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Mi, 14:35 Uhr
15.04.2015

Lichtblick: Ein schöner (Kinder)Garten

Jetzt, wo endlich die Sonne wieder lacht, die Temperaturen steigen und sich manche Erstarrung löst, jetzt zieht es Viele hinaus in die Natur. Die einen in den Wald, die anderen zu den vielen Sehenswürdigkeiten unserer Region und Dritte wiederum in den Garten...


Da wird dann Umschau gehalten und gesucht, wo es bereits sprosst, was durch den Frost oder andere Wetterunbill in Mitleidenschaft gezogen wurde und beschnitten oder ersetzt werden muss.

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Der Prototyp des Gartens ist das Paradies, er ist „umhagt“ (eingefriedet durch eine Hecke), was von germanisch haga stammt und „Umzäunung, Gehege“ meint und in unserer Sprache fast nur noch im „hegen“ zum Beispiel eines Gartens vorkommt.

Umhagt wird nur, was eines Schutzes bedarf. Der Hag war in der Vorzeit ein aus Haselnuss- oder Weidenruten oder aus Hagebutten (da ist er wieder, der Hag) bestehender Schutzwall um den Garten. Er schützte vor Verbiss durch wilde Tiere, vor Salat- und Erdbeerräubern u.a.

Das wird wohl auch der Grund gewesen sein, dass Friedrich Fröbel (geb. 1782 in Oberweißbach und gest. 1852 in Marienthal) seine Erfindung „Kindergarten“ nannte.

Kinder sind uns wertvoll, Kinder brauchen unsere Pflege und Hege (wieder der hag), unsere Aufmerksamkeit und Zuwendung. Bis zur Erfindung des Kindergartens durch Fröbel, liefen Kinder so nebenher mit. Das hieß konkret, dass sie von frühester Kindheit an auf Feld, Flur und im Hof mithalfen. Selbst in Bergwerken arbeiteten sie und sind der realistische Anhaltspunkt für Zwerge mit Zipfelmützen, die dazu dienten, sie im dunklen Stollen besser zu sehen. Kindsein war eine Plackerei, ganz anders als heute.

Auch die Kleidung ähnelte denen der Erwachsenen, nur „en miniature“. Die Erziehung war folgerichtig die Vorbereitung auf das Erwachsensein durch (bestenfalls) Einübung oder (schlimmstenfalls) durch Drill erwachsener Regeln.

Erst der deutsche Pfarrer und Schüler von Johann Heinrich Pestalozzi, Friedrich Fröbel, hat systematisch die Kinder zusammengeholt, Lehrpläne für Gesang, Spiele und Beschäftigungen er- und Kindergärtnerinnen eingestellt und somit dafür gesorgt, dass Kinder behütet und vor allem spielerisch die nötigen Dinge fürs Leben lernten.

Es ist heute kaum mehr nachvollziehbar, welche immens große Leistung er damit erbrachte. Nur in Ländern mit (beklagenswerter) Kinderarbeit kann der Leser dieser Zeilen noch wahrnehmen, was hier geleistet wurde und wird, oft von schlechtgenug bezahlten Erzieherinnen, wie wir ja dieser Tage durch die Streiks wieder vor Augen geführt bekommen.

Gärten sind Orte, die umhagt sind, weil sie beschützt werden sollen. Friedrich Fröbel nannte die von ihm „erfundene“ Einrichtung „Kindergarten“. Nicht ohne Hintersinn, mit großem Sprach- und Wortbedeutungsbewusstsein.

Was drücken wir eigentlich damit aus, wenn wir Kindergärten zu Kindertagesstätten machen, zu „lautmalerischen Wortjuwelen“ wie „Seniorenbegegnungsstätte“, „Autoreparaturwerkstätte“, „Gaststätte“, „Wirkungsstätte“, „Unterrichtsstätte“, „Grabstätte“, prähistorische „Opferstätte“… nur ja schön sachlich, nicht emotional und unpersönlich.

Um nicht missverstanden zu werden, die Kindergärten nennen sich „KiTa“, weil es der Gesetzgeber so in seiner Texte schreibt und keinen Sinn für Gefühle in Gesetzestexten hat. Müssen wir aber die Gärten, in die unsere Kinder und Enkel gehen und umhagt werden, deswegen Tagesstätten nennen? So würde auch trefflich ein Kofferaufbewahrungsort benannt.

Begriffe und Sprache prägen und formen unser Bewusstsein. Wer nachlässig in der Sprache wird, wird meist nachlässig mit sich und anderen, der öffnet sich sogar leichter für die, die ihm ihre Sprache (dazu müsste ich mal einen anderen Lichtblick schreiben, mit Blick auf Victor Klemperer und sein Buch LTI) und ihre Gedanken anbieten, ja manchmal auch aufdrücken („Dir Deine Meinung“, „Lügenpresse“ etc.).

Als der müde Jesus von seinen Jüngern geschützt und deshalb Kinder von ihm ferngehalten werden sollen, da sagt er: „Lasst die Kinder zu mir kommen und wehret Ihnen nicht, denn Ihnen gehört das Reich Gottes“ (Lk 1816). Wer Kinder so wertschätzt, der gibt sie nicht an einer Stätte ab, der gibt sie in einen behüteten Garten, einen Kindergarten. Wie wäre es, wenn wir in unserem Land- und Kirchenkreis an diesem Punkte begönnen und auf unsere Kinder, unsere Enkel und unsere Sprache achteten? Sie werden es uns danken und eine Abkürzung gäbe es auch „KiGa“ – nicht länger, aber deutlich besser für unsere umhegten Kinder.
Herzliche Grüße und die besten Wünsche für den Hirtensonntag Misericordias Domini
Superintendent Kristóf Bálint

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Autor: red

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