eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
Mi, 07:26 Uhr
03.12.2014

nnz-Forum: Ein öffentlicher Dank

Die Einsicht, dass man Alkoholiker ist, kommt eigentlich erst dann, wenn man den Konsum von Alkohol selbst nicht mehr kontrollieren kann. Man meint, man trinkt, um zu funktionieren, doch eigentlich funktioniert man nur noch, um zu trinken. Der Alkohol bestimmt das Leben des Abhängigen...


Mit dieser Einsicht und mit dem Wissen, dass ich mich selbst nicht mehr aus dieser Situation befreien kann, ging ich im Mai 2013 zur Suchtberatung der Diakonie Stiftung „Maria im Elende“ in Nordhausen, um um Hilfe zu bitten.

Anzeige symplr (1)
Dieser Weg war nicht sehr einfach, doch dann ging es sehr schnell. Die Suchtberaterin Andrea Poppendick, die heute die Leiterin der Tagesstätte Trockendock ist, half mir, indem sie mir die Möglichkeiten nannte, mit denen ich die Sucht bekämpfen kann.

Als erstes war eine professionelle Entgiftung in einer Suchtklinik von höchster Priorität! So erfuhr ich auch, dass Selbstversuche des Entzuges sehr gefährlich sind und sehr oft auch tödlich sein können. Einen Termin im Diakoniekrankenhaus Elbingerode, einer sehr zu empfehlenden Suchtklinik, bekam ich auch recht schnell. In den 10 Tagen wurde mein Körper entgiftet und von der körperlichen Abhängigkeit vom Alkohol befreit.

Neben der körperlichen gibt es aber noch die psychische Abhängigkeit. Dass an dieser Abhängigkeit viele Niederlagen im Kampf gegen die Sucht passieren, blieb mir bisher zum Glück erspart, jedoch bekam ich diese bei anderen Betroffenen nicht selten mit. Gerade diese Niederlagen der Anderen machten und machen mir noch immer regelrecht Angst. Allerdings kann diese Angst auch den Willen, keinen Rückfall zu erleiden, sehr stärken.

Normalerweise macht man nach der Entgiftung eine ca. 3 monatige Langzeittherapie; ebenfalls in einer Suchtklinik. Diese wollte ich mir jedoch vorerst ersparen, weil ich von der Tagesstätte Trockendock erfuhr. In dieser Tagesstätte gibt es größtenteils die gleichen therapeutischen Möglichkeiten, wie in der Langzeittherapie – mit dem Unterschied, dass man abends in seiner privaten Wohnung ist. Also wählte ich diese als Alternative, allerdings mit dem Vorsatz, bei einem Rückfall auf jeden Fall eine Langzeittherapie anzugehen.

Sechs Monate Abstinenz ohne Rückfall waren ein erster Erfolg, aber ich begab mich trotzdem noch einmal für 7 Tage in die Klinik nach Elbingerode, diesmal aber als trockener Patient zur Stabilisierung. In diesen 7 Tagen traf ich auf weitere negative Schicksale, die meinen Willen zur Abstinenzerhaltung nur noch stärken konnten!

Bis zum Ende November diesen Jahres war ich nunmehr für 15 Monate in der Tagesstätte Trockendock. Sehr wichtig waren dort für mich die Gruppenstunden. In denen erlernte ich das, was ich bis heute erhalten habe – die zufriedene Abstinenz. Nicht nur trocken zu werden, sondern auch zufrieden trocken zu leben ist wichtig!

Deshalb geht an dieser Stelle mein herzlichster Dank an Andrea Poppendick, Katrin Prophet, Uwe Kraßky sowie den selbst betroffenen Klienten in der Tagesstätte Trockendock, aber auch an alle anderen Suchtberater der Diakonie, sowie an Frau Sperk und Frau Timmler vom Landratsamt Nordhausen und, nicht zu vergessen, an Frau Walther vom Jobcenter. Letztere gab mir seinerzeit die Telefonnummer der Diakonie, aber leider brauchte es 2 Jahre, bis ich davon Gebrauch machte.

Ich persönlich bereue nicht, diesen Weg gegangen zu sein und kann nur jedem Abhängigen empfehlen, dem gleich zu tun. Leider weiß ich, dass ich damit nicht jeden erreiche, denn der Kampf gegen die Sucht ist für jeden Betroffenen individuell. Als erstes kommt jedoch die Einsicht! Heute bin ich 547 Tage trocken und auch stolz darauf!
J. K.

Kontaktmöglichkeiten für Hilfesuchende oder Angehörige:

Suchthilfezentrum
Diakonie Stiftung „Maria im Elende“
Schackenhof 2
Tel.: 03631 / 467161
E-Mail: suchtberatung@diakoniewerk.com
Autor: red

Anmerkung der Redaktion:
Die im Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Anzeige symplr (6)
Kommentare
Wolfi65
03.12.2014, 09:10 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht zum Thema des Beitrages
Klassikerin
03.12.2014, 10:08 Uhr
Respekt
hast du verdient. Du kämpfst für dich, hast erkannt, dass nur du etwas ändern kannst und die "helfenden" Hände genommen.
Es schafft nicht Jede(r), diesen Weg zu gehen. Bleib auf ihm und schau auf ein lebenswertes nüchternes Leben.

Auch sich selbst so zu veröffentlichen, ist nicht selbstverständlich.

Dir alles Gute und weiterhin keine Rückfälle.
Wolfi65
03.12.2014, 12:47 Uhr
Nichts gegen Belobigungen
Leider sind diese nicht immer angebracht. So muss sich jeder pseudo Alkoholiker selbst aus diesem Sumpf herausziehen. Die hervorgehobene Dame ist nicht immer eine Hilfe. So musste ich der Dame zwei, oder auch dreimal erklären, dass ich nichts getrunken habe, weil ich zum vorgeschriebenen Termin mit dem PKW angereist bin. Dann sollte ich mir Gruselfotos von Alkoholikern anschauen, welche an Nachfolgeerkrankungen leider. Ob solch eine Schockterapie bei jeden anschlägt, bleibt zu bezweifeln. Trotzdem alles Gute für die Zukunft
alterNeunordhäuser
03.12.2014, 15:23 Uhr
Danke JK und weiter so
Danke geht runter wie Öl auch mal gelobt zu werden, da sieht man dass unsere Arbeit nicht umsonst ist,
Dir weiterhin alles Gute.
Nächstes Ziel: 1000Tage - oder erwähnte 6570?
Wen wunderts eigentlich, dass das vierbeinige Rudeltier hier auch schon wieder "rumheult" und Gruselgeschichten über das Suchthilfezentrum raushaut - naja der böse Wolf :-)
Wolfi65
03.12.2014, 18:50 Uhr
Der Beitrag wurde deaktiviert – Gehört nicht mehr zum Thema des Beitrags
Wolfi65
04.12.2014, 09:46 Uhr
Mit Verstand an die Sache herangehen!
Man sollte hier mal Zahlen veröffentlichen, wie viele Alkoholsüchtige es wirklich durch die werte Mitarbeit der Suchthilfe Nordhausen geschafft haben, vom Alkohol komplett loszukommen und viele wieder in die Sucht abgeglitten sind, bevor man sich hier gegenseitig auf die Schulter klopft.
Schönen Tag noch..
J.K.
18.12.2014, 14:49 Uhr
So nicht Herr Meyer
Sie haben nicht verstanden, worum es in meinem Dankschreiben ging. Die genannten Personen haben MIR geholfen und ICH habe mich bedankt. Für andere Alkoholiker kann ich dabei nicht sprechen. Und bei so einem Dank sind Zahlen nicht ausschlaggebend. Frau Poppendick sagte am Anfang in der Suchtberatung, dass sie, wenn sie auch nur einem Alkoholiker helfen kann, ihr Job sich schon gelohnt hat. Und ich denke, ich bin nicht der Einzige und es werden noch einige folgen. Allerdings sind die Therapeuten auch nur Menschen und keine Wunderheiler. Den größten Teil muss der Betroffene schon selbst machen. Sie sind die Wegweiser - und der Betroffene entscheidet, ob er den Weg auch konsequent geht.

Aber Herr Meyer, diese Suchtberater geben eigentlich jedem eine 2. Chance, was ich mehrfach bestaunen könnte. Wie wäre es also mit Ihnen? Leider gibt es auch Menschen, denen die Hilfe nichts bringt - Wollen Sie dazu gehören?

Ich habe übrigens einen neuen Weg bestritten. Nach dem Erfolg bei der Alkoholsucht habe ich mich nun auch zum Nikotinentzug entschlossen. Das schon seit 7 Tagen ohne Zigarette! Es ist schwerer als der Alkoholentzug, aber es ist machbar!
Kommentare sind zu diesem Artikel nicht mehr möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)