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Do, 13:08 Uhr
17.05.2001

Dem Abfall in Nentzelsrode auf der Spur

Nordhausen (nnz). Noch bis 16 Uhr können sich interessierte Bürger die Abfalldeponie Nentzelsrode aus der Nähe anschauen. NNZ war für Sie schon mal vor Ort.

Jede Menge Müll Viele Schülergruppen nutzen heute die Möglichkeit, sich näher über die Abfallproblematik zu informieren. Für Berufstätige ist der Donnerstag allerdings etwas unglücklich gewählt. Einen Tag Urlaub wird da kaum einer nehmen. Und das ist schade, denn es gibt viel zu erfahren in Nentzelsrode.

Nachdem Landrat Joachim Claus den Tag der offenen Tür bei leider nieseligem Wetter eröffnet hatte, begannen die halbstündigen Führungen über das Deponiegelände durch Mitarbeiter der Umweltbehörde des Nordhäuser Landratsamtes.

Wie Kathrin Wolff während des Rundganges erklärte, werden in Nentzelsrode seit 1969 Abfälle gelagert. Die DDR-Müllkippe wurde 1993 geschlossen. Jetzt ist an der Stelle nur noch ein großer, grüner Berg zu sehen. Beobachten muß man solche riesigen ehemaligen Müllhaufen (in der Fachsprache Polder genannt) aber auch weiterhin, und zwar noch mindestens 50 Jahre. Damit wird sichergestellt, daß keine Schadstoffe unkontrolliert austreten.

1994 begann die geordnete Ablagerung von Abfällen nach (west)deutschen Vorschriften. Verschiedene Schichten (z.B. Kies, Folie) müssen dazu erst einmal auf die künftige Haldenfläche aufgebracht werden. Dann erst kommt der Abfall, der von riesigen Traktoren mit Schiebeschild, sogenannten Kompaktoren, verteilt und verdichtet wird. So ein Kompaktor kostet rund eine halbe Million Mark. Die Laster mit den Abfällen werden übrigens am Eingang genau unter die Lupe genommen. Da kann bei der Ladung nicht geschummelt werden. Die Last wird außerdem gewogen. Was in Nentzelsrode seine letzte Ruhestätte findet, stammt aus dem Unstrut-Hainich-Kreis, dem Kyffhäuserkreis und hier aus der Region Nordhausen. Zum Glück wachsen die Müllberge nicht so schnell wie angenommen, bemerkt Kathrin Wolff. „Mülltrennung bringt eben doch was“, so Wolff.
Ab 2005 weht hier sowieso ein anderer Wind. Ab dann darf der Restmüll nicht einfach so abgelagert, sondern muß noch einmal behandelt werden. Deshalb wird jetzt im Zweckverband Abfallwirtschaft Nordthüringen diskutiert, ob in Nentzelsrode eine Restabfallverwertungsanlage gebaut werden soll. Wie die Verwertung funktioniert, ist noch nicht klar. Es muß also nicht zu einer ungeliebten Verbrennungsanlage kommen, aber es kann.

Der Weg führt auch an der Biogasanlage vorbei. Hier landet der Inhalt der Biotonnen, pro Tag sind das 40-60 Tonnen. Zum Ärger der Betreiber kommt auch viel an, was nicht in die Biotonnen gehört und nun aufwendig heraussortiert werden muß. Steine, Windeln, Knochen, all das gehört bitte schön in den Restmüll! Der Bioabfall durchläuft verschiedene Stationen, vom Zerkleinern über das Anrühren mit Wasser zu einem Brei bis zur Zersetzung durch Bakterien. Dabei entsteht Biogas, das in Elektroenergie umgewandelt wird. Später wird die Masse getrocknet. Auch das Wasser, was hier anfällt, erreicht am Ende fast die Sauberkeit von destilliertem Wasser. Zum Schluß kommt Kompost heraus. Von der Biogasanlage könnten theoretisch 500 Vier-Personen-Haushalte mit Strom versorgt werden, schätzt Kathrin Wolff. Theoretisch, denn nicht alles erreicht Otto Normalverbraucher. Schließlich ist auch in der Deponie selbst Strom nötig, der hier abgezwackt wird.

Auf dem Deponiegelände steht auch ein Windpark mit fünf Generatoren. So ein Gerät ist 68 Meter hoch, die 33 Meter hohen Rotorblätter noch nicht mitgerechnet. Die Windanlagen werden nicht vom Landkreis betrieben. Der hat das Gelände nämlich an die Firma enercon aus Sachsen-Anhalt verpachtet. Mit dem produzierten Strom können 5600 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden.

Zugegeben, alle 14,4 Hektar des Deponiegeländes können bei der Führung nicht beschritten werden, aber die Besucher werden auf jeden Fall überrascht sein, was sich hier alles verbirgt, denn davon ist von der B 4 aus nicht viel zu sehen.
Wer den bis 16 Uhr dauernden Tag der offenen Tür noch nutzen möchte: Der letzte kostenlose Pendelbus zur Deponie fährt um 14 Uhr am Badehaus ab, weitere Stationen sind der Busbahnhof und der Marktkauf. Natürlich kann auch mit dem Auto angereist werden.
Autor: ss

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