Di, 11:02 Uhr
22.08.2000
Wie weiter am Kalistandort Bleicherode, Herr Schröder?...
Nordhausen (nnz). Morgen gegen Mittag wird
der Kanzler, voll von Eindrücken aus dem Panorama-Museum Bad Frankenhausen, am Rathaus in Nordhausen eintreffen. Dort erwartet ihn schon
eine Menschenmenge mit fragenden Augen. Es ist die Belegschaft der Deusa Solbergwerke und Aufbereitungs GmbH aus Bleicherode. Gut hundert
Mann, die vielleicht schon bald stempeln gehen. Noch dazu etliche, die nichts mehr zu verlieren haben: ehemalige Kalikumpel aus den dichtgemachten
Förderstätten in Bischofferode, Sondershausen und Bleicherode. Was die Demonstranten bezwecken, erklärte Deusa-Betriebsratsvorsitzender Falko
Kauf: Man möchte eine Antwort darauf, ob der Kali-Standort Bleicherode gänzlich eingestampft werden soll. Deusa kämpfe seit Jahren mit
Behinderungen, die offenbar von der Konkurrenz im Westen gewollt seien. Und die Hausbank spiele den Handlanger. Konkret gehe es um einen
6-Millionen-Mark-Kredit, den das Unternehmen von der Deutschen Verkehrsbank erhalten wolle. Das Land Thüringen habe sogar eine Bürgschaft
dafür übernommen. Doch dies und eine Reihe weiterer Sicherheiten seien der Bank nicht genug, sie verzögere die Auszahlung durch immer neue
Forderungen. Zu den jetzigen Konditionen sei der Kredit schon mehrfach besichert. Da die Bank das Unternehmen am langen Arm verhungern
lassen, könnten Löhne nicht ausgezahlt werden, seit Montag sei der Gashahn zugedreht, nötige Investitionen liegen auf Eis. Dabei habe der Betrieb
volle Auftragsbücher, das hochwertige Kalisalz sei gefragt. Und genau das scheint dem Mitbewerber Kali & Salz AG, Kassel, ein Dorn im Auge zu
sein.
Ob der Hilferuf von Deusa in der Politik Gehör findet, bleibt abzuwarten. Unweigerlich kommt das Bild der Kumpel in Bischofferode auf, die vor
Jahren für den Erhalt der 690 Stellen in der Grube hungerten. Politiker waren medienwirksam aufgetaucht und hatten Arbeitsplätze versprochen. 106
sind es heute...
Blühende Landschaften wird der Kanzler morgen sicher nicht versprechen, das hat weiland schon ein anderer getan. Aber vielleicht findet Herr
Schröder zwischen dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und dem Mittagessen im Café Felix eine freie Minute, um die Kumpel anzuhören.
Schließlich hat er den Osten vor zwei Jahren zur Chefsache erklärt ...
Autor: psgder Kanzler, voll von Eindrücken aus dem Panorama-Museum Bad Frankenhausen, am Rathaus in Nordhausen eintreffen. Dort erwartet ihn schon
eine Menschenmenge mit fragenden Augen. Es ist die Belegschaft der Deusa Solbergwerke und Aufbereitungs GmbH aus Bleicherode. Gut hundert
Mann, die vielleicht schon bald stempeln gehen. Noch dazu etliche, die nichts mehr zu verlieren haben: ehemalige Kalikumpel aus den dichtgemachten
Förderstätten in Bischofferode, Sondershausen und Bleicherode. Was die Demonstranten bezwecken, erklärte Deusa-Betriebsratsvorsitzender Falko
Kauf: Man möchte eine Antwort darauf, ob der Kali-Standort Bleicherode gänzlich eingestampft werden soll. Deusa kämpfe seit Jahren mit
Behinderungen, die offenbar von der Konkurrenz im Westen gewollt seien. Und die Hausbank spiele den Handlanger. Konkret gehe es um einen
6-Millionen-Mark-Kredit, den das Unternehmen von der Deutschen Verkehrsbank erhalten wolle. Das Land Thüringen habe sogar eine Bürgschaft
dafür übernommen. Doch dies und eine Reihe weiterer Sicherheiten seien der Bank nicht genug, sie verzögere die Auszahlung durch immer neue
Forderungen. Zu den jetzigen Konditionen sei der Kredit schon mehrfach besichert. Da die Bank das Unternehmen am langen Arm verhungern
lassen, könnten Löhne nicht ausgezahlt werden, seit Montag sei der Gashahn zugedreht, nötige Investitionen liegen auf Eis. Dabei habe der Betrieb
volle Auftragsbücher, das hochwertige Kalisalz sei gefragt. Und genau das scheint dem Mitbewerber Kali & Salz AG, Kassel, ein Dorn im Auge zu
sein.
Ob der Hilferuf von Deusa in der Politik Gehör findet, bleibt abzuwarten. Unweigerlich kommt das Bild der Kumpel in Bischofferode auf, die vor
Jahren für den Erhalt der 690 Stellen in der Grube hungerten. Politiker waren medienwirksam aufgetaucht und hatten Arbeitsplätze versprochen. 106
sind es heute...
Blühende Landschaften wird der Kanzler morgen sicher nicht versprechen, das hat weiland schon ein anderer getan. Aber vielleicht findet Herr
Schröder zwischen dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt und dem Mittagessen im Café Felix eine freie Minute, um die Kumpel anzuhören.
Schließlich hat er den Osten vor zwei Jahren zur Chefsache erklärt ...


