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Fr, 15:58 Uhr
18.05.2001

nnz-Forum: Für den Erhalt der "Rüdigsdorfer Schweiz"

Es ist nachvollziehbar, dass die Gipsindustrie als ein Teil der im Südharz ansässigen Wirtschaft für ihre lnteressen wirbt. Dabei wird immer wieder auf die besondere Rolle gerade dieser Branche verwiesen, die die Wünsche der pharmazeutischen, Porzellan- und natürlich der Bauindustrie befriedigen müsse. So wird derzeit vom Bundesverband der Gips- und Gipsplattenindustrie und der Arbeitsgemeinschaft Harzer Gipsuntemehmen verstärkt für den Aufschluss neuer Bergwerksfelder in der "Rüdigsdorfer Schweiz", so für den Winkelberg zwischen Krimderode, Rüdigsdorf und Petersdorf, geworben.

Natürlich verpflichtet sich das abbauwillige Unternehmen zu einer sogenannten "gipskarstgerechten Renaturierung" und suggeriert damit den in diesem Umfeld lebenden Menschen einen geringen Eingriff in die Natur. Dabei wird jedoch außer acht gelassen, dass gerade der Winkelberg zum Kernbereich einer außerordentlich schützenswerten Landschaft gehört. Er besitzt Lebensräume und -arten, die in der Bundesrepublik und Europa einmalig sind und eine bedeutende Naherholungsfunktion für die umliegenden Gemeinden. Der Abbau einer 18 Hektar großen Fläche in einer Mächtigkeit bis zu 30 Metern in diesem sensiblen Bereich bedeutet einen unwiederbringlichen Verlust des betroffenen Landschaftsraumes mit seinen besonderen geomorphologischen Strukturen sowie Flora und Fauna. Eine Renaturierung von abgebauten Gipskarstflächen ist nach wissenschaftlichen Erkenntnissen kompetenter Fachleute nicht möglich.

Die erneute Diskussion der Gipsindustrie um die Rohstoffsicherung ist unverständlich, da gerade der Rohstoffgewinnung und -sicherung mit der Ausweisung der Vorranggebiete im Regionalen Raumordnungsplan Nordthüringen für einen Zeitraum von 20 bis 30 Jahren in ausreichendem Umfang Rechnung getragen wurde. So stellt allein die Stadt Nordhausen in ihren Gemarkungen etwa 6,6 Prozent ihrer Gesamtfläche, davon etwa 240 Hektar Gips und Anhydrit, für den Rohstoffabbau zur Verfügung. Damit wird dieser Industrie ein rechtlich gesicherter Planungszeitraum gewährt, der für andere Branchen, die selbstverständlich auch Investitionen in Millionenhöhe tätigen und damit Arbeitsplätze für die Region schaffen, unvorstellbar ist.

Anstatt immer mehr Flächen für den Rohstoffabbau einzufordern, wäre die Gipsindustrie besser beraten, mit dem gegenwärtigen Vorrat sorgsam umzugehen und durch die Entwicklung neuer Technologien und Verfahren einen Strukturwandel in der Rohstoffwirtschaft einzuleiten. Die Stadt Nordhausen wird sich deshalb aktiv für einen Generationenvertrag zum Erhalt der "Rüdigsdorfer Schweiz" einsetzen, um diesen einmaligen Lebensraum im Südharz auch für künftige Generationen zu sichern.
Dr. Klaus Gebhardt, Beigeordneter Stadt Nordhausen
Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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