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Di, 10:17 Uhr
17.02.2015

Nach Nordhausen steht mein feurig Sehnen

Dieser poetische Satz stammt nicht von einem lebenden Zeitgenossen, sondern von Wilhelm Gesenius. Ihm und dem Künstler Ernst Rietschel widmet die Flohburg derzeit eine Sonderausstellung. Demnächst führt Heidelore Kneffel wieder durch die Ausstellung. In der nnz gibt sie schon einmal einen kleinen Einblick...

Blick in die Ausstellung in der Flohburg (Foto: Archiv Kneffel) Blick in die Ausstellung in der Flohburg (Foto: Archiv Kneffel)
Am Samstag (21. Februar) besteht die Möglichkeit, sich ab 15.00 Uhr einer weiteren Führung durch die Sonderausstellung in der Flohburg über den Gelehrten Wilhelm Gesenius und den Bildhauer Ernst Rietschel anzuschließen. Ihre Verknüpfungen zur Stadt am Südharzrand sind abwechslungsreich.

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In Nordhausen, der Geburtsstadt des Wilhelm Gesenius, und in Halle, der Stadt seines akademischen Lebens, gibt es nach ihm benannte Straßen. Da die in Halle Zusatzschilder besitzen, die über den Namensgeber informieren, steht an der dortigen Geseniusstraße: Wilhelm Gesenius, 1786-1842, Theologe, Sprachforscher, Orientalist, Professor in Halle.

Als Porträts sind von ihm zwei Lithographien, zwei Radierungen aus unterschiedlichen Zeiten und ein Schattenriss, bemalt, aus der Zeit um 1820, überliefert. Letzterer wurde in der Geseniusliteratur noch nicht veröffentlicht, die Nordhäuser Ausstellung ist also Vorreiter. Solche Darstellungen waren zumeist für die Stammbücher und als Geschenke für Freunde und Bekannte bestimmt. Da er im Charakter eine bemerkenswerte Person war, gibt es zahlreiche Äußerungen über ihn. Von seiner Gymnasialzeit in Nordhausen wissen wir: „Gesenius ist der fähigste, allumfassendste Kopf unter den Primanern, dem auch von Seiten der drei toten Sprachen, Latein, Alt-Griechisch, Hebräisch wie der französischen und englischen, nicht minder seiner vielerlei wissenschaftlichen und Sachkenntnisse kein einziger unserer jetzigen Gymnasiasten auch nur nahe kommt … Er zeichnet sich … durch beispiellose Tüchtigkeit, die griechischen und römischen Dichter in allen ihren verschiedenen Versmaßen wiederzugeben, aus.“

Über den Professor der Theologie und Orientalistik in Halle, den „echten Studenten-Professor“, den „begabten Dolmetscher der alten Zeit“, der die „zu erläuternden antiken Verhältnisse mit entsprechenden modernen“ zusammenzustellen vermochte, heißt es: „Er besaß eine kleine gedrungene Gestalt, behagliche Haltung und Gang, schneeweiße glänzende Locken, hohe Stirn, nachdrückliche, wohl mehr von Gedanken als von Sorge gegrabene Züge, die namentlich um die scharfen, durchdringenden Augen herum mit einem Ausdruck abschlossen, gemischt aus Ernst und Heiterkeit.“

Blick in die Ausstellung in der Flohburg (Foto: Archiv Kneffel) Blick in die Ausstellung in der Flohburg (Foto: Archiv Kneffel)
Im Jahr 1831 floh er geradezu aus Halle vor der Cholera nach Nordhausen. In Berlin raffte diese Krankheit z. B. den Philosophen Hegel dahin. Die Studenten verfassten eine Parodie über diese „Flucht“ - „Studenten: Willst Dich, Doktor, ewig von uns wenden, /... /wer wird künftig Exegese lehren, / Hiob lesen, Genesis erklären / … Professor: Teure Freunde, stillt nur Eure Tränen! / Nach Nordhausen steht mein feurig Sehnen, / Heißt's doch: Weit davon ist gut vorm Schuß! ...“ Das Gedicht schließt: „Der Professor stirbt in Halle nicht!“. Gesenius bricht nach Nordhausen auf und kehrt dann wohlbehalten nach Halle zurück.

Ernst Rietschel verließ nach der unter Schwierigkeiten im Dresdner Zwinger beendeten Figur des Wassergottes für Nordhausen Anfang November 1826 Dresden und wurde Schüler des berühmten Bildhauers Christian Daniel Rauch in Berlin. 1832 wurde er zum Professor für Bildhauerei an die Kunstakademie in Dresden berufen und sein Ruhmeszug als Bildhauer nahm seinen Lauf. Auf der Brühlschen Terrasse in Dresden, dort, wo einst sein Atelier war, steht sein Denkmal, geschaffen von seinem Schüler Johannes Schilling.

1828, als der Neptun in der Wasserkunst am Kornmarkt seinen Platz fand, besuchte der junge Bildhauer Weimar. Glückliche Umstände ergaben, dass er Goethe begegnete. Ein zweiter Besuch erfolgte 1829 mit seinem Lehrer Rauch, der an einer Kleinplastik Goethes arbeitete und noch einiges verbessern wollte. Rietschel assistierte ihm. Des Dichters Person prägte sich Rietschel deutlich ein. Deshalb ist in der berühmten Doppelgruppe der Dichter, die 1857 in Weimar enthüllt wurde und in aller Welt bekannt ist, Goethe realistischer dargestellt als Schiller. Dank einer Leihgabe des Nachfahren Dr. Martin Rietschel ist es in der Ausstellung möglich, einen verkleinerten Bronzeguss des Weimarer Denkmals zu zeigen, 1869 gegossen, in der Höhe von 56,0 cm. Da dieses Kunstwerk noch nicht im Werkverzeichnis Ernst Rietschels vermerkt steht, wird es in dem neuen Katalog, der 2015 erscheint und das plastische Schaffen erfasst, verzeichnet sein.

Die Autorin, die Rietschelkennerin Monika von Wilmowsky, die bereits den Katalog von Rietschels Handzeichnungen herausgab, besuchte die Nordhäuser Ausstellung und war von der lebendigen Darstellung des Lebens und Schaffens der beiden Persönlichkeiten sehr angetan. Wer über die Verknüpfung dieser beiden Männer mit Nordhausen weiteres Nachlesen will, sei auf das darüber erschienene Flohburgblatt verwiesen.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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