Fr, 09:41 Uhr
14.05.2004
nnz-Forum: Hoffnung schöpfen?
Nordhausen (nnz). Am Dienstag fand eine Tagung der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Fachhochschule statt. Die nnz hatte darüber ausführlich berichtet. Im Forum veröffentlichen wir eine Einschätzung aus Sicht der Bündnisgrünen im Landkreis Nordhausen.
Man konnte als ganztägiger Zuhörer zum Thema Flächenrecycling im kommunalpolitischen Forum am 11.05.04 in der Fachhochschule für die zukünftige Stadtentwicklung wieder Hoffnung schöpfen, als der Vertreter des Thüringer Innenministeriums referierte, dass Stadtentwicklung um so erfolgreicher verläuft, je mehr Brachflächen genutzt oder als Zwischennutzungen z.B. als Begrünung in das Erlebnis Stadt integriert werden.
Weitere Referenten sprachen sich mehrfach dafür aus, dass das Bauen auf der grünen Wiese weitestgehend vermieden werden sollte, weil die sich ansiedelnden großen Industriebetriebe nur an der Abfassung von Fördermitteln interessiert sind und keine Standorttreue mehr zeigen. Danach habe nach Auslaufen der Fördermittelbindungsfrist die Kommune nach zu erwartendem Abzug der Industrie eine zusätzliche Brache, die ihr Image deutlich verschlechtert. Standortbindung zeigt nur noch der Mittelstand. Dieser benötigt aber keine Flächen von 100 ha und mehr. (Dem Mittelstand sollte vom Land und von der Kommune größtmögliche Unterstützung gegeben werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Tages waren die fehlenden, verlorengegangenen oder noch nicht gefundenen Visionen für Länder, Städte und Gemeinden, die langfristig ihr Profil schärfen sollen. Wer kein Profil hat, hat wenig Chancen im Wettbewerb. Es muss Initiativen für neue regionale Nutzungsziele geben. (Der Landkreis Nordhausen war Vorreiter mit der Vision vom Ökologischen Landkreis für nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltigen Tourismus, nachhaltigen Natur- und Wasserhaushalt und die Kommunale Naturhaushaltwirtschaft. Stadt und Kreis haben zum Schaden der Regionalentwicklung bis heute kein gemeinsames Profil erarbeitet.
Ein weiterer Referent brachte es auf den Punkt: Mehr exzellente Produkte, mehr Netzwerke, weniger Beton, weniger Gießkanne bei Fördermittelvergabe. Er sprach von negativen Effekten durch Bodenfraß. Die Empfehlungen des Rates für nachhaltige Entwicklung in der BRD zum Flächenrecycling müssen von allen ernst genommen werden. Brachen sind wie brachliegende Talente oder Potentiale, die man nur freisetzen muss. Erfolgreiches Flächenrecycling und -management hat Symbolkraft für den erforderlichen Strukturwandel. Beseitigung des Anblicks von Brachflächen fördert Ansiedlung, hebt das Regionalimage, führt zur Revitalisierung von Industriebrachen und stärkt die regionale Identität. Man wird u.a. spontan an die Zukunftswerkstatt an der Zorge erinnert und kann dem Referenten aus Berlin nur recht geben.
Der Vertreter der Aufbaubank schrieb als letzter Redner des Tages den Anwesenden ins Stammbuch: Seid endlich realistisch, Bevölkerungsrückgang ist Realität. Keine Kommune sollte durch Förderung des Bauens auf der grünen Wiese oder Förderung von Eigenheimbauten die kommunalen Kassen noch mehr belasten. Wir brauchen passendere Strukturen. Die Zukunft wird noch mehr Wohnungsbrachen als Industriebrachen bringen, das bedeutet enorme Kosten für die Kommunen, z.B. müssen die kommunalen Netze in den Wohnbrachen, die niemand mehr nutzt, gespült werden, das Rückbauen der Netze kostet ein Vermögen, das an anderer Stelle fehlt u.s.w. Der Finanzexperte erinnert weiterhin daran, dass durch eine falsche Kommunalpolitik der Rückgang des Bodenwertes quasi zur Enteignung der Grundstückseigentümer führt. Es ist an der Zeit, gerade den Bodenwert durch eine nachhaltige Kommunalpolitik zu stabilisieren. Ein wichtiger Anreiz für Neuansiedler!
Für mich stand nach Verlassen des Forums am Ende des Tages die Ernüchterung: Der Campus der FHS wird versiegelt wie nie zuvor, lebendiges Grün wird beseitigt, ein quadratischer Brunnen aus Beton fügt sich kalt in die neue Gestaltung des Geländes ein.
Gisela Hartmann, Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen
Autor: nnzMan konnte als ganztägiger Zuhörer zum Thema Flächenrecycling im kommunalpolitischen Forum am 11.05.04 in der Fachhochschule für die zukünftige Stadtentwicklung wieder Hoffnung schöpfen, als der Vertreter des Thüringer Innenministeriums referierte, dass Stadtentwicklung um so erfolgreicher verläuft, je mehr Brachflächen genutzt oder als Zwischennutzungen z.B. als Begrünung in das Erlebnis Stadt integriert werden.
Weitere Referenten sprachen sich mehrfach dafür aus, dass das Bauen auf der grünen Wiese weitestgehend vermieden werden sollte, weil die sich ansiedelnden großen Industriebetriebe nur an der Abfassung von Fördermitteln interessiert sind und keine Standorttreue mehr zeigen. Danach habe nach Auslaufen der Fördermittelbindungsfrist die Kommune nach zu erwartendem Abzug der Industrie eine zusätzliche Brache, die ihr Image deutlich verschlechtert. Standortbindung zeigt nur noch der Mittelstand. Dieser benötigt aber keine Flächen von 100 ha und mehr. (Dem Mittelstand sollte vom Land und von der Kommune größtmögliche Unterstützung gegeben werden.
Ein weiterer Schwerpunkt des Tages waren die fehlenden, verlorengegangenen oder noch nicht gefundenen Visionen für Länder, Städte und Gemeinden, die langfristig ihr Profil schärfen sollen. Wer kein Profil hat, hat wenig Chancen im Wettbewerb. Es muss Initiativen für neue regionale Nutzungsziele geben. (Der Landkreis Nordhausen war Vorreiter mit der Vision vom Ökologischen Landkreis für nachhaltiges Wirtschaften, nachhaltigen Tourismus, nachhaltigen Natur- und Wasserhaushalt und die Kommunale Naturhaushaltwirtschaft. Stadt und Kreis haben zum Schaden der Regionalentwicklung bis heute kein gemeinsames Profil erarbeitet.
Ein weiterer Referent brachte es auf den Punkt: Mehr exzellente Produkte, mehr Netzwerke, weniger Beton, weniger Gießkanne bei Fördermittelvergabe. Er sprach von negativen Effekten durch Bodenfraß. Die Empfehlungen des Rates für nachhaltige Entwicklung in der BRD zum Flächenrecycling müssen von allen ernst genommen werden. Brachen sind wie brachliegende Talente oder Potentiale, die man nur freisetzen muss. Erfolgreiches Flächenrecycling und -management hat Symbolkraft für den erforderlichen Strukturwandel. Beseitigung des Anblicks von Brachflächen fördert Ansiedlung, hebt das Regionalimage, führt zur Revitalisierung von Industriebrachen und stärkt die regionale Identität. Man wird u.a. spontan an die Zukunftswerkstatt an der Zorge erinnert und kann dem Referenten aus Berlin nur recht geben.
Der Vertreter der Aufbaubank schrieb als letzter Redner des Tages den Anwesenden ins Stammbuch: Seid endlich realistisch, Bevölkerungsrückgang ist Realität. Keine Kommune sollte durch Förderung des Bauens auf der grünen Wiese oder Förderung von Eigenheimbauten die kommunalen Kassen noch mehr belasten. Wir brauchen passendere Strukturen. Die Zukunft wird noch mehr Wohnungsbrachen als Industriebrachen bringen, das bedeutet enorme Kosten für die Kommunen, z.B. müssen die kommunalen Netze in den Wohnbrachen, die niemand mehr nutzt, gespült werden, das Rückbauen der Netze kostet ein Vermögen, das an anderer Stelle fehlt u.s.w. Der Finanzexperte erinnert weiterhin daran, dass durch eine falsche Kommunalpolitik der Rückgang des Bodenwertes quasi zur Enteignung der Grundstückseigentümer führt. Es ist an der Zeit, gerade den Bodenwert durch eine nachhaltige Kommunalpolitik zu stabilisieren. Ein wichtiger Anreiz für Neuansiedler!
Für mich stand nach Verlassen des Forums am Ende des Tages die Ernüchterung: Der Campus der FHS wird versiegelt wie nie zuvor, lebendiges Grün wird beseitigt, ein quadratischer Brunnen aus Beton fügt sich kalt in die neue Gestaltung des Geländes ein.
Gisela Hartmann, Kreisvorstand Bündnis 90/Die Grünen
| Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor. |
Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
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