Sa, 14:48 Uhr
21.02.2015
Humboldt öffnete die Türen
Ungewohnter Trubel herrschte heute am Humboldt-Gymnasium. Liegen die Flure sonst am Wochenende verwaist, tummelten sich heute im Schulgebäude in der Domstraße Eltern und Kinder, um zu sehen, was das Gymnasium zukünftigen Schülern zu bieten hat. Und zu sehen gab es einiges...
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Michael Caspari)
Frage: Wen traf Robinson Crusoe auf seiner Insel? Montag, Freitag oder Sonntag? - für einen Schüler der vierten Klasse wird diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten sein. Auf der "Wissensstraße", die der Fachbereich Deutsch aufgebaut hatte, sollten die Gymnasiasten in spe nicht nur zeigen, was sie schon alles wissen. "Man kann nicht alles wissen und auch wenn man in der Grundschule sehr gut war, wird am Gymnasium wahrscheinlich nicht jede Note eine "1" sein", sagte die Deutschlehrerin, Frau Werner. Für die Schülerinnen und Schüler sei es gut schon im Vorfeld zu wissen, das die Anforderungen in Klasse 5 steigen werden.
Ein Stockwerk tiefer stellt sich das Fach Geographie vor. Der Raum wird von allerlei Kartenmaterial und Plakaten dominiert und auch einige Modelle können begutachtet werden. Während die Erwachsenen mit dem Lehrpersonal in Gespräche vertieft sind, erklären die Fünftklässlerinnen Stephanie und Andrea ihren Altersgenossen, was an Geographie so interessant ist und zeigen stolz, was sie im Unterricht gemacht haben. Das sind zum Beispiel die "Lesetagebücher". Die Kinder sollten sich überlegen, wie es wäre, an fernen Orten wie der Wüste, dem Regenwald oder dem Polarkreis zu leben. Das Ergebnis sind hübsch gestaltete Hefte, in denen sie ihre durchaus umfangreichen Überlegungen niedegeschrieben haben.
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Angelo Glashagel)
Weiter hinten im Raum zeigt Andrea das Modell eines Vulkans. Wie der in etwa funktioniert, kann sie schon erklären obwohl das Thema im Unterricht noch gar nicht behandelt wurde. Denn sie hat aufgepasst, vor einem Jahr, als sie selbst zum schnuppern in die Schule gekommen war.
"Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, das die Schüler ihre Fächer selber vorstellen", erklärte der Stellvertretende Schulleiter Volker Vogt, "wir haben heute Schüler aller Klassenstufen im Haus, welche die verschiedenen Fachbereiche präsentieren." Natürlich sind auch die Lehrkräfte vor Ort. Vogt selbst steht mit Vertretern des Fördervereins und der Elternsprecher im Foyer der Schule, empfängt Gäste und beantwortet Fragen.
Drumherum gibt es allerlei zu entdecken. Im Musikzimmer wird das Rhythmusgefühl spielerisch auf die Probe gestellt und im Neubau zeigen die Fächer Ethik und Religion, welche kreativen Wege man geht, um sich mit geistigen Themen auseinanderzusetzen. Das kann ein Kirchenmemory sein, oder auch die von Schülern erarbeitete Domführung samt Begleitheft.
Hauptaugenmerk wurde darauf gelegt, das Schüler die Fachbereiche und Projekte vorstellen (Foto: Angelo Glashagel)
Wie viele potentielle neue Schüler das Gebäude in der Domstraße heute beehrten, das vermochte Schulleiter Ralf-Gerhard Köthe nicht zu sagen. "Unsere Aula war so voll, dass die Besucher im Flur gestanden haben", erzählte Köthe, "das habe ich so noch nicht gesehen". Tatsächlich hätten sich die Schülerzahlen in den letzten Jahren wieder normalisiert, so dass man in jedem Jahr vier neue Parallelklassen aufbauen konnte, erklärte der Schulleiter weiter. Mit Optimismus blickt man auf die angekündigte Einstellungspolitik der neuen Landesregierung. Im laufenden Schuljahr hatte man bereits drei neue Lehrkräfte begrüßen können. Die kamen allerdings noch als Ersatz für altersbedingte Abgänge. "Die jungen Kollegen profitieren von der Erfahrung der Älteren, die sich wiederrum über die Spannkraft und die sprühende Begeisterung der neuen Lehrkräfte freuen. Das motiviert ungemein und so etwas braucht es in der Lehrerausbildung.", sagte Köthe.
Die technisch Interessierten konnten in mehreren Räumen Experimente ausprobieren, darunter auch einen "Teilchenbeschleuniger". Im Modell dient eine Metallkugel als Teilchen, das durch elektrische Spannung und mehrere, hintereinander geschaltete Magnetspulen beschleunigt wird. Einen Tisch weiter werden mittels akustischer Schwingungen in verschiedenen Frequenzen Muster aus Sandkörnern geformt und nebenan verdeutlichen Schüler die Wirkungsweise eines Transformators. An zwei Metallplatten wird Spannung angelegt, die so hoch ist, dass zwischen den Platten ein Lichtbogen entsteht der heiß genug ist eine Kerze zu entzünden.
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Angelo Glashagel)
"Das sind alles Unterrichtsmittel aus den Klassenstufen 7 bis 12", sagte Physiklehrer Andreas Oppenhäuser, "aber natürlich haben wir uns für heute ein paar besondere Highlights herausgesucht". Im Computerkabinett berichtet Kollege Gerd Mehler begeistert vom Schülerlabor, das im Rahmen des Informatikunterrichts auf die Beine gestellt wurde.
Der Zufall wollte es, dass Gerd Mehler über persönliche Kontakte zu Professor Neitzke von der Fachhochschule mit "Minicontrollern" in Kontakt kam. Das sind "angemessen leicht zu programmierende" Steuerungseinheiten, die sich in Alltagsgegenständen wie der Waschmaschine wiederfinden. Mehler brachte die unscheinbaren Gerätschaften mit in die Schule und ließ der Kreativität seiner Schüler freien Lauf. "Daraus sind ganz viele Projekte entstanden", sagte Mehler, "vier davon wurden vor kurzem von Jugend forscht ausgezeichnet". Denn mit den Minicontrollern kann man noch ganz andere Sachen machen, als Haushaltsgeräte steuern. Man kann zum Beispiel einen kybernetischen Käfer bauen oder einen Quattrocopter fliegen lassen. Damit der nicht gleich beim Jungfernflug abstürzt, programmiert man sich noch einen einfachen Flugsimulator. "Wir produzieren tatsächlich selber etwas und das macht den Schülern unheimlich viel Spaß", sagte Mehler.
Und es können ganz praktische Dinge daraus entstehen. So arbeiten die Schüler auch an elektronischen Essensmarken, die in der Schule zum Einsatz kommen könnten, aber auch bei Vereinen wie dem Lift.
Wer als ehemaliger heute durch die alten Räume schlenderte, der sah viel neues. Die sich schneller ändernde Welt spiegelt sich auch im Lehrplan wieder, der den Pädagogen inzwischen mehr Freiräume bietet, als das früher der Fall war. "Nehmen sie die Apps", sagte Schulleiter Köthe, "die werden als neues Unterrichtsmittel niemals ein Buch ersetzen aber es gibt da inzwischen eine erstaunliche Anzahl guter Sachen". Auf diese und andere Umwälzungen wird man sich einstellen müssen, denn jede Generation neuer Schüler, bringt auch neue Herausforderungen mit sich.
Angelo Glashagel
Autor: red
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Michael Caspari)
Frage: Wen traf Robinson Crusoe auf seiner Insel? Montag, Freitag oder Sonntag? - für einen Schüler der vierten Klasse wird diese Frage gar nicht so leicht zu beantworten sein. Auf der "Wissensstraße", die der Fachbereich Deutsch aufgebaut hatte, sollten die Gymnasiasten in spe nicht nur zeigen, was sie schon alles wissen. "Man kann nicht alles wissen und auch wenn man in der Grundschule sehr gut war, wird am Gymnasium wahrscheinlich nicht jede Note eine "1" sein", sagte die Deutschlehrerin, Frau Werner. Für die Schülerinnen und Schüler sei es gut schon im Vorfeld zu wissen, das die Anforderungen in Klasse 5 steigen werden.
Ein Stockwerk tiefer stellt sich das Fach Geographie vor. Der Raum wird von allerlei Kartenmaterial und Plakaten dominiert und auch einige Modelle können begutachtet werden. Während die Erwachsenen mit dem Lehrpersonal in Gespräche vertieft sind, erklären die Fünftklässlerinnen Stephanie und Andrea ihren Altersgenossen, was an Geographie so interessant ist und zeigen stolz, was sie im Unterricht gemacht haben. Das sind zum Beispiel die "Lesetagebücher". Die Kinder sollten sich überlegen, wie es wäre, an fernen Orten wie der Wüste, dem Regenwald oder dem Polarkreis zu leben. Das Ergebnis sind hübsch gestaltete Hefte, in denen sie ihre durchaus umfangreichen Überlegungen niedegeschrieben haben.
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Angelo Glashagel)
Weiter hinten im Raum zeigt Andrea das Modell eines Vulkans. Wie der in etwa funktioniert, kann sie schon erklären obwohl das Thema im Unterricht noch gar nicht behandelt wurde. Denn sie hat aufgepasst, vor einem Jahr, als sie selbst zum schnuppern in die Schule gekommen war.
"Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, das die Schüler ihre Fächer selber vorstellen", erklärte der Stellvertretende Schulleiter Volker Vogt, "wir haben heute Schüler aller Klassenstufen im Haus, welche die verschiedenen Fachbereiche präsentieren." Natürlich sind auch die Lehrkräfte vor Ort. Vogt selbst steht mit Vertretern des Fördervereins und der Elternsprecher im Foyer der Schule, empfängt Gäste und beantwortet Fragen.
Drumherum gibt es allerlei zu entdecken. Im Musikzimmer wird das Rhythmusgefühl spielerisch auf die Probe gestellt und im Neubau zeigen die Fächer Ethik und Religion, welche kreativen Wege man geht, um sich mit geistigen Themen auseinanderzusetzen. Das kann ein Kirchenmemory sein, oder auch die von Schülern erarbeitete Domführung samt Begleitheft.
Hauptaugenmerk wurde darauf gelegt, das Schüler die Fachbereiche und Projekte vorstellen (Foto: Angelo Glashagel)
Wie viele potentielle neue Schüler das Gebäude in der Domstraße heute beehrten, das vermochte Schulleiter Ralf-Gerhard Köthe nicht zu sagen. "Unsere Aula war so voll, dass die Besucher im Flur gestanden haben", erzählte Köthe, "das habe ich so noch nicht gesehen". Tatsächlich hätten sich die Schülerzahlen in den letzten Jahren wieder normalisiert, so dass man in jedem Jahr vier neue Parallelklassen aufbauen konnte, erklärte der Schulleiter weiter. Mit Optimismus blickt man auf die angekündigte Einstellungspolitik der neuen Landesregierung. Im laufenden Schuljahr hatte man bereits drei neue Lehrkräfte begrüßen können. Die kamen allerdings noch als Ersatz für altersbedingte Abgänge. "Die jungen Kollegen profitieren von der Erfahrung der Älteren, die sich wiederrum über die Spannkraft und die sprühende Begeisterung der neuen Lehrkräfte freuen. Das motiviert ungemein und so etwas braucht es in der Lehrerausbildung.", sagte Köthe. Die technisch Interessierten konnten in mehreren Räumen Experimente ausprobieren, darunter auch einen "Teilchenbeschleuniger". Im Modell dient eine Metallkugel als Teilchen, das durch elektrische Spannung und mehrere, hintereinander geschaltete Magnetspulen beschleunigt wird. Einen Tisch weiter werden mittels akustischer Schwingungen in verschiedenen Frequenzen Muster aus Sandkörnern geformt und nebenan verdeutlichen Schüler die Wirkungsweise eines Transformators. An zwei Metallplatten wird Spannung angelegt, die so hoch ist, dass zwischen den Platten ein Lichtbogen entsteht der heiß genug ist eine Kerze zu entzünden.
Viel gab es für Eltern und Schülern heute am Nordhäuser Humboldt Gymnasium zu entdecken (Foto: Angelo Glashagel)
"Das sind alles Unterrichtsmittel aus den Klassenstufen 7 bis 12", sagte Physiklehrer Andreas Oppenhäuser, "aber natürlich haben wir uns für heute ein paar besondere Highlights herausgesucht". Im Computerkabinett berichtet Kollege Gerd Mehler begeistert vom Schülerlabor, das im Rahmen des Informatikunterrichts auf die Beine gestellt wurde.
Der Zufall wollte es, dass Gerd Mehler über persönliche Kontakte zu Professor Neitzke von der Fachhochschule mit "Minicontrollern" in Kontakt kam. Das sind "angemessen leicht zu programmierende" Steuerungseinheiten, die sich in Alltagsgegenständen wie der Waschmaschine wiederfinden. Mehler brachte die unscheinbaren Gerätschaften mit in die Schule und ließ der Kreativität seiner Schüler freien Lauf. "Daraus sind ganz viele Projekte entstanden", sagte Mehler, "vier davon wurden vor kurzem von Jugend forscht ausgezeichnet". Denn mit den Minicontrollern kann man noch ganz andere Sachen machen, als Haushaltsgeräte steuern. Man kann zum Beispiel einen kybernetischen Käfer bauen oder einen Quattrocopter fliegen lassen. Damit der nicht gleich beim Jungfernflug abstürzt, programmiert man sich noch einen einfachen Flugsimulator. "Wir produzieren tatsächlich selber etwas und das macht den Schülern unheimlich viel Spaß", sagte Mehler.
Und es können ganz praktische Dinge daraus entstehen. So arbeiten die Schüler auch an elektronischen Essensmarken, die in der Schule zum Einsatz kommen könnten, aber auch bei Vereinen wie dem Lift.
Wer als ehemaliger heute durch die alten Räume schlenderte, der sah viel neues. Die sich schneller ändernde Welt spiegelt sich auch im Lehrplan wieder, der den Pädagogen inzwischen mehr Freiräume bietet, als das früher der Fall war. "Nehmen sie die Apps", sagte Schulleiter Köthe, "die werden als neues Unterrichtsmittel niemals ein Buch ersetzen aber es gibt da inzwischen eine erstaunliche Anzahl guter Sachen". Auf diese und andere Umwälzungen wird man sich einstellen müssen, denn jede Generation neuer Schüler, bringt auch neue Herausforderungen mit sich.
Angelo Glashagel





















