So, 09:17 Uhr
10.06.2001
Der "Goldene Roland 2001" geht an...
Nordhausen (nnz). Alljährlich wird zum Nordhäuser Rolandsfest der Goldene Roland verliehen. Die Werbegemeinschaft Nordhausen will damit einen Nordhäuser Bürger, einen Verein oder ein Unternehmen für Verdienste um die Rolandstadt ehren. Wer in diesem Jahr den Goldenen Roland erhielt, das sagt Ihnen die nnz schon heute.
In diesem Jahr wurden Julia Große-Roge, Heino Kohlhase, der Scheunenhof und Horst Kieber nominiert. Letzterer war in den vergangenen Jahren bereits zweimal auf die Nominierungsliste gekommen. In diesem Jahr war es dann endlich soweit: Horst Kieber erhielt den Goldenen Roland. Hunderte Menschen wohnten der Preisverleihung auf der großen EVN-Bühne auf dem Bahnhofsvorplatz bei und applaudierten einem Mann, der sich in den zurückliegenden Jahrzehnten mit all seiner Kraft für die Bewahrung der Nordhäuser Geschichte, insbesondere der Technikhistorie gewidmet hat.
Sichtlich gerührt, obwohl er es bereits Stunden zuvor erfahren hatte, nahm Horst Kieber aus dem Händen der Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Ute Hirseland, die Figur entgegen. Bekannte und Freunde von Kieber hatten Tränen in den Augen. Ihnen war Genugtuung anzusehen, dass es in diesem Jahr den Richtigen getroffen hat. Kieber erhielt Glückwünsche, da ein Küsschen, hier ein aufrichtiger Händedruck und zum Schluß noch eine Ehrenrund mit einem seiner Schlepper.
Wer Horst Kieber kennt, der weiß, wie sehr sein Herz an dieser Stadt hängt. Fragt man den Rentner, welche Geschichte sich zum Beispiel hinter irgendeinem Haus versteckt - Horst Kieber lüftet kompetent das Geheimnis. Er hat sein Wissen nie für sich behalten, er wollte und hat es immer weitergegeben. Ich lernte Horst Kieber als freien Mitarbeiter der damaligen Nordhäuser Zeitung kennen. Sehr lange saßen wir - mal in den Redaktionsräumen in der Rautenstraße, mal bei ihm in Nord zu Hause - zusammen. Horst Kieber gab mir Einblicke in die technische Geschichte dieser Stadt, die seit 1992 ein Stück meiner Heimat geworden ist. Er berichtete von seinem Archiv, erzählte von der Brockenhexe und den anderen Traktoren, von Lokomotiven und Maschinen, vom Kautabak und Kornbrand. Er kannte sie alle, die Geschichten vom Wachsen und Werden dieser Stadt. Er kannte und erlebte jedoch auch zweimal den Untergang dieser Nordhäuser Tradition: 1945 und 1990.
Den zweiten Untergang, neuzeitlich Abwicklung oder Treuhand genannt, den hat Horst Kieber nie richtig verwinden können. Er selbst wurde mit der IFA abgewickelt. Doch er hatte sein Hobby, er konnte es in der neuen Zeit intensiver pflegen, konnte Kontakte in das andere Deutschland aufnehmen. Wöchentlich mehrmals fuhr der von Nord mit der Straßenbahn zum Bahnhof, löste eine Fahrkarte nach Wipperdorf und pflegte in einer Scheune sein Kleinod, seine Traktoren. Nebenbei baute er den Partnerschaftsverein Nordhausen-Bochum mit auf, hielt Vorträge, traf sich mit Technikexperten. Die Liebe und Verbundenheit zu diesem Hobby halfen ihm schließlich auch, gesundheitliche und private Rückschläge zu verkraften. Er hat sich aus einem Tief selbst herausgeholt und genießt jetzt - den Umständen entsprechend - das Leben und seine Technikleidenschaft. Horst Kieber geht oft spazieren, ein Bierchen in Alt-Nordhausen darf es denn auch schon mal sein.
Das diesjährigen Rolandsfest was nicht nur Sicht der Preisverleihung ein besonderes Bonbon für Horst Kieber. In diesem Jahr trafen sich auch die Schlepperfreunde und NORMAG-Fans in Nordhausen. Mit dabei der Konstrukteur des legendären NG 22, Erwin Peuckert (siehe nnz-Foto). Der 91 Jahre alte Peuckert trat am 15. Januar 1936 bei Schmidt und Kranz in Nordhausen ans Zeichenbrett und acht Monate später, am 18. September, wurde bereits der erste Schlepper ausgeliefert. Für das Nordhäuser Unternehmen, das vor der Ära Peuckert vor der Pleite gestanden haben soll, begann eine Erfolgsstory. Der NG 22 wurde fast 5.000 Mal gebaut und verkauft. Hatte das Unternehmen Anfang 1936 rund 80 Mitarbeiter, so waren 1945 schon 1.400.
Zum jetzigen Rolandsfest trafen sich die beiden Schlepperexperten Kieber und Peuckert wieder. Und beide fachsimpelten über Industrie und Traktoren, über die in Nordhausen gebauten natürlich besonders. Der Nordhäuser Werbegemeinschaft ist mit dem diesjährigen Goldenen Roland ein Glücksgriff gelungen. Die Anteilnahme am Samstagabend war dafür ein Indiz. Sicher, auch alle anderen Kandidaten hätten es verdient gehabt, auch sie hatten und haben sich um und für Nordhausen engagiert. Letztlich votierten Mitglieder der Werbegemeinschaft zum ersten Mal selbst über die Vergabe der Auszeichnung. Das Ergebnis: 55 Prozent für Horst Kieber, die restlichen 45 Prozent teilten sich die drei anderen Kandidaten.
Peter-Stefan Greiner
Autor: nnz
In diesem Jahr wurden Julia Große-Roge, Heino Kohlhase, der Scheunenhof und Horst Kieber nominiert. Letzterer war in den vergangenen Jahren bereits zweimal auf die Nominierungsliste gekommen. In diesem Jahr war es dann endlich soweit: Horst Kieber erhielt den Goldenen Roland. Hunderte Menschen wohnten der Preisverleihung auf der großen EVN-Bühne auf dem Bahnhofsvorplatz bei und applaudierten einem Mann, der sich in den zurückliegenden Jahrzehnten mit all seiner Kraft für die Bewahrung der Nordhäuser Geschichte, insbesondere der Technikhistorie gewidmet hat.Sichtlich gerührt, obwohl er es bereits Stunden zuvor erfahren hatte, nahm Horst Kieber aus dem Händen der Vorsitzenden der Werbegemeinschaft, Ute Hirseland, die Figur entgegen. Bekannte und Freunde von Kieber hatten Tränen in den Augen. Ihnen war Genugtuung anzusehen, dass es in diesem Jahr den Richtigen getroffen hat. Kieber erhielt Glückwünsche, da ein Küsschen, hier ein aufrichtiger Händedruck und zum Schluß noch eine Ehrenrund mit einem seiner Schlepper.
Wer Horst Kieber kennt, der weiß, wie sehr sein Herz an dieser Stadt hängt. Fragt man den Rentner, welche Geschichte sich zum Beispiel hinter irgendeinem Haus versteckt - Horst Kieber lüftet kompetent das Geheimnis. Er hat sein Wissen nie für sich behalten, er wollte und hat es immer weitergegeben. Ich lernte Horst Kieber als freien Mitarbeiter der damaligen Nordhäuser Zeitung kennen. Sehr lange saßen wir - mal in den Redaktionsräumen in der Rautenstraße, mal bei ihm in Nord zu Hause - zusammen. Horst Kieber gab mir Einblicke in die technische Geschichte dieser Stadt, die seit 1992 ein Stück meiner Heimat geworden ist. Er berichtete von seinem Archiv, erzählte von der Brockenhexe und den anderen Traktoren, von Lokomotiven und Maschinen, vom Kautabak und Kornbrand. Er kannte sie alle, die Geschichten vom Wachsen und Werden dieser Stadt. Er kannte und erlebte jedoch auch zweimal den Untergang dieser Nordhäuser Tradition: 1945 und 1990.
Den zweiten Untergang, neuzeitlich Abwicklung oder Treuhand genannt, den hat Horst Kieber nie richtig verwinden können. Er selbst wurde mit der IFA abgewickelt. Doch er hatte sein Hobby, er konnte es in der neuen Zeit intensiver pflegen, konnte Kontakte in das andere Deutschland aufnehmen. Wöchentlich mehrmals fuhr der von Nord mit der Straßenbahn zum Bahnhof, löste eine Fahrkarte nach Wipperdorf und pflegte in einer Scheune sein Kleinod, seine Traktoren. Nebenbei baute er den Partnerschaftsverein Nordhausen-Bochum mit auf, hielt Vorträge, traf sich mit Technikexperten. Die Liebe und Verbundenheit zu diesem Hobby halfen ihm schließlich auch, gesundheitliche und private Rückschläge zu verkraften. Er hat sich aus einem Tief selbst herausgeholt und genießt jetzt - den Umständen entsprechend - das Leben und seine Technikleidenschaft. Horst Kieber geht oft spazieren, ein Bierchen in Alt-Nordhausen darf es denn auch schon mal sein.
Das diesjährigen Rolandsfest was nicht nur Sicht der Preisverleihung ein besonderes Bonbon für Horst Kieber. In diesem Jahr trafen sich auch die Schlepperfreunde und NORMAG-Fans in Nordhausen. Mit dabei der Konstrukteur des legendären NG 22, Erwin Peuckert (siehe nnz-Foto). Der 91 Jahre alte Peuckert trat am 15. Januar 1936 bei Schmidt und Kranz in Nordhausen ans Zeichenbrett und acht Monate später, am 18. September, wurde bereits der erste Schlepper ausgeliefert. Für das Nordhäuser Unternehmen, das vor der Ära Peuckert vor der Pleite gestanden haben soll, begann eine Erfolgsstory. Der NG 22 wurde fast 5.000 Mal gebaut und verkauft. Hatte das Unternehmen Anfang 1936 rund 80 Mitarbeiter, so waren 1945 schon 1.400.Zum jetzigen Rolandsfest trafen sich die beiden Schlepperexperten Kieber und Peuckert wieder. Und beide fachsimpelten über Industrie und Traktoren, über die in Nordhausen gebauten natürlich besonders. Der Nordhäuser Werbegemeinschaft ist mit dem diesjährigen Goldenen Roland ein Glücksgriff gelungen. Die Anteilnahme am Samstagabend war dafür ein Indiz. Sicher, auch alle anderen Kandidaten hätten es verdient gehabt, auch sie hatten und haben sich um und für Nordhausen engagiert. Letztlich votierten Mitglieder der Werbegemeinschaft zum ersten Mal selbst über die Vergabe der Auszeichnung. Das Ergebnis: 55 Prozent für Horst Kieber, die restlichen 45 Prozent teilten sich die drei anderen Kandidaten.
Peter-Stefan Greiner


