Di, 13:04 Uhr
23.09.2014
Werther hat sich auf den Weg gemacht
Das wohnen auf dem Land kann schön sein, ist aber mitunter nicht immer leicht. Kiosk, Bäcker, Apotheke und Arzt verschwinden zusehends vom Land. In Werther versucht man deswegen seit fünf Jahren die Gemeinde Zukunftsfest zu machen. Von Erfolgen, Visionen und Hindernissen berichtete heute Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt...
Die Probleme, mit denen der ländliche Raum zu kämpfen hat, gleichen sich vielerorts. Ob in Werther, Ellrich, Bad Tennstett oder dem Raum Artern. Die Kommunen kämpfen mit finanziellen Belastungen und müssen mit ansehen, wie die Infrastruktur, die eine Dorfgemeinschaft am Leben hält, zusehends wegbricht. Seit Jahren schon geistern deswegen Bundesweit Ideen durch die Gemeinderäte, wie dem langsamen Niedergang entgegengewirkt werden kann.
In Thüringen versucht die "Lokale Agenda 21" die Kommunen auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft zu unterstützen. Man trifft sich, tauscht Erfahrungen aus, diskutiert. So auch heute in Werther. Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt konnte neben einigen Amtskollegen aus dem Nordthüringer Raum auch Vertreter des Landkreises und der Diakonie begrüßen.
Weidt berichtete unter anderem von all dem, was in Werther in den letzten fünf Jahren angestoßen wurde. Da ist zum Beispiel der neu eröffnete Dorfladen. Mitten in Großwerther gelegen nützt der Laden den angeschlossenen Gemeinden allein wenig und der kleine Dorfladen ist auch nicht umsonst vom Aussterben bedroht. In Werther wollte man deswegen gleich etwas weiter denken. An den Laden angeschlossen ist ein Liefer-,Hol-, und Bringedienst. Bis zehn Uhr können Bestellungen aufgegeben werden und bis zum Nachmittag wird geliefert. Das nutze nicht nur den älteren Bürgern, sondern auch den jungen Berufstätigen, die lange arbeiten müssten, erklärte Weidt.
Es sei schwer gewesen für dieses "wirtschaftliche Abenteuer" einen Betreiber zu finden, erläuterte der Bürgermeister. Schließlich konnte mit Carsten Hoffmann ein Unternehmer gefunden werden, der schon zwei Dorfläden betreibt. Im April war der kleine Konsum eröffnet worden, der Lieferservice war im August hinzugekommen. "Wir haben keine Ahnung wie lange wir das am Leben erhalten können", sagte Weidt, "aber wir kämpfen".
Bei der reinen Lieferung soll nicht halt gemacht werden. Der Lieferwagen, das "Werther Mobil", ist ein Elektro-Auto und könnte bald schon mit eigenen Strom aus einem "Solar-CarPort" betankt werden, das derzeit noch gebaut wird. Neben dem Lieferservice bietet man auch andere Dienstleistungen wie einen Wäscheservice an oder befördert auch schon einmal Leute, die selber nicht mehr mobil sind.
Und auch sonst hat man viel auf den Weg bringen können, um die Gemeinden rund um Werther sowohl für die Jungen wie auch für die Alten attraktiv zu gestalten, berichtete Bürgermeister Weidt. So wurden Pflegeinrichtungen und Alternative Wohnformen für Senioren geschaffen. Das Werthersche "Schloss" wurde zur barrierefreien Seniorenresidenz umgebaut und soll demnächst eröffnet werden. Direkt daneben wird bereits eine Pflegestation mit 28 Plätzen betrieben.
Hinzu kommen zwei KITAS, mit Solarpaneelen auf dem Dach, eine Schule und vier Jugendclubs. Mit regionalen Partnern wie "FeuerPower Train" plant man eine dezentrale und Energieversorgung. Die Bürgerschaft wurde in die Planungen früh mit einbezogen, man hat eine Energiegenossenschaft gegründet an der auch die eigenen Anwohner beteiligt sind und Studenten der Fachhochschule sammeln fleißig Daten und schreiben Konzepte. Also alles gut in Werther? Nicht unbedingt.
Wie viele andere kämpft auch Werther mit dem schmalen Geldbeutel. Rechnungshof und Kommunalaufsicht haben ein wachsames Auge auf die Gemeinde, was vor Ort natürlich nicht immer als hilfreich, manchmal sogar als Hemmniss betrachtet wird. "Wenn man in 45 Minuten erzählt was wir in fünf Jahren gemacht haben, dann klingt das alles gut und einfach", sagte Weidt, "aber das war unglaublich viel Arbeit. Wir mussten uns in vieles einarbeiten, mit dem wir vorher noch nie zu tun hatten und es musste viel Überzeugungsarbeit in all unseren Ortsteilen geleistet werden".
Bei einem Haushalt von 4,5 Mio. Euro hätten die Aufgaben ohne Fördergelder nicht bewältigt werden können, erklärte der Bürgermeister weiter. Doch auch wenn Fördermittel fließen, muss immer noch ein Eigenanteil aufgebracht werden. "Dann liegt es am Gemeinderat zu fragen "wollen wir uns das leisten, ist uns unser Dorf das Wert?". Derlei Fragen und Probleme kennen auch die anderen anwesenden Bürgermeister. "Es war viel Arbeit bis hierher, aber was schwieriger wird, ist das geschaffene auch langfristig zu erhalten", sagte Weidt abschließend, "man darf nie nachlassen".
Angelo Glashagel
Autor: redDie Probleme, mit denen der ländliche Raum zu kämpfen hat, gleichen sich vielerorts. Ob in Werther, Ellrich, Bad Tennstett oder dem Raum Artern. Die Kommunen kämpfen mit finanziellen Belastungen und müssen mit ansehen, wie die Infrastruktur, die eine Dorfgemeinschaft am Leben hält, zusehends wegbricht. Seit Jahren schon geistern deswegen Bundesweit Ideen durch die Gemeinderäte, wie dem langsamen Niedergang entgegengewirkt werden kann.
In Thüringen versucht die "Lokale Agenda 21" die Kommunen auf dem Weg in eine nachhaltige Zukunft zu unterstützen. Man trifft sich, tauscht Erfahrungen aus, diskutiert. So auch heute in Werther. Bürgermeister Hans-Jürgen Weidt konnte neben einigen Amtskollegen aus dem Nordthüringer Raum auch Vertreter des Landkreises und der Diakonie begrüßen.
Weidt berichtete unter anderem von all dem, was in Werther in den letzten fünf Jahren angestoßen wurde. Da ist zum Beispiel der neu eröffnete Dorfladen. Mitten in Großwerther gelegen nützt der Laden den angeschlossenen Gemeinden allein wenig und der kleine Dorfladen ist auch nicht umsonst vom Aussterben bedroht. In Werther wollte man deswegen gleich etwas weiter denken. An den Laden angeschlossen ist ein Liefer-,Hol-, und Bringedienst. Bis zehn Uhr können Bestellungen aufgegeben werden und bis zum Nachmittag wird geliefert. Das nutze nicht nur den älteren Bürgern, sondern auch den jungen Berufstätigen, die lange arbeiten müssten, erklärte Weidt.
Es sei schwer gewesen für dieses "wirtschaftliche Abenteuer" einen Betreiber zu finden, erläuterte der Bürgermeister. Schließlich konnte mit Carsten Hoffmann ein Unternehmer gefunden werden, der schon zwei Dorfläden betreibt. Im April war der kleine Konsum eröffnet worden, der Lieferservice war im August hinzugekommen. "Wir haben keine Ahnung wie lange wir das am Leben erhalten können", sagte Weidt, "aber wir kämpfen".
Bei der reinen Lieferung soll nicht halt gemacht werden. Der Lieferwagen, das "Werther Mobil", ist ein Elektro-Auto und könnte bald schon mit eigenen Strom aus einem "Solar-CarPort" betankt werden, das derzeit noch gebaut wird. Neben dem Lieferservice bietet man auch andere Dienstleistungen wie einen Wäscheservice an oder befördert auch schon einmal Leute, die selber nicht mehr mobil sind.
Und auch sonst hat man viel auf den Weg bringen können, um die Gemeinden rund um Werther sowohl für die Jungen wie auch für die Alten attraktiv zu gestalten, berichtete Bürgermeister Weidt. So wurden Pflegeinrichtungen und Alternative Wohnformen für Senioren geschaffen. Das Werthersche "Schloss" wurde zur barrierefreien Seniorenresidenz umgebaut und soll demnächst eröffnet werden. Direkt daneben wird bereits eine Pflegestation mit 28 Plätzen betrieben.
Hinzu kommen zwei KITAS, mit Solarpaneelen auf dem Dach, eine Schule und vier Jugendclubs. Mit regionalen Partnern wie "FeuerPower Train" plant man eine dezentrale und Energieversorgung. Die Bürgerschaft wurde in die Planungen früh mit einbezogen, man hat eine Energiegenossenschaft gegründet an der auch die eigenen Anwohner beteiligt sind und Studenten der Fachhochschule sammeln fleißig Daten und schreiben Konzepte. Also alles gut in Werther? Nicht unbedingt.
Wie viele andere kämpft auch Werther mit dem schmalen Geldbeutel. Rechnungshof und Kommunalaufsicht haben ein wachsames Auge auf die Gemeinde, was vor Ort natürlich nicht immer als hilfreich, manchmal sogar als Hemmniss betrachtet wird. "Wenn man in 45 Minuten erzählt was wir in fünf Jahren gemacht haben, dann klingt das alles gut und einfach", sagte Weidt, "aber das war unglaublich viel Arbeit. Wir mussten uns in vieles einarbeiten, mit dem wir vorher noch nie zu tun hatten und es musste viel Überzeugungsarbeit in all unseren Ortsteilen geleistet werden".
Bei einem Haushalt von 4,5 Mio. Euro hätten die Aufgaben ohne Fördergelder nicht bewältigt werden können, erklärte der Bürgermeister weiter. Doch auch wenn Fördermittel fließen, muss immer noch ein Eigenanteil aufgebracht werden. "Dann liegt es am Gemeinderat zu fragen "wollen wir uns das leisten, ist uns unser Dorf das Wert?". Derlei Fragen und Probleme kennen auch die anderen anwesenden Bürgermeister. "Es war viel Arbeit bis hierher, aber was schwieriger wird, ist das geschaffene auch langfristig zu erhalten", sagte Weidt abschließend, "man darf nie nachlassen".
Angelo Glashagel




