geplanten Ablauf. „Punkt: 4: Die Teilnehmer begeben sich vor das Theater. Hier steht eine Gulaschkanone mit Erbsensuppe. Für Organisation und Ausgabe des Essens ist der Rat der Stadt Nordhausen verantwortlich. Teller und Löffel und 100 Stühle bringen allerdings die Herren aus Bochum mit.“ Und auch das Bier, die Spirituosen und die Cola.

Kurier dafür war der damalige Nordhäuser Theaterintendant, der Tage vorher nach Bochum reiste.
Der sichtlich besorgte Herr Beyse vermerkt dazu: „Der Herr muss unbedingt ein Schreiben mitnehmen, in dem bestätigt wird, dass die Stadt Bochum zur Feierlichkeit der Unterzeichnung 1 mal 25 Hektoliter der Dortmunder Union-Brauerei, 1 mal 25 Hektoliter Bier der Brauerei Fieke und Cola der Brauerei der westfälischen Getränkeindustrie Härten einführt.“

Sie sehen, obwohl die deutsche Einheit damals noch nicht vollzogen war – die Bürokratie beider deutscher Staaten arbeitete konsequent und erbarmungslos bis zur letzten Minute.

Sehr geehrte Damen und Herren, im Nordhäuser Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zur Begründung Städtepartnerschaft heißt es: „Geleitet vom Wunsch, einen beiderseitigen Beitrag zum harmonischen Zusammenwachsen der noch getrennten Teile Deutschlands zu leisten, sind die Räte der Städte Bochum und Nordhausen überein gekommen, miteinander eine Partnerschaft zu gründen. Die Beziehung soll auf Dauer den Austausch von Gedanken, Anregungen und Erfahrungen im Rahmen der freundschaftlichen Begegnung der Bürger beider Städte und ihrer gewählten Organe fördern.“ Gerade die freundschaftliche Begegnung der Bürger sollte bis heute die tragende Säule der Partnerschaft bleiben.

Die Besonderheit unter den vier Städtepartnerschaften der Stadt Nordhausen stellt der von Anfang an und bisher ungebrochen aktive Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Bochum-Nordhausen dar. Zu den Pionierinnen und Pionieren der 1. Stunde der Partnerschaftsvereine gehörten Jutta Wehmann, Walter Gruben, Horst Kieber, und Sie, sehr geehrter Herr Tischer sowie Horst Gerlach, Edith Köcher und Carmen Witzel. Später folgten Josef Hoyer und Anneliese Timptner. An der Spitze der Vereinsarbeit standen später Herbert Lausch,, Gerda Göpffarth, Klaus Wulf und ab 2008 Thomas Zahn. Aktuell gehören neben Hans-Joachim Tischer und bereits Erwähnten Barbara Becker und Manfred Jakob zum Vorstand des Vereins.

In den 20 Jahren unserer gemeinsamen Arbeit zeigten sich unsere Bochumer Freunde immer als sehr großzügige. Alle Aktivitäten aufzuzählen, würden diesen Rahmen sprengen. Heute bedanken wir uns bei unseren Bochumer Freunden für Spendengelder in Höhe von gewaltigen mehr als 26000.-Euro, die vor allem zur Unterstützung von Jugend- und Sozialeinrichtungen verwendet wurden.

Der Nordhäuser Verein – ebenso wie sein Pendant in Bochum – trägt nach wie vor einen Großteil der Aktivitäten bei den Begegnungen und gemeinsamen Unternehmungen der Bürger. Das ist gut und richtig so. Die kleine Städtepartnerschaft Bochum – Nordhausen ist damit eine Art Lackmustest für den Stand der Deutschen Einheit, für das Zusammenwachsen. Und dieser Stand ist hervorragend.

Vor einigen Jahren erschien in der Bochumer WAZ ein Artikel mit dem Untertitel: „.. . der Draht glüht nicht mehr – Wie Nordhäuser und Bochumer sich zuletzt etwas abhanden gekommen sind“.

Herr Schrader trat dem Tenor in einem Leserbrief entgegen: “Natürlich sind Probleme heute anders gelagert.. . . Verwaltungshilfen der Stadt Bochum sind ebenso nicht mehr erforderlich wie die verschiedenen Hilfsmaßnahmen für marode Einrichtungen, die in den ersten Jahren der Partnerschaft von Bochum in unterschiedlicher Art und Weise geleistet wurden. Einander Kennen – und Verstehen lernen ist aber nach wie vor unbedingt notwendig.. . um ‚Mauern in den Köpfen der Menschen‘ zu verhindern und abzubauen.“ Das ist nach wie vor aktuell.

Bochum war ein „ausgesprochener Glücksfall“ für Nordhausen. Denn groß war die Zahl der Aktivitäten, angefangen von direkter Verwaltungshilfe bis hin zu technischen Ausrüstungen, um Nordhausen den Start in die kommunale Selbstverwaltung zu erleichtern. Beamte und Angestellte der Stadt Bochum halfen beim Aufbau einer modernen Verwaltung, dem Entwurf von Struktur- und Geschäftsverteilungsplänen, sogar der ersten Stadtentwicklungskonzeption. Die dringend empfohlene Änderung der zeitbedingten breit gefächerten Verwaltungsstruktur konnte durch Reduzierung der Zahl der Ämter umgesetzt werden.

Ein Glücksfall war Bochum aber auch deshalb, weil die Mentalität der Menschen aus dem Ruhrgebiet besonders stark geprägt ist durch Offenheit, Solidarität und Verlässlichkeit.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Die Menschen der damaligen DDR zeigten im Herbst 1989 der Welt, dass “wir Deutschen es doch verstehen, Revolution zu machen” - wie es der langjährige Bundesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes Joachim Gauck formulierte. Der 3. Oktober ist seitdem für uns alle ein Anlass, uns zu freuen und zu feiern.

25 Jahre ‘Deutsche Einheit’ sind zugleich 25 Jahre einer in unserer Historie beispiellosen Geschichte. Diese Ära steht für die friedliche Wiedervereinigung unseres Landes, für die Solidarität von Ost und West bei der Angleichung der Lebensverhältnisse in den alten und neuen Bundesländern sowie für eine Entwicklung in der jungen Generation, welche die deutsche Teilung in ihren Köpfen und Herzen bereits überwunden hat.

Dass dies alles möglich war, ist nicht allein das Ergebnis der so genannten “großen Politik”. Vielmehr resultiert es ebenso aus unzähligen kleinen Schritten, mit denen die Menschen hüben wie drüben aufeinander zugegangen sind. Ich bin dankbar, dass hierbei die Städtepartnerschaft zwischen Nordhausen und Bochum einen wichtigen Teil beitragen konnte.

Erfahrungsaustausch zwischen den Räten und Verwaltungen beider Städte, Begegnungen zwischen den Menschen im Südharz und im Ruhrgebiet, Klassenfahrten nach Thüringen und NRW sowie die engagierte Arbeit der beiden Partnerschaftsvereine sind nur einige Mosaiksteine, die diesen Prozess charakterisieren. Sichtbare Zeichen sind das bis heute mit Leben erfüllte und wunderschöne Bochum-Haus als eine Zierde unserer Altstadt. Das Haus ist zugleich eines der ältesten im historischen Stadtviertel. Ohne die Bochumer Großzügigkeit wäre es wohl dem Verfall preisgegeben worden. Viel bestaunt auch der metallene Engel in unserem neuen Garten der Partnerschaften vor dem Theater und die kleinen Zeichen der Partnerschaft wie ein gesponserter Besuchersessel im Theater oder eine Sitzbank oben auf dem Petersberg. Die Reihe ließe sich leicht fortsetzen.

Ich danke allen, die sich für diese deutsch-deutsche Partnerschaft eingesetzt und so den vor 25 Jahren in unserem Theater unterzeichneten Vertrag mit Leben erfüllt haben!
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)