Fr, 11:36 Uhr
24.04.2015
Partei ist wichtig, aber nicht alles!
Am Sonntag wird im Landkreis Nordhausen gewählt. Ein neuer Landrat oder eine neue Landrätin muss her. Fünf Kandidaten bewerben sich um die Stimmen der rund 72.000 Wahlberechtigten. Einer von ihnen arbeitet bereits im Landratsamt: Stefan Nüßle...
Will hier als Landrat weitermachen: Stefan Nüßle (Foto: nnz)
nnz: Herr Nüßle, warum sind Sie mit Ihrem bisherigen Job als zweiter hauptamtlicher Beigeordneter nicht mehr zufrieden?
Stefan Nüßle: Ich bin mit der jetzigen Aufgaben sehr zufrieden, aber…
nnz: Aber Sie wollen doch mehr, Sie wollen Landrat werden. Ist Chefsein für Sie so wichtig?
Stefan Nüßle: Es ist einfach anders, man hat als Landrat und damit auch als Chef einer Verwaltung mit rund 400 Mitarbeitern nicht nur eine Gesamtverantwortung, sondern man kann mehr gestalten, man kann noch mehr eigene Akzente setzen. Ich denke, das würde mich fordern und dem würde ich mich gern stellen.
nnz: Hinter Ihrem Namen steht immer noch das Parteikürzel, in diesem Fall CDU”. Wie wichtig ist das für Sie oder: wie wichtig könnte das für den Wähler sein?
Stefan Nüßle: Natürlich prägt die Mitgliedschaft in einer Partei eine persönliche Wertvorstellung. Bei mir konkret ist es das christliche, aber auch das soziale Moment, warum ich in der CDU seit 21 Jahren Mitglied bin. Darüber hinaus bin ich in erster Linie den Menschen verpflichtet, für die ich eine politische Verantwortung übernehmen will. Deren Vorstellungen, Wünsche, Anregungen, aber auch deren konstruktive Kritik waren bislang der Maßstab meines Handelns und sollen es auch künftig sein.
nnz: Sie haben bereits als hauptamtlicher Beigeordneter unter Frau Keller als Landrätin gearbeitet. Was würden Sie anders machen?
Stefan Nüßle: Ich würde auf jeden Fall ein Stück mehr auf die Mitarbeiter der Kreisverwaltung zugehen. Ich würde mehr auf ihre Erfahrungen und Kompetenzen bauen. Wenn man es versteht, Menschen zu motivieren, dann wird das zwangsläufig ausstrahlen und vielleicht gelingt es uns gemeinsam, den Landkreis als politisches Gebilde aber auch als Lebensraum positiver wahrzunehmen. Es muss nicht immer um persönliche Projekte gehen.
nnz: Sie meinen das BürgerServiceZentrum, das Prestigeprojekt von Frau Keller, das nach dem Motto Koste es, was es wolle” aus dem Boden gestampft werden musste?
Stefan Nüßle: Mit mir als Landrat hätte es das BürgerServiceZentrum in dieser Form nicht gegeben. Die Implementierung von Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle ist völlig in Ordnung und das richtige Format. Gerade aber die Abläufe im sozialen Bereich, die müssen unbedingt noch einmal auf den Prüfstand. Das ist nach eineinhalb Jahren aber auch keine Katastrophe.
nnz: Immer und immer wieder geht es ums Sparen. Wo wollen Sie in den nächsten Jahren ansetzen?
Stefan Nüßle: Die Einnahmen zu erhöhen, das ist bei einem Landkreis eher schwierig. Der nimmt wenige Gebühren, kann nicht willkürlich - also je nach Kassenlage - die Kreisumlage erhöhen und lebt von den Schlüsselzuweisungen vom Land. Also müssen wir uns die Ausgabenseite ansehen und da gibt es erste positive Ansätze durch die Arbeit eines externen Beraters. Ich setze in erster Linie auf die Schaffung von Synergien in Form der Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen und der Stadt Nordhausen. Bei der Rettungsleitstelle funktioniert das, warum nicht auch bei der künftigen Ausrichtung der Bauordnungsämter von Landkreis, Stadt sowie dem benachbarten Kyffhäuserkreis.
nnz: Die Fortsetzung der interkommunalen Zusammenarbeit könnte eine von der rot-rot-grünen Landesregierung favorisierten Kreisgebietsreform sein. Wie sieht für sie da die Zukunft von Nordhausen aus?
Stefan Nüßle: Ganz klar, an Nordhausen als Kreissitz kommt man nicht vorbei. In anderen Bundesländern ist per Gesetz vorgeschrieben, dass die größte Stadt eines künftigen Landkreises auch die Kreisstadt ist. Und das ist in Nordthüringen nunmal Nordhausen.
nnz: Wenn Sie der neuen Landrat sind, was muss zuerst angegangen werden?
Stefan Nüßle: Wir müssen gemeinsam im Landratsamt und mit dem Kreistag das Konsolidierungskonzept für den Haushalt umsetzen. Das wird zwar schmerzliche Einschnitte mitsichbringen, aber gehen wir das nicht an, dann übernimmt diesen Job ein anderen. Und dann will ich mich schnellstens einsetzen, dass die Orte entlang der der B 243 ein wenig Entlastung durch die Reduzierung auf Tempo 30 erfahren.
nnz: Also Personalabbau?
Stefan Nüßle: Ja, aber nicht durch Entlassungen oder Arbeitszeitverkürzung, sondern die Möglichkeiten, die eine natürliche Fluktuation mit sich bringt, also das Ausscheidung von Mitarbeitern aufgrund ihres Alters. Hier besteht eine nahezu historische Chance und dieses offene Fenster, das sich in einigen Jahren wieder schließen wird, sollte genutzt werden.
nnz: Sie haben eine große Familie, sieben Kinder, davon drei Pflegekinder. Wie prägt dieses Umfeld ihr Handeln als Politiker und eventuell auch als Chef einer großen Verwaltung?
Stefan Nüßle: Für soziale Fakten hat man einfach einen anderen Blick. Man sieht nicht nur die Tatsachen, die Zahlen, Paragrafen oder Verordnungen. Und man bekommt ein Gespür davon, wie gut es einem persönlich geht und mit welchen Problemen, Sorgen und Nöten viele Menschen, gerade als Familien tagtäglich umgehen und zurechtkommen müssen. Es sind diese Schicksale, die ich als jetziger Sozialdezernent oder in meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Landes- und Bundeselternvertreter erfahre, die mich lehren politische Verantwortung auch für diese Menschen zu übernehmen. Vielleicht gerade für diese Menschen.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch.
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: red
Will hier als Landrat weitermachen: Stefan Nüßle (Foto: nnz)
nnz: Herr Nüßle, warum sind Sie mit Ihrem bisherigen Job als zweiter hauptamtlicher Beigeordneter nicht mehr zufrieden?
Stefan Nüßle: Ich bin mit der jetzigen Aufgaben sehr zufrieden, aber…
nnz: Aber Sie wollen doch mehr, Sie wollen Landrat werden. Ist Chefsein für Sie so wichtig?
Stefan Nüßle: Es ist einfach anders, man hat als Landrat und damit auch als Chef einer Verwaltung mit rund 400 Mitarbeitern nicht nur eine Gesamtverantwortung, sondern man kann mehr gestalten, man kann noch mehr eigene Akzente setzen. Ich denke, das würde mich fordern und dem würde ich mich gern stellen.
nnz: Hinter Ihrem Namen steht immer noch das Parteikürzel, in diesem Fall CDU”. Wie wichtig ist das für Sie oder: wie wichtig könnte das für den Wähler sein?
Stefan Nüßle: Natürlich prägt die Mitgliedschaft in einer Partei eine persönliche Wertvorstellung. Bei mir konkret ist es das christliche, aber auch das soziale Moment, warum ich in der CDU seit 21 Jahren Mitglied bin. Darüber hinaus bin ich in erster Linie den Menschen verpflichtet, für die ich eine politische Verantwortung übernehmen will. Deren Vorstellungen, Wünsche, Anregungen, aber auch deren konstruktive Kritik waren bislang der Maßstab meines Handelns und sollen es auch künftig sein.
nnz: Sie haben bereits als hauptamtlicher Beigeordneter unter Frau Keller als Landrätin gearbeitet. Was würden Sie anders machen?
Stefan Nüßle: Ich würde auf jeden Fall ein Stück mehr auf die Mitarbeiter der Kreisverwaltung zugehen. Ich würde mehr auf ihre Erfahrungen und Kompetenzen bauen. Wenn man es versteht, Menschen zu motivieren, dann wird das zwangsläufig ausstrahlen und vielleicht gelingt es uns gemeinsam, den Landkreis als politisches Gebilde aber auch als Lebensraum positiver wahrzunehmen. Es muss nicht immer um persönliche Projekte gehen.
nnz: Sie meinen das BürgerServiceZentrum, das Prestigeprojekt von Frau Keller, das nach dem Motto Koste es, was es wolle” aus dem Boden gestampft werden musste?
Stefan Nüßle: Mit mir als Landrat hätte es das BürgerServiceZentrum in dieser Form nicht gegeben. Die Implementierung von Kfz-Zulassung und Führerscheinstelle ist völlig in Ordnung und das richtige Format. Gerade aber die Abläufe im sozialen Bereich, die müssen unbedingt noch einmal auf den Prüfstand. Das ist nach eineinhalb Jahren aber auch keine Katastrophe.
nnz: Immer und immer wieder geht es ums Sparen. Wo wollen Sie in den nächsten Jahren ansetzen?
Stefan Nüßle: Die Einnahmen zu erhöhen, das ist bei einem Landkreis eher schwierig. Der nimmt wenige Gebühren, kann nicht willkürlich - also je nach Kassenlage - die Kreisumlage erhöhen und lebt von den Schlüsselzuweisungen vom Land. Also müssen wir uns die Ausgabenseite ansehen und da gibt es erste positive Ansätze durch die Arbeit eines externen Beraters. Ich setze in erster Linie auf die Schaffung von Synergien in Form der Zusammenarbeit mit anderen Landkreisen und der Stadt Nordhausen. Bei der Rettungsleitstelle funktioniert das, warum nicht auch bei der künftigen Ausrichtung der Bauordnungsämter von Landkreis, Stadt sowie dem benachbarten Kyffhäuserkreis.
nnz: Die Fortsetzung der interkommunalen Zusammenarbeit könnte eine von der rot-rot-grünen Landesregierung favorisierten Kreisgebietsreform sein. Wie sieht für sie da die Zukunft von Nordhausen aus?
Stefan Nüßle: Ganz klar, an Nordhausen als Kreissitz kommt man nicht vorbei. In anderen Bundesländern ist per Gesetz vorgeschrieben, dass die größte Stadt eines künftigen Landkreises auch die Kreisstadt ist. Und das ist in Nordthüringen nunmal Nordhausen.
nnz: Wenn Sie der neuen Landrat sind, was muss zuerst angegangen werden?
Stefan Nüßle: Wir müssen gemeinsam im Landratsamt und mit dem Kreistag das Konsolidierungskonzept für den Haushalt umsetzen. Das wird zwar schmerzliche Einschnitte mitsichbringen, aber gehen wir das nicht an, dann übernimmt diesen Job ein anderen. Und dann will ich mich schnellstens einsetzen, dass die Orte entlang der der B 243 ein wenig Entlastung durch die Reduzierung auf Tempo 30 erfahren.
nnz: Also Personalabbau?
Stefan Nüßle: Ja, aber nicht durch Entlassungen oder Arbeitszeitverkürzung, sondern die Möglichkeiten, die eine natürliche Fluktuation mit sich bringt, also das Ausscheidung von Mitarbeitern aufgrund ihres Alters. Hier besteht eine nahezu historische Chance und dieses offene Fenster, das sich in einigen Jahren wieder schließen wird, sollte genutzt werden.
nnz: Sie haben eine große Familie, sieben Kinder, davon drei Pflegekinder. Wie prägt dieses Umfeld ihr Handeln als Politiker und eventuell auch als Chef einer großen Verwaltung?
Stefan Nüßle: Für soziale Fakten hat man einfach einen anderen Blick. Man sieht nicht nur die Tatsachen, die Zahlen, Paragrafen oder Verordnungen. Und man bekommt ein Gespür davon, wie gut es einem persönlich geht und mit welchen Problemen, Sorgen und Nöten viele Menschen, gerade als Familien tagtäglich umgehen und zurechtkommen müssen. Es sind diese Schicksale, die ich als jetziger Sozialdezernent oder in meiner ehrenamtlichen Arbeit in der Landes- und Bundeselternvertreter erfahre, die mich lehren politische Verantwortung auch für diese Menschen zu übernehmen. Vielleicht gerade für diese Menschen.
nnz: Vielen Dank für das Gespräch.
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