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So, 19:01 Uhr
10.05.2015

Landratswahl 2015 - eine erste Einschätzung

Die Landratswahl im Landkreis Nordhausen ist Geschichte. Und sie hat einen klaren Sieger. An der Grimmelallee wird nun ein Mann regieren, den einige schon für politisch tot erklärten, der nun aber liefern muss...


Es sind die Zufälligkeiten im Leben, auch im politischen, die in einer langen und geraden Straße plötzlich eine Abbiegespur entstehen lassen. Auf einer Straße der kommunalpolitischen Bedeutungslosigkeit befand sich seit zwei Jahren Matthias Jendricke.

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Im Rathaus der Rolandstadt entmachtet, aus der Öffentlichkeit nahezu verbannt, tat sie sich plötzlich auf, die Abbiegespur. Es war der Weggang von Birgit Keller nach Erfurt, der Matthias Jendricke das Abbiegen aus dem Sog des Vergessens ermöglichte. Der 43jährige erkannte sie sofort, diese vielleicht eine Chance. Er setzte den Blinker ohne Absprachen zum Abbiegen.

Und diese Spur, die anfangs noch undeutlich war, die mit einigen Unwägbarkeiten gepflastert war, die wurde mehr und mehr zur Erfolgsspur. Nicht so sehr durch ihn und seine Partei selbst, sondern durch die politischen Kontrahenten. Die CDU war von Dezember an der beste Wahlkampfhelfer. Sie konnte nicht das "beste Pferd im Stall" namens Rosteck satteln, sie konnte sich nicht herablassen, vielleicht auf Franka Hitzing zu setzen, nur weil die Frau aus der kleinen FDP nicht bei der großen CDU zuerst anklopfte. Und sie schickte so mit Stefan Nüßle eine zweite Wahl ins Rennen, die selbst parteiintern noch mit Dirk Erfurt einen Mitbewerber bekam.

Und so wurde die Abbiegespur für Jendricke immer breiter und komfortabler. Die Linke im Landkreis Nordhausen war nicht wirklich ein erst zu nehmender Gegner mit dem Hin- und Her bei der Kandidatenfindung und dem Aussprechen von Wahlempfehlungen.

Schließlich passierte Matthias Jendricke heute, kurz nach 18.30 Uhr, die Ziellinie. Als klarer Sieger, weit abgeschlagen der Kandidat der großen Volkspartei. Sieger sein ist wunderschön, doch morgen ist es mit den Statements, mit dem Lächeln vorbei. Die innere Befriedigung, es allen gezeigt zu haben, wird noch einige Tage nachwirken.

Dann aber beginnt die Zeit der Mühen, der Lieferung. Zum ersten Mal agiert Matthias Jendricke als politischer Chef einer großen Verwaltungsbehörde. Bislang hatte er Stellvertreterfunktionen innen. Jetzt muss er zeigen, dass er einen kann, statt polarisieren. Jetzt muss er Kompromisse suchen - nach innen und nach außen. Er muss imstande sein, die Hand selbst auszustrecken und ausgestreckte Hände anzunehmen. Das ist dann Politik im kommunalen Bereich. Das Rollenspiel, in dem Matthias Jendricke nun mitwirkt, ist von der Dramaturgie ähnlich dem im Rathaus. Nur sind die Hauptrollen anders besetzt. Jendricke an der Spitze, zwei ehemalige Kontrahenten in der zweiten Reihe. Auch hier wird und muss sich zeigen, ob der Mensch Jendricke sich ändern kann oder nicht.

Das er entscheiden kann, das steht außer Zweifel. Doch jetzt hat er keine Oberbürgermeisterin oder Landrat "über sich". Jetzt ist er die letzte Instanz, der man alle Verantwortung dieser klitze-kleinen kommunalen Welt auflasten kann. Jetzt muss er den Kreishaushalt sanieren, den er in leitender Funktion selbst mit zum Sanierungsfall gemacht hat. Und er muss sich mit der Kreisstadt arrangieren.

Deren Leitungsspitze muss aber jetzt auch liefern. Nun ist der Faktor Jendricke weg. Jetzt wird sich Oberbürgermeister Dr. Klaus Zeh nicht mehr zur Beratung zurückziehen können, um nicht die nächste Beschwerde auf den Tisch zu bekommen. Jetzt muss gezeigt werden wie es ist, wenn so regiert werden kann, wie man es eigentlich seit drei Jahren wollte.

Dieser kurze, dafür aber intensive Wahlkampf ist vorbei, der nächste steht uns ins Haus. Doch diesmal können wir Wähler nicht mitentscheiden. Schließlich gilt es den Posten des SWG-Geschäftsführers zu besetzen und eventuell einen Nachfolger für den noch wenige Tage agierenden Bürgermeister zu finden.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
murmeltier
10.05.2015, 20:37 Uhr
Lob
Die politischen Analysen von Ihnen sind sachlich und mit Fakten gespickt. Es macht Spaß diese zu lesen, wenn einem auch bei genauer Betrachtung der Fakten manch Mal der Spaß vergeht. Das Stühlerücken wird nun im Landratsamt beginnen.
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