Fr, 10:50 Uhr
11.07.2014
Drunter und drüber?
Am Dienstagabend wurde im Hof des historischen Landratsamtes in Nordhausen der Sommer gefeiert. Landrätin Birgit Keller hatte dazu eingeladen. Vielen Mitarbeitern der Behörde ist jedoch schon seit Monaten nicht nach Feiern zumute...
Wer ganz genau in die Mitarbeiterschaft hineinhört, der wird eine gewisse Agonie ausmachen. Von einem Aufbruch, von einem Mitnehmen jedes Einzelnen, wie es die Landrätin zu ihrem Dienstbeginn angekündigt habe, sei nicht viel übrig geblieben. Sagt man - natürlich nicht offen.
Die Kommunikation sei eher mäßig. Natürlich höre sich die Verwaltungsspitze Vorschläge aus der Mitarbeiterschaft an, finde die unter Umständen auch toll. Das sei es dann aber auch gewesen. Ein Insider formuliert es: "Es werden immer wieder Zusagen gemacht, die eigentlich nicht eingehalten werden können. Mit einer solchen Politik fährt man gegen die Wand, weil final auch nichts entschieden wird." Nach vielen übereinstimmenden Aussagen habe der Leiter des Büros der Landrätin, Gunnar Reuter, zuviel Macht in den Häusern des Landratsamtes. Die drücke er nach "unten" gnadenlos durch, nach "oben" blocke er ab, lasse Diskussionen nicht zu.
Zum Beispiel beim Bürgerservice, der schließlich das visionäre Projekt von Birgit Keller sein soll. "Es gibt dazu keine Vision", hört man. Kein Ziel, keine Vorschläge - eine solche Institution zu realisieren sei eben mehr als der Umzug von 70 Zimmern innerhalb des Landratsamtes.
Diese Umzüge würden jedoch nicht immer originär mit dem Bürgerservice zusammenhängen, "sondern dienen der Neuordnung der Raumkapazitäten insgesamt sowie der Umstrukturierungen innerhalb der Verwaltung", antwortet Gunnar Reuter auf eine entsprechende Anfrage der nnz. Ein Beispiel liefert er auch: Die beiden Beigeordneten werden mit in das historische Landratsamt ziehen. Als ob dadurch die angesprochenen Probleme gelöst werden.
Arbeitsberatung am Vormittag auf der "Baustelle" Bürger-Service. Im Bild Architektin Kathrin Rembe und Stephan Zöller von der Firma Hepro Metallbau
Den Termin zur Eröffnung des Bürger-Service am 2. Oktober, den werde man halten. Aufträge seien erteilt. All das kostet Geld, viel Geld. Rund 250.000 Euro waren einst veranschlagt. Die aber werden nicht reichen und so wird woanders gestrichen. Zum Beispiel im Bereich der weiterführenden Schulen. Begründet wird dieser fiskalische Geniestreich mit den geltenden Brandschutz- und Arbeitsschutzbestimmungen für das Wundermittel Bürger-Service. Die aber sollte man doch bei den Planungen berücksichtigt haben?
In einem ersten Schritt sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde in die Behringstraße ziehen. In einem zweiten Schritt folgen die Kollegen aus dem Bereich Jugend und Soziales. Vieles an den aktuellen Planungen scheint noch unausgegoren. So fragen sich regelmäßige Besucher der Behörde in der Behringstraße, wie das mit den Kurzzeitparkplätzen geregelt sei? Nicht jeder Besucher des Landratsamtes wisse, dass er die Tiefgarage nutzen kann. Die ist nämlich nicht über die offizielle Adresse "Behringstraße 3" erreichbar, sondern über die Hohensteiner Straße.
Also wird, wie die Planer es geplant haben, die Masse der Besucher aus der Tiefgarage zum Bürgerservice vorstoßen. Also von der Seite aus. Wozu wurde eine pompöse Drehtür geplant? Die allerdings ist vermutlich schon wieder verworfen.
Es sind diese Kleinigkeiten, die durch eine unzureichende Kommunikation von unten nach oben und umgedreht, zu großen Problemen anwachsen. Vorschläge, wie nicht nur der Bürgerservice noch optimaler gestaltet werden kann, die soll es zur Genüge gegeben haben. Nur es gab dazu kein Feedback, schon gar keine Umsetzung.
Das lähmt eine Behörde, das nervt vor allem diejenigen, die noch was "reißen" wollen. Aber auch diejenigen sollen zunehmend in Verunsicherung geraten. Und wenn da so ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin verzweifelt, dann rät ein Vorgesetzter schon mal, dass, wenn schon nicht die gesamte Verwaltung in Sonderurlaub geschickt wird, ein paar Tage "krankmachen" nicht schlecht wären.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redWer ganz genau in die Mitarbeiterschaft hineinhört, der wird eine gewisse Agonie ausmachen. Von einem Aufbruch, von einem Mitnehmen jedes Einzelnen, wie es die Landrätin zu ihrem Dienstbeginn angekündigt habe, sei nicht viel übrig geblieben. Sagt man - natürlich nicht offen.
Die Kommunikation sei eher mäßig. Natürlich höre sich die Verwaltungsspitze Vorschläge aus der Mitarbeiterschaft an, finde die unter Umständen auch toll. Das sei es dann aber auch gewesen. Ein Insider formuliert es: "Es werden immer wieder Zusagen gemacht, die eigentlich nicht eingehalten werden können. Mit einer solchen Politik fährt man gegen die Wand, weil final auch nichts entschieden wird." Nach vielen übereinstimmenden Aussagen habe der Leiter des Büros der Landrätin, Gunnar Reuter, zuviel Macht in den Häusern des Landratsamtes. Die drücke er nach "unten" gnadenlos durch, nach "oben" blocke er ab, lasse Diskussionen nicht zu.
Zum Beispiel beim Bürgerservice, der schließlich das visionäre Projekt von Birgit Keller sein soll. "Es gibt dazu keine Vision", hört man. Kein Ziel, keine Vorschläge - eine solche Institution zu realisieren sei eben mehr als der Umzug von 70 Zimmern innerhalb des Landratsamtes.
Diese Umzüge würden jedoch nicht immer originär mit dem Bürgerservice zusammenhängen, "sondern dienen der Neuordnung der Raumkapazitäten insgesamt sowie der Umstrukturierungen innerhalb der Verwaltung", antwortet Gunnar Reuter auf eine entsprechende Anfrage der nnz. Ein Beispiel liefert er auch: Die beiden Beigeordneten werden mit in das historische Landratsamt ziehen. Als ob dadurch die angesprochenen Probleme gelöst werden.
Arbeitsberatung am Vormittag auf der "Baustelle" Bürger-Service. Im Bild Architektin Kathrin Rembe und Stephan Zöller von der Firma Hepro Metallbau
Den Termin zur Eröffnung des Bürger-Service am 2. Oktober, den werde man halten. Aufträge seien erteilt. All das kostet Geld, viel Geld. Rund 250.000 Euro waren einst veranschlagt. Die aber werden nicht reichen und so wird woanders gestrichen. Zum Beispiel im Bereich der weiterführenden Schulen. Begründet wird dieser fiskalische Geniestreich mit den geltenden Brandschutz- und Arbeitsschutzbestimmungen für das Wundermittel Bürger-Service. Die aber sollte man doch bei den Planungen berücksichtigt haben?
In einem ersten Schritt sollen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Zulassungs- und Fahrerlaubnisbehörde in die Behringstraße ziehen. In einem zweiten Schritt folgen die Kollegen aus dem Bereich Jugend und Soziales. Vieles an den aktuellen Planungen scheint noch unausgegoren. So fragen sich regelmäßige Besucher der Behörde in der Behringstraße, wie das mit den Kurzzeitparkplätzen geregelt sei? Nicht jeder Besucher des Landratsamtes wisse, dass er die Tiefgarage nutzen kann. Die ist nämlich nicht über die offizielle Adresse "Behringstraße 3" erreichbar, sondern über die Hohensteiner Straße.
Also wird, wie die Planer es geplant haben, die Masse der Besucher aus der Tiefgarage zum Bürgerservice vorstoßen. Also von der Seite aus. Wozu wurde eine pompöse Drehtür geplant? Die allerdings ist vermutlich schon wieder verworfen.
Es sind diese Kleinigkeiten, die durch eine unzureichende Kommunikation von unten nach oben und umgedreht, zu großen Problemen anwachsen. Vorschläge, wie nicht nur der Bürgerservice noch optimaler gestaltet werden kann, die soll es zur Genüge gegeben haben. Nur es gab dazu kein Feedback, schon gar keine Umsetzung.
Das lähmt eine Behörde, das nervt vor allem diejenigen, die noch was "reißen" wollen. Aber auch diejenigen sollen zunehmend in Verunsicherung geraten. Und wenn da so ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin verzweifelt, dann rät ein Vorgesetzter schon mal, dass, wenn schon nicht die gesamte Verwaltung in Sonderurlaub geschickt wird, ein paar Tage "krankmachen" nicht schlecht wären.
Peter-Stefan Greiner


