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So, 22:14 Uhr
26.04.2015

Stimmen zur Wahl: Verloren ohne zu unterliegen

Die erste Runde um (Wahl-)Kampf um den Landratsposten ist vorüber. Von fünf Bewerbern bleiben nunmehr zwei über. Von Niedergeschlagenheit kann bei den Unterlegenen am heutigen Abend aber kaum die Rede sein. Welche Schlüsse Linke, Grüne und FDP aus dem Wahlabend gezogen haben, hat die nnz erfahren...


Es gibt an Wahlabenden Sätze, die sind in leichten Variationen in allen Parteizentralen zu vernehmen, da macht auch der Wahlkampf in Nordhausen keine Ausnahme. Heike Umbach, Franka Hitzing und Dirk Adams bedankten sich alle bei Parteifreunden, Genossen und Unterstützern für die Hilfe während des Wahlkampfes.

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Variantenreicher und unterschiedlicher sind hingegen die Versuche, der eigenen Niederlage etwas gutes abzugewinnen. "Wir sind mit dem Ergebnis nicht zufrieden aber auch nicht unglücklich", sagte etwa Dirk Adams von den Grünen, der nach vorläufigem Ergebnis nur rund vier Prozent der Stimmen auf sich vereinigen konnte. Das Ziel sei es gewesen, dabei zu sein: "Es gibt in Thüringen ein System von fünf Parteien und wir gehören dazu", sagte Adams, "wir haben kleine Hochburgen im Landkreis und es können nur mehr werden, wenn man auch immer wieder antritt". Das eigene Ergebnis erklärt man auch damit, das viele Menschen dieses Mal strategisch gewählt hätten und ihr Kreuz nicht bei den Grünen, sondern bei anderen Kandidaten gemacht hätten, so die wohl nicht gänzlich unbegründete Vermutung der Nordhäuser Grünen.

Brigit Keller und Heike Umbach: "Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf" (Foto: Angelo Glashagel) Brigit Keller und Heike Umbach: "Nach dem Wahlkampf ist vor dem Wahlkampf" (Foto: Angelo Glashagel)

Heike Umbach von den Linken war "fast wortlos" ob ihres Ergebnisses. "Aus dem Stand" hat es die bis dato außerhalb linker Kreise eher unbekannte Kandidatin mit fast 21 Prozent der Stimmen immerhin auf einen respektablen dritten Platz gebracht. Die Stichwahl wäre schön gewesen, sagte Umbach, aber wer kämpfe der könne nun mal auch verlieren. Sie habe in diesem Wahlkampf viel Erfahrung sammeln können und in Zukunft würde noch öfters von ihr zu hören sein, so Umbach weiter. Die ehemalige Landrätin Birgit Keller bescheinigte ihrer Parteigenossin "Authentizität und Ehrlichkeit" und der Vorsitzende der Linken im Landkreis, Alexander Scharff, sagte, sie habe in "einem der kürzesten Wahlkämpfe überhaupt" der Linken ein Gesicht gegeben und die Partei "engagiert und würdig" vertreten.

Franka Hitzing mit Unterstützern: "für die FDP nicht die Zahlen einer Niederlage" (Foto: Angelo Glashagel) Franka Hitzing mit Unterstützern: "für die FDP nicht die Zahlen einer Niederlage" (Foto: Angelo Glashagel)

Mit 17,4 Prozent der Wählerstimmen nach vorläufigem Ergebniss muss sich auch Franka Hitzing von der FDP nicht verstecken, hat sie doch an der für die freien Demokraten so berüchtigten 18 Prozentmarke gekratzt. "Ein schönes Ergebnis, wenn auch nicht das, was ich mir gewünscht hätte", sagte Hitzing. Ziel war die Stichwahl gewesen. Die FDP im Kreis und in der Stadt werde weiterhin "genauso kritisch und konstruktiv wie bisher" agieren, so die Kandidatin, "wir werden viel hinterfragen und unsere Meinung sagen. So haben wir das immer gemacht und so werden wir das auch weiterhin tun".

Am 10. Mai werden Wähler zwischen SPD und CDU, zwischen Matthias Jendricke und Stefan Nüßle entscheiden müssen. Für die anderen Parteien ist der Wahlkampf erst einmal vorüber. Eindeutige Präferenzen in der Kandidatenwahl wollte am heutigen Abend aber noch keiner bekannt geben. Die Entscheidung liege bei den Bürgern, meinte Gisela Hartmann im Büro der Bündnisgrünen, der Vorstand ihrer Partei müsse erst noch entscheiden, ob es eine Empfehlung geben wird. Die Geschicke des Landkreises müssten in kraftvolle Hände gelegt werden und es dürfe dem zukünftigem Landrat nicht an Durchsetzungsvermögen fehlen, so Hartmann.

Auch die Linke wollte sich nicht zu einer etwaigen Empfehlung äußern. Man werde im Vorstand beraten, so Scharff, und "eine Weise Entscheidung" treffen. Martin Höfer, Vorsitzender der Stadtratsfraktion der FDP, sagte die Wähler, die Franka Hitzing ihre Stimme gegeben hätten, seien kluge Wähler "und kluge Wähler brauchen keine Empfehlung".

Bleibt der Wermutstropfen der Wahlbeteiligung. Die war mit 35,5 Prozent alles andere als überwältigend. Wenn in zwei Wochen noch einmal gewählt werden soll, dürfte diese Zahl noch weiter sinken. Für die beiden verbliebenen Aspiranten auf den Posten des Landrates heißt das, dass wohl derjenige bessere Karten haben wird, der seine Wählerschaft besser mobilisieren kann. Für die demokratische Kultur in der Region sind schon die heutigen Zahlen, wenn auch nicht de jure, so doch zumindest de facto, ein herber Schlag.
Angelo Glashagel
Autor: red

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Kommentare
Franz Tabak
26.04.2015, 23:55 Uhr
Und was sagt uns das?
Zu erst zu der Wahlbeteiligung: Was sagt die doch recht niedrige Wahlbeteiligung allen Kandidaten und Parteien? Es kann eigentlich nur eines bedeuten: Man hat sich Lichtjahre vom Volk entfernt!

Nun zu den mehr oder minder enttäuschten Ex-Kandidaten:

Da ist der grüne Herr Adams, der, wie er selber sagt "nicht unglücklich" mit dem Wahlergebniss sei. Ziel sei es, laut Herrn Adams, "dazuzugehören, indem man immer wieder antrete". Gehört denn zum "mitmachen" nur das antreten dazu und nicht das sich aktiv einbringen, kritisieren? Dann bleiben die Grünen wohl ewig bei 4% hängen...

Die Ex-Landrätin Frau Keller bescheinigte Frau Umbach, beides Linke, "Authentizität und Ehrlichkeit". Spricht Frau Keller da etwa von ihrer Ehrlichkeit? Ich erinnere hier nur an die Reinigungskräfte sowie an die Servicegesellschaft, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Frau Hitzing, FDP, findet ihr Ergebniss "schön, wenn auch so nicht gewünscht". Die FDP möchte weiterhin "viel hinterfragen und ihre Meinung sagen", also weiterhin populistisch bleiben.

Nun noch zu den Wahlempfehlungen:

Herr Scharff, LINKE, sagte, dass man sich im Vorstand beraten und "eine Weise Entscheidung" treffen wolle. Wenn man sich jedoch die Zusammenarbeit im Stadtrat sowie im Kreistag ansieht, sollte man meinen, dass den Linken nur eine Wahlempfehlung, zu gunsten der CDU, übrig bleibt, oder?

Herr Höfer, FDP, sagte, dass die Hitzing-Wähler "kluge Wähler" seien, und sie deswegen keiner Empfehlung bedürfen. Das Klientel der FDP kennt man ja, also kann die FDP eigentlich auch nur CDU empfehlen, oder?

Frau Hartmann, Grüne, sagte: "die Entscheidung liege bei den Bürgern", damit hat sie zwar Recht, aber sie meinte weiterhin: "Der Vorstand ihrer Partei müsse erst noch entscheiden, ob es eine Empfehlung geben wird." Nur eine Frage, Frau Hartmann: Herr Nüßle feierte seinen Wahlerfolg, den hatte er ja zweifellos neben Herrn Jendricke hat, bei Ihnen im Büro. Haben Sie damit nicht schon eine, wenn auch indirekte, Wahlempfehlung gegeben?

Tja, Fragen über Fragen,

Ihr Statler W.
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