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Do, 20:15 Uhr
19.02.2015

Problem: Weniger Kunden, mehr Verkaufsfläche

Dort, wo normalerweise die Stadträte dieser Stadt über das Wohl und Wehe der Nordhäuser befinden, dort trafen sich am Abend die Einzelhändler der Stadt zum Händlertreffen Nummer 1...


Blick in den Ratssaal (Foto: nnz) Blick in den Ratssaal (Foto: nnz)

"Wir möchten Anregungen aufnehmen, was zur Verbesserung der Einkaufssituation in Nordhausen verbessert werden kann und welche dieser Maßnahmen wir umsetzten können", hieß es in der Einladung des "city-Managements.

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Etwa 40 Frauen und Männer hatten sich aufgemacht und wollten also die Zukunft des gemeinsamen Handels und des gemeinsamen Handelns ergründen. Eröffnet wurde das Händlertreffen durch Dr. Sabine Riebel, die immer noch für die Wirtschaftsförderung dieser Stadt zuständig ist.

In der Tagesordnung ging es weiter mit einem Vortrag über die Ausgangsposition des Handels in Nordhausen, vorgestellt von Wolfgang Linz, dem Centermanager der Südharz-Galerie. Die Kaufkraft in Nordhausen beträgt lediglich 80 Prozent des Bundesdurchschnitts. Das sind rund 17.000 Euro, die jährlich in die Geschäfte gebracht werden könnten. Davon könnten dem Handel rund 4.600 Euro zur Verfügung stehen. Vom Brötchen bis zum Brautkleid.

Die Einzelhandelsfläche ist dagegen exorbitant über dem deutschen Durchschnitt mit 1,5 Quadratmeter je Einwohner - bei 3,0 liegt sie in Nordhausen. Im Klartext: zuviel Fläche für zu wenig Menschen. Fazit: Menschen, sprich Kunden, müssen wieder in die Stadt geholt werden. Und das könne nur gemeinsam geschehen, durch konzertierte Werbung zum Beispiel, denn es kommen weniger Menschen zum Einkaufen nach Nordhausen. Mit weniger Kaufkraft, denen mehr Geschäfte zur Verfügung stehen.

Und so wurde vor einigen Monaten die Arbeitsgemeinschaft cityManagement gegründet. Deren Mitglieder hatten im vergangenen Jahr rund 24.300 Euro für Werbung ausgegeben, rund 90 Prozent kommen aus den beiden Einkaufszentren, auch rund 1.500 Euro von der Stadt Nordhausen und 1.500 vom Nordhäuser Gewerbeverein. Das allein zeigt schon, dass das Interesse der Einzelhändler an der Finanzierung einer gemeinsamen Werbung äußerst bescheiden ist. Immerhin zählt der Gewerbeverein als Vertreter der inhabergeführten Geschäfte rund 40 Mitglieder, nicht einmal 40 Euro für jedes Mitglied. Im Jahr.

Dieser Geiz hat in Nordhausen bereits Tradition, gab es doch Zeiten, in denen die Kosten für Werbung gern mal an die Stadt weitergegeben wurden. Alles übrigens nachzulesen im Archiv dieser Zeitung.

Den Händlern wird nun erneut unter "die Arme" gegriffen. Die Stadt Nordhausen will nämlich auf die Einnahmen aus Sondernutzungsgebühren verzichten, die Händler zahlen müssten, wenn sie Werbeaufsteller vor ihren Geschäften platzieren. Nur gut, dass es noch keinen Zwangsverwalter in Nordhausen gibt. Rechtlich gesehen, darf eine Kommune eigentlich auf Einnahmen nicht verzichten. Schon garnicht, wenn es ihr finanziell so schlecht geht wie der Rolandstadt.

So, das waren die Vorträge. Nun sollte diskutiert werden. Aber: Dr. Sabine Riebel flehte fast nach Ideen oder Fragen. "Wollen Sie denn nicht wissen, wann das cityManagement tagt?" Nein, bislang wollten die Händler das nicht wissen. Dann die erste Idee: An den verkaufsoffenen Sonntagen sollten die Parkplätze mindestens für die erste Stunde kostenfrei sein - prima!

Später ging es um die Attraktivität der Bahnhofstraße, die Motivation der Hauseigentümer zur Weihnachtszeit. Lösungsansatz: Hier solle ein Spaziergang im Frühling Abhilfe schaffen. Natürlich wird zu gegebener Zeit auch durch die Altstadt spaziert.

Weitere Themen waren die Weihnachtsbeleuchtung, die im vergangenen Jahr nicht bis in die Altstadt reichte sowie eine Erinnerung an die einstige Vereinigung der Werbegemeinschaft "Einkaufsstadt Nordhausen", bei der auch Banken oder die Sparkasse mitwirkten. Aufklärung: Die Kreissparkasse ist bereits Mitglied im Gewerbeverein.
Peter-Stefan Greiner
Autor: red

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Kommentare
Zukunft
19.02.2015, 21:14 Uhr
Nicht neu
Das Nordhausen zu viel Verkaufsflaeche hat ist nicht neu. Woher sollen die vielen Kunden auch kommen? Etwa aus Sangerhausen? Hier in Nordhausen scheint alles ueberdimensioniert. Aber haben fuer die Errichtung der Marktpassage nicht die ehemalig OB und damalige Dezernenten fuer Bau "gerungen", obwohl der interessierte Bürger wusste, das in Nordhausen niemals die Kaufkraft fuer soviel "Einkaufsmoeglichkeiten" vorhanden ist. Der Leittragende ist der Einzelhaendler.Das Argument der Synergieeffekte musste herhalten, aber wenn die Kaufkraft nicht da ist, koennen auch keine Synergien entstehen....
Michael Menzel
19.02.2015, 23:18 Uhr
Wie einfach…
Ich glaube nicht, dass das Interesse der Einzelhändler, und dazu gehört auch meine Firma EP:Menzel , an der Finanzierung einer gemeinsamen Werbung bescheiden ist. ( 17 Einzelhändler sind im Gewerbeverein vertreten)
Ich zahle 40, € für eine gemeinsame Werbung, zahle weiter für die Gestaltung eines Brunnens für das Brunnenfest, unterstütze, das vom Gewerberein imitierte Weinfest, Grillfest, den Goldenen Roland, etc. Gestalte und organisiere die Dinge während meiner Freizeit, ohne Entlohnung und das auch für die Stadt Nordhausen und bin auch in anderen Vereinen tätig. Und wenn das Geiz ist, gut dann bin ich geizig ….
muendh
20.02.2015, 06:00 Uhr
Die Überlegungen sind schon richtig ...
... nur sollte man auch mal daran denken, möglichst viele kostenlose Parkflächen in der Nähe der Verkaufsstellen zur Verfügung zu stellen.

Die wenigen kostenlosen Parkflächen sind immer ausgereizt, die kostenpflichtigen dagegen werden nur teilweise genutzt.

muendh
Ulrich Herrmann
20.02.2015, 09:08 Uhr
Zusammenhang
PSG schieb "Aufklärung: Die Kreissparkasse ist bereits Mitglied im Gewerbeverein. "

Ich (als schon-lange-nicht-mehr-Nordhäuser) verstehe den letzten Satz des Artikels nicht ganz. Was möchte uns der Autor damit sagen? Mir fehlt da leider der Zusammenhang mit dem Rest des Berichtes...

Zum Artikel kann ich nur sagen, dass die Nordhäuser Situation auch auf viele andere Gemeinden bundesweit übertragen werden kann.

Und es stimmt auch (@Michael Menzel), dass ohne die Initiative von engagierten Geschäftsleuten vieles noch mehr im Argen liegen würde.

Aber 40,00 EUR / p.a. nur für einen "Förderverein Wirtschaft" (wie auch immer man ihn jetzt bezeichnen mag) klingt mir persönlich arg "preiswert". Aber das ist halt Ansichtssache.

VG
Ulrich Herrmann
Paulinchen
20.02.2015, 10:48 Uhr
Soll denn König Kunde…
…unentwegt die Stadt rauf und runter rennen, nur um dem Handel einen Gefallen zu tun? Da wäre doch zunächst mal das „Handelsloch“ Rautenstraße zu stopfen! Wo bitteschön bekommt der Kunde denn mal ein Eis, einen Kaffee/Tee, oder zusammengefasst gesagt, hat er die Gelegenheit für eine Verschnaufpause?

Reichen ihm die Mitarbeiter der EVN, der Barmer EK, der Schülerhilfe, der Fahrschule, der Telefonladen, der Diakonie und der künftig dort ansässigen AOK die Tasse Kaffee/Tee oder Sonstiges? Ganz sicher nicht, warum auch. Dort, wo kleine Terrassen vorgebaut sind, bietet sich doch derartiges förmlich an, aber eben nicht in Nordhausen und schon gar nicht im Zentrum der Stadt.

Bekanntlich ist es extrem schwierig, den verprellten Kunden zurückzugewinnen. Und dort liegt ganz sicher auch ein großes Problem für den Mangel an Kundschaft. Viele Jahre, musste der Kunde aus Nordhausen in die ca. +/- 100 km entfernten Städte Erfurt, Halle, Goslar, Wernigerode und Braunschweig fahren, um mal so richtig Shoppen zu gehen, so mit allem drum und dran. Da reißen die beiden Shoppingtempel nun mal nicht gleich das Ruder wieder rum. Das braucht Zeit. Macht man sich dann doch mal auf den Weg und trödelt durch die Stadt am Südharz, dann findet man am Auto ganz bestimmt bei der Rückkehr ein Knöllchen, weil man eben die Zeit mal verträumt hat. Nun kommt Frust auf, die Rautenstraße einmal hoch und runter gelaufen, nichts zum Kaufen und Verzehren (nicht jeder mag türkische oder italienische Kost) gefunden und dann das Souvenir vom Ordnungsamt.

Das war`s dann wohl liebe Stadt Nordhausen – wir sehen uns bestimmt nicht wieder, denkt sich der Tourist und verschwindet auf Nimmerwiedersehen.

Ach ja – da fällt mir etwas ein, was ich, wenn ICH was zu sagen HÄTTE, ändern würde. Eine Packung Kaugummi würde bei mir ab sofort 30,- € kosten. Dann würde unsere Stadt nicht so saumäßig aussehen! Kann da nicht das Ordnungsamt viel mehr Geld machen, wenn jeder spuckende Bürger mal eben dafür auf der Stelle 50,- € für seine Sauerei berappen müsste? Außerdem sollte es Pfandaufschlag für Zigarettenschachteln geben. Das ist nämlich fast das gleiche Problem. Und die rasenden Radfahrer auf den Gehwegen, die die Fußgänger schimpfend in Gefahr bringen, tun ihr Übriges zum Frust dazu. Einladend aussehen, ist eben nicht so ganz leicht, dank vieler Umweltverschmutzer.
Janko
20.02.2015, 11:37 Uhr
Liebes paulinchen...
...im prinzip stimme ich Ihnen zu, leider haben Sie allerdings bei Ihrer aufzählung "nicht jeder mag türkisch oder italienisch", und was es in der rautenstraße sonst alles NICHT gibt das "waffelwunder" (dort bekommen Sie nicht nur süße, sondern auch herzhafte waffeln, zb. mit schinken und lauch, und auch den von Ihnen vermissten tee oder kaffee können Sie dort genießen) sowie das neu eröffnete "la flamme" vergessen. im letzteren gibt es zum beispiel hervorragende hamburger oder überbackene baguettes.
ndh2014
20.02.2015, 14:31 Uhr
Der Einzelhandel ist tot
Es werden noch viele Händler ihre Läden dicht machen müssen. Ich kaufe außer Lebensmitteln und Sprit fürs Auto fast alles im Internet. Wenn es dann irgendwann einmal vernünftige Onlineanbieter für Lebensmittel gibt, dann tue ich mir auch keine langen Schlangen und müffelnde Mitmenschen an den Kassen mehr an. Und so denken mittlerweile sehr viele Leute. Zumal online noch ein bisschen mehr Geld übrigbleibt aufgrund der besseren Preise und Vergleichsmöglichkeiten. Von der Auswahl an Artikeln ganz zu schweigen. Es gibt im Umkreis von 15 bis 20 Kilometern um die Einkaufstempel eine bestimmte Menge an Einwohnern mit einer Menge X an Geld. Wenn die Menge X hier schon mal nicht ganz so groß ausfällt, wie in anderen Gebieten von Deutschland, dann brauchen wir wohl kaum die riesigen Verkaufsflächen. Der Onlinehandel wird noch mächtig zulegen, zumal die Generation Offline jairgenwann ausstirbt.
Aus die Maus
20.02.2015, 15:20 Uhr
Sondershausen
Sondershausen ist eine Reise wert.

Da macht einkaufen noch spass.
rate mal
20.02.2015, 15:55 Uhr
Der Nordhäuser an sich
ist ja nicht der Hellste, das wissen wir. Was ich aber aus manchem Kommentar heraus lese, schreit vor Dummheit.
Immer die gleichen Parolen, immer die gleichen leeren Argumente.
Am besten fand ich den ndh2014, woher will der Mensch denn wissen das der Einzelhandel tot ist?
Auch der Einzelhandel in Nordhausen funktioniert, man sollte dem Nordhäuser nur mal seine Erwartungshaltung und Grundeinstellung zum Thema Dienstleistungsunternehmen vor Augen halten.
Einfach mal den Kopf hoch und nicht den ganzen Tag in sich rein brabbeln das es hier so schlecht ist, dann wird so mancher Lebensumstand auch nicht mehr so grau wirken...
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