Di, 11:47 Uhr
18.05.2004
Laue Luft statt frischer Brise
Nordhausen (nnz). Die Aussichten auf eine Stabilisierung der regionalen Wirtschaft haben einen Dämpfer erhalten. Nach der aktuellen Konjunkturumfrage der Erfurter ist der Erholungsprozess seit Jahresbeginn ins Stocken geraten. Mehr dazu wie immer mit dem Klick.
Laue Luft statt frischer Brise (Foto: nnz)
Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation sowie die Pläne und Erwartungen für die nächsten Monate berücksichtigt, erreicht 126 von 200 möglichen Prozentpunkten und fällt damit um 6 Punkte zur vorhergehenden Analyse, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser nach einer Befragung von mehr als 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen. Besonders bitter: Der Blick in die Zukunft falle in den Unternehmenszentralen noch deutlich schlechter aus, als sich die momentane Geschäftslage erweist.
So steige die Anzahl der Pessimisten von 20 auf 27 Prozent. Damit bleibt auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ernst. Jeder dritte Firmenchef will weiterhin Stellen streichen, so Grusser.
Dass die Konjunktur trotzdem von einer positiven Grundstimmung getragen werde, gehe vorrangig auf das Konto der Industrie. Bei 87 Prozent der befragten Manager laufen die Geschäfte gut oder zumindest befriedigend, gibt sich Grusser optimistisch. Besonders erfreulich sei, dass die Kapazitätsauslastung bei der überwiegenden Anzahl der Betriebe wieder über 80 Prozent liege und ein Drittel der Unternehmen bereits Erweiterungsinvestitionen durchgeführt habe bzw. für die nächsten Monate plane.
So stieg die Zahl der Beschäftigten in den Thüringer Industriebetrieben bis Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 2.110 Personen.
Die Thüringer Industrie bleibt Lichtblick der konjunkturellen Entwicklung, verweist der IHK-Hauptgeschäftsführer auf steigende Auftragseingänge vor allem im Export. Von Januar bis März 2004 seien die Auslandsumsätze mit 7,7 Prozent weitaus stärker gestiegen als der Inlandsumsatz. Der Mini-Aufschwung werde also auch in Thüringen vorrangig vom Export getragen. Jedoch könnte sich der starke Euro sowie die hohen Stahl- und Rohölpreise zur Wachstumsbremse entwickeln warnt Grusser.
Die bau- und konsumabhängigen Wirtschaftsbereiche blieben dagegen skeptisch. Vor allem der private Verbrauch lahme, das Angstsparen nehme zu. Einzelhändler und Gastronomen leiden besonders unter dem frostigen Konsumklima, begründet Grusser den 2,6-prozentigen Umsatzrückgang im Thüringer Gastgewerbe im ersten Quartal gegenüber 2003. Knapp die Hälfte der Gastwirte klage über schlechte Geschäfte und Umsatzeinbußen.
Durch die anhaltenden Diskussionen über Steuern, Sozialabgaben und Renten sind die Verbraucher verunsichert. Und wer außerdem um seinen Arbeitsplatz fürchtet, gibt so wenig wie möglich aus, kritisiert Grusser. Es fehle einfach an politischer Zuverlässigkeit, zumal die Lage an der Reformfront immer verworrener werde. Bei der Chaospolitik in Berlin würden Unternehmer und Verbraucher den Eindruck gewinnen, dass die Regierung keine Vorstellung habe, wie Wirtschaft funktioniert.
Bei den Dienstleistern fällt das Konjunkturbarometer um 10 Punkte. Grund seien die ungünstigen Zukunftserwartungen der Branche. Mit 39 Prozent liege die Zahl der Pessimisten dreimal so hoch, wie die der Optimisten.
Den Verkehrsunternehmen bereiteten vor allem die hohen Spritpreise Sorgen. So schätze nur noch jeder Achte seine gegenwärtige Situation mit gut ein, für 38 Prozent der Betriebe habe sich die Gewinnlage weiter verschlechtert.
Auch im Baugewerbe sei die Stimmung wieder eingetrübt. Fast jeder Zweite beurteile die aktuelle sowie die zukünftige Geschäftslage mit dem Prädikat schlecht. Seit Jahresbeginn musste das Thüringer Bauhauptgewerbe 4,7 Prozent Umsatzeinbuße verkraften und 10 Prozent der Beschäftigten verloren ihren Job.
Fazit: Zwar wurde die Wende eingeleitet und die Stagnation überwunden, allerdings ist der Aufschwung noch nicht unter Dach und Fach. Für eine dynamische Konjunkturerholung sind die binnenwirtschaftlichen Impulse zu gering. Weiterer Wermutstropfen: Belastet durch die hohe Arbeitslosigkeit wird der private Konsum in naher Zukunft kaum zulegen. Die Bäume in Thüringen wachsen also vorerst nicht in den Himmel.
Autor: nnz
Laue Luft statt frischer Brise (Foto: nnz)
Der Konjunkturklimaindex, der sowohl die aktuelle Situation sowie die Pläne und Erwartungen für die nächsten Monate berücksichtigt, erreicht 126 von 200 möglichen Prozentpunkten und fällt damit um 6 Punkte zur vorhergehenden Analyse, berichtet IHK-Hauptgeschäftsführer Gerald Grusser nach einer Befragung von mehr als 1.000 Unternehmen in Nord- und Mittelthüringen. Besonders bitter: Der Blick in die Zukunft falle in den Unternehmenszentralen noch deutlich schlechter aus, als sich die momentane Geschäftslage erweist.
So steige die Anzahl der Pessimisten von 20 auf 27 Prozent. Damit bleibt auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt ernst. Jeder dritte Firmenchef will weiterhin Stellen streichen, so Grusser.
Dass die Konjunktur trotzdem von einer positiven Grundstimmung getragen werde, gehe vorrangig auf das Konto der Industrie. Bei 87 Prozent der befragten Manager laufen die Geschäfte gut oder zumindest befriedigend, gibt sich Grusser optimistisch. Besonders erfreulich sei, dass die Kapazitätsauslastung bei der überwiegenden Anzahl der Betriebe wieder über 80 Prozent liege und ein Drittel der Unternehmen bereits Erweiterungsinvestitionen durchgeführt habe bzw. für die nächsten Monate plane.
So stieg die Zahl der Beschäftigten in den Thüringer Industriebetrieben bis Ende März im Vergleich zum Vorjahr um 2.110 Personen.
Die Thüringer Industrie bleibt Lichtblick der konjunkturellen Entwicklung, verweist der IHK-Hauptgeschäftsführer auf steigende Auftragseingänge vor allem im Export. Von Januar bis März 2004 seien die Auslandsumsätze mit 7,7 Prozent weitaus stärker gestiegen als der Inlandsumsatz. Der Mini-Aufschwung werde also auch in Thüringen vorrangig vom Export getragen. Jedoch könnte sich der starke Euro sowie die hohen Stahl- und Rohölpreise zur Wachstumsbremse entwickeln warnt Grusser.
Die bau- und konsumabhängigen Wirtschaftsbereiche blieben dagegen skeptisch. Vor allem der private Verbrauch lahme, das Angstsparen nehme zu. Einzelhändler und Gastronomen leiden besonders unter dem frostigen Konsumklima, begründet Grusser den 2,6-prozentigen Umsatzrückgang im Thüringer Gastgewerbe im ersten Quartal gegenüber 2003. Knapp die Hälfte der Gastwirte klage über schlechte Geschäfte und Umsatzeinbußen.
Durch die anhaltenden Diskussionen über Steuern, Sozialabgaben und Renten sind die Verbraucher verunsichert. Und wer außerdem um seinen Arbeitsplatz fürchtet, gibt so wenig wie möglich aus, kritisiert Grusser. Es fehle einfach an politischer Zuverlässigkeit, zumal die Lage an der Reformfront immer verworrener werde. Bei der Chaospolitik in Berlin würden Unternehmer und Verbraucher den Eindruck gewinnen, dass die Regierung keine Vorstellung habe, wie Wirtschaft funktioniert.
Bei den Dienstleistern fällt das Konjunkturbarometer um 10 Punkte. Grund seien die ungünstigen Zukunftserwartungen der Branche. Mit 39 Prozent liege die Zahl der Pessimisten dreimal so hoch, wie die der Optimisten.
Den Verkehrsunternehmen bereiteten vor allem die hohen Spritpreise Sorgen. So schätze nur noch jeder Achte seine gegenwärtige Situation mit gut ein, für 38 Prozent der Betriebe habe sich die Gewinnlage weiter verschlechtert.
Auch im Baugewerbe sei die Stimmung wieder eingetrübt. Fast jeder Zweite beurteile die aktuelle sowie die zukünftige Geschäftslage mit dem Prädikat schlecht. Seit Jahresbeginn musste das Thüringer Bauhauptgewerbe 4,7 Prozent Umsatzeinbuße verkraften und 10 Prozent der Beschäftigten verloren ihren Job.
Fazit: Zwar wurde die Wende eingeleitet und die Stagnation überwunden, allerdings ist der Aufschwung noch nicht unter Dach und Fach. Für eine dynamische Konjunkturerholung sind die binnenwirtschaftlichen Impulse zu gering. Weiterer Wermutstropfen: Belastet durch die hohe Arbeitslosigkeit wird der private Konsum in naher Zukunft kaum zulegen. Die Bäume in Thüringen wachsen also vorerst nicht in den Himmel.

