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Mi, 10:18 Uhr
06.06.2001

Nette Plauderei in Verwaltungsfluren

Nordhausen (nnz). In der vergangenen Woche hatte sich die nnz mit der erneuten Ausschreibung der Stellen für die beiden hauptamtlichen Beigeordneten beschäftigt. Die Meinungen der „regierenden“ Parteien im Kreistag ist relativ klar. Was aber sagen die Mitarbeiter des Landratsamtes zu zwei neuen „Chefs“, oder werden es gar drei? nnz hat sich auf den Fluren in der Behringstraße umgehört.

Typischer Alltag in einer Behörde an einem Vormittag. Akten werden von einem Zimmer zum anderen geschleppt, das verregnete Pfingstfest wird ausgewertet. Die erste Frage dann im Fahrstuhl: „Wird es nicht endlich Zeit, daß zwei neue Beigeordnete ihren Dienst aufnehmen“? „Das ist mir eigentlich egal, wir machen auch so unsere Arbeit“, meint eine Mitarbeiterin und ihr Kollege ergänzt: „Die kosten nur noch mehr Geld“.

Da wird dem nnz-Mitarbeiter zwischen zweiter und dritter Etage eine fette Rechnung aufgemacht. Rund 400.000 Mark sollen bei zwei Dezernenten, die ihren Job hauptamtlich machen, zu Buche schlagen. Der nnz-Typ rechnet und denkt nur kurz darüber nach, sich auch für diesen Job zu bewerben. Aber nur kurz, denn er hat kein Parteibuch in der Tasche, hat also kaum eine Chance. Ohne Parteibuch sei auch der Chef des kreislichen Gemeinde- und Städtebundes ausgestattet. „Der kritisiert fortlaufend die Kreisverwaltung wegen angeblich zu hoher Personalkosten, fordert aber zwei hauptamtliche Beigeordnete“, hört man im Flur, der zum Umweltbereich gehört.

Sollte es dennoch bald oder nicht so bald zur Wahl der Beigeordneten kommen, im Vorfeld dieses politischen Highlights gibt es selbstverständlich schon die personellen Diskussionen. „Wen wünschen Sie sich denn als Chef“?, so die Frage. Ein Mitarbeiter, der vielleicht schon irgendeine Vorruhestandsregelung in Anspruch nehmen könnte, wehrt ab: „Keinen!“ Ist ja auch verständlich. Wer will schon einen Chef, wenn die Arbeit angeblich auch ohne einen beigeordneten Vorgesetzten läuft. Chefs sind selbst in einer Verwaltung nicht sonderlich gefragt.

Im Rennen um die Wahl der beiden Beigeordneten sind Matthias Jendricke (SPD) und Loni Grünwald (PDS). Gegen beide Personen gibt es Ablehnungen in der Kreisverwaltung. Da wird auch schon mal die Arbeit eines Walter Thume als Maßstab der Qualitätseinschätzung herangezogen. Doch dann - zwischen zwei Etagen auf der Treppe - kommt es richtig dicke. „Die von der CDU, die sind nicht viel besser als die Roten“, meint ein etwas jüngerer Kollege. Er wisse aus „gut informierten Kreisen, daß die CDU-Fraktionsspitze im Nordhäuser Kreistag zwar genau die Machtverhältnisse in diesem „Kaspertheater“ kenne, dennoch aber ihre Chance wittere. Wenn schon zwei hauptamtliche Beigeordnete, dann wolle die CDU auch an der Macht auf der zweiten Leitungsebene teilhaben. Ein Dezernent müsse her, habe der Mitarbeiter gehört. Dann wäre doch alles aufgeteilt, sozusagen eine große Koalition käme zustande.

Verstehen kann das kaum jemand in der Behringstraße, ein Unternehmen am Markt könne sich das kaum leisten, wird da geflüstert und vergessen ist die halbstündige Kaffeepause, die in keinem Tarifvertrag vorgesehen ist. So sind sie eben, die netten und freundlichen Mitarbeiter der Verwaltungen. Sie machen ihre Arbeit - egal ob mit oder ohne Vorgesetzten, in diesem Falle Beigeordneten oder Dezernent. Ob denn jemand der nnz seinen Namen als Informationsquelle freigeben werde? Niemand wollte genannt werden. Verständlich, denn die „cheflose“ Zeit könnte nach der Wahl im Kreistag bald vorbei sein. Und wer kritisiert schon seinen Chef, auch wenn es der künftige ist?

nnz-Nachtrag: Beim Gespräch zwischen den Vorsitzenden der Kreistagsfraktionen und dem Landrat soll es am Freitag noch zu einigen Änderungen im Ausschreibungstext gekommen sein. Da sollen die „langjährigen Erfahrungen“ gegen „Erfahrungen“ ausgetauscht und die Berufung auf den Paragraph 8 des Thüringer Beamtengesetztes ersatzlos gestrichen worden sein. nnz hat in diesem Gesetz nachgelesen und folgenden Abschnitt gefunden: „Die Auslese der Bewerber ist nach Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung ohne Rücksicht auf Geschlecht, Abstammung, Rasse, Glauben, religiöse oder politische Anschauung, Herkunft oder Beziehung vorzunehmen.“ Aber selbst das Papier der Thüringer Gesetzestexte ist geduldig. nnz wird die kommende zweite Runde der Wahl der beiden hauptamtlichen Beigeordneten zum Gegenstand einer künftigen Umfrage machen. Dann können die nnz-Leser schon mal vorab eine Wahl treffen.
Autor: nnz

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