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Di, 07:15 Uhr
24.02.2015

„Ach, Liebste, flieg mir nicht weg“

Im Jahr des 80. Geburtstages der Dichterin Sarah Kirsch gibt es in ihrem Geburtshaus in Limlingerode mehrere Veranstaltungen, die auf Besonderheiten ihres Lebens verweisen. Neben ihren Gedichten und Prosastücken war sie auch eine einmalige Schreiberin von Briefen...

Winterlicher See in Limlingerode (Foto: Archiv Kneffel) Winterlicher See in Limlingerode (Foto: Archiv Kneffel)
Bei den Empfängern waren sie zum einen wegen der unverwechselbaren Sprache begehrt, aber auch wegen ihrer ungemein kunstvollen Schriftzüge. Das ist einer der Gründe, dass am Samstag, 28. Februar 2015, ab 14.30 Uhr in der „Dichterstätte Sarah Kirsch“ zu einer Lesung eingeladen wird, die sich Briefen widmet, und zwar denen des genialen Zeichners und Druckgrafikers Horst Janssen. Die Kulturmanagerin Christine Stauch aus Bad Langensalza bringt sie zu Gehör.

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Die Dichterin verband etwas Besonderes mit Janssen – am 13. März 1989 widmet er ihr das Rundbild „an Sarah Kirsch“, eine Farbradierung, eine Flusslandschaft darstellend. Angeregt dazu wurde er durch ihre Verse „Sehr kleine Drachen“, geschrieben am 28. Januar 89: „Das Blatt einer Flußweide aus meinem nahezu baumlosen Landstrich auf den Flügeln des Winds ...“ Dieses Gedicht schrieb die Poetin als Beitrag zur Ausstellung „Bilder für den Himmel“.

Gebeten dazu wurde sie vom Goethe-Institut, das gleichfalls Horst Janssen um ein Bild bat und den Komponisten Wolfgang von Schweinitz, den damaligen Lebensgefährten der Kirsch, um eine Vertonung. Unter dem Titel „Auf den Flügeln des Winds“ liegt darüber auch ein zehnseitiger bibliophiler Druck vor, der in L. gezeigt wird.

Horst Janssens in der Langen Reihe 11 vorgetragene Schriftstücke entstanden in der Zeit seines Zusammenlebens mit Gesche Tietjens, 1969 bis 1973. In einem Brief, den der Künstler mit dem 16.5.1972 datiert, schreibt er „… Bevor ich, spät, zu Bett gehe bitte ich: Ach, Liebste, flieg mir nicht weg …“

Die Briefe sind nicht nur deswegen von Bedeutung und von einmaligem Wert, weil sie der begnadete Grafiker Horst Janssen verfasste, sondern sie verweisen darauf, dass dieser Künstler durchaus auch als Schriftsteller gelten kann. Sie präsentieren also ein weiteres unwiederbringliches Kunstwerk von seiner Hand: Das Briefe-Schreiben als eine Form der Kommunikation, die im Zeitgeist heutiger Beziehungen fast gelöscht ist.

Manchmal täglich und dann nicht selten zwei Mal am Tag schreibt er an seine geliebte Panne, wie er seine Gefährtin nennt. Janssen äußert sich nicht nur zu seiner Beziehung zu ihr – die ausgewählten Briefpassagen lassen den Zuhörer auf einmalige Weise an seinem Alltag teilhaben. Sie offenbaren seine innige Beziehung zur Natur, denn Gesche war es, die dem Stadtmenschen in Wanderungen das Landschaftliche erschloss. Die Zeilen geben Einblick in seinen künstlerischen Schaffensprozess und sind vor allem eine beeindruckende Spieglung seiner selbst, sie beeindrucken zudem durch einen lyrisch bewegten Ton.

Nach dem Tod Horst Janssens im Jahr 1995 übergibt Gesche Tietjens einen Großteil seiner Briefe mit dem Buch „Ach, Liebste, flieg mir nicht weg“ erstmals der Öffentlichkeit, im Jahr 2002 im Rowohlt Verlag erschienen.

Im Geburtshaus der Dichterin gibt es außerdem eine Ausstellung zahlreicher Buchausgaben mit seinen Werken, in denen auch kunstvolle Briefe von Janssen abgebildet sind.
Heideloe Kneffel
Autor: red

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