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Do, 07:19 Uhr
18.09.2014

Fassadenstreit in Nordhausen

Fast könnte man meinen, der Streit um die Fassadengestaltung für das Nordhäuser Rathaus ist im wahrsten Sinne des Wortes "hausgemacht". Mit diesen und ähnlichen Problemchen lässt sich trefflich von den wirklichen Baustellen ablenken. Jetzt gibt es erst einmal ein kunsthistorisches Statement...


Das Rathaus ist 1608 – 10 an Stelle und unter Einbeziehung von älteren Mauerteilen, des bereits 1360 dort errichteten Gebäudes als schlichter Renaissancebau mit oktogonalem Treppenturm gebaut worden. Es handelt sich um einen Massivbau, der – wie in der Renaissance üblich verputzt und vermutlich sogar ornamental bemalt war.

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Zu dieser Gestaltung finden sich in der Nordhäuser Literatur aber keine Hinweise. Diese gibt es jedoch an vielen ähnlichen Gebäuden der gleichen Bauzeit in ganz Deutschland, so dass Restauratoren und Bauforscher Analogiebefunde kennen.

Wenn man in der Literatur der vergangenen Jahrhunderte nachliest und den Hinweis „Werksteinbau“ findet, bedeutet das nicht gleichzeitig, dass die Fassade steinsichtig war, sondern nur, dass es sich um einen Massivbau, d.h. aus Steinen gemauert handelt, im Unterschied zum üblichen Fachwerkbau.Im Laufe von 400 Jahren hat sich die Gestaltung der Fassaden des Rathauses immer wieder etwas verändert, dies geschah teils aus funktionalen, teils aus ästhetischen Gründen.

An der heutigen Fassade des Rathauses kann man auch jetzt noch sehr gut erkennen, dass sie bauzeitlich verputzt war. Einerseits an den sogenannte Putzkanten – den unregelmäßigen Flächen – an den Gewänden und Gesimsen aus rotem Sandstein. Bis an diese, gerade ausgearbeiteten Kanten wurde ursprünglich der Putz aufgetragen. Bei steinsichtigen Fassaden gibt es in der Regel solche Kanten nicht, sondern die Gewändesteine sind regelmäßig behauen. (Siehe Fotos)
Putzspuren? (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Putzspuren? (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Putzspuren? (Foto: Stadtverwaltung Nordhausen)
Desweiteren sind bei der jetzt zur Erstellung des Gutachtens durch Dr. Hans-Werner Zier, von der Materialforschungs- und Prüfanstalt an der Bauhaus-Universität Weimar gemachten Untersuchung noch Reste der bauzeitlichen Verputzung sichergestellt worden.

Der Fassaden-Putz diente einerseits zum Schutz des Steins, denn auch in früherer Zeit wusste man, dass raue und unregelmäßige Steinoberflächen anfällig für eindringendes Wasser waren, und andererseits war es kostengünstiger, als Massivmauerwerk aus gleichmäßig behauenen Quadersteinen, wie sie für die steinsichtige Bauten notwendig gewesen wären.

Es gibt - nach jetzigem Erkenntnisstand – keinen schriftlichen Beleg, wann der Putz entfernt wurde. Jedoch ist bauhistorisch belegt, dass aufgrund des veränderten architektonischen „Geschmacks“ mit dem Übergang zum 19. Jh. ein Wandel in der Fassadengestaltung entstand.

Mit der „Ruinen-Romantik“ des Historismus kam eine Vorliebe für rustikale und einfache Formen, die der Verspieltheit des Barock und Rokoko der früheren Zeit entgegen stand. Aus diesem Grund wurden an vielen Gebäuden – sowohl Kirchen als auch Profanbauten – der Putz auch von aus Bruchsteinen gemauerten Fassaden entfernt und diese dann steinsichtig belassen.

Das von Dr. Zier im Auftrag der Stadtverwaltung erstellte umfangreiche Gutachten, dass als Sanierungsvorbereitung dient, hat diese bauhistorische Veränderung der Fassade bestätigt. Desweiteren wurde festgestellt, dass aufgrund der lange freiliegenden Steinoberflächen, die Kalksteine der Fassade so stark sowohl durch Salze und Schadstoffe beschädigt sind, dass eine Erhaltung des jetzigen Zustandes nicht mehr möglich ist.
Susanne Hinsching, Dipl. Kunsthistorikerin und Leiterin der Unteren Denkmalschutzbehörde
Autor: red

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Kommentare
Wolfi65
18.09.2014, 07:52 Uhr
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