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Mi, 20:07 Uhr
02.07.2014

Es war nur ein Sturm im Wasserglas

Streit unter Nachbarn. Übern Gartenzaun. Das kommt auch zwischen Kleingärtnern vor. Dann tritt die Schlichtungskommission in Aktion. Um die Streithähne zu versöhnen und den Fall nicht vor ein Gericht enden zu lassen. Diplomatisches Geschick und Geduld sind gefragt. Auch in Nordhausen...

Streitfall Baum (Foto: Kurt Frank) Streitfall Baum (Foto: Kurt Frank)
Gewinnt ein Obstbaum an Höhe und Breite, kann das ein Streitfall zwischen Gartennachbarn werden, wenn die Äste überragen. Zumeist beugt ein sachliches Gespräch dem vor.

Nordhausen. Jüngster Fall: Im Laufe der Jahre hatte der Kirschbaum an Höhe und Breite zugelegt. Die Zweige ragten in Nachbars Garten. Den stört das. Vor Ort vereinbarte man zunächst mit dem Bauminhaber: Bei einem Arbeitseinsatz in der Gartenanlage beauftragt der Vereinsvorsitzende, mit dem das auch so abgestimmt wurde, jemanden, den Baum zu beschneiden. Der Besitzer selbigen, ein älterer Herr und nicht mehr in der Lage, selbst Hand anzulegen, war darüber sehr erfreut. Er werde das Astwerk auf seine Parzelle bringen und es dort schreddern. Der Fall schien gelöst.

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Leider kannte der Vorsitzende vordem nicht die Maße des Baumes. Er könne, als er ihn sah, in diesem Fall nicht verantworten, wenn sein beauftragter Baum-Beschneider womöglich von der Leiter stürzt. Neuer Vor-Ort-Termin. Über eine seiner Meinung zu unrecht erfolgte Abmahnung hatte sich der Beschuldigte schon vorher mächtig aufgeregt und zumindest ein klärendes Gespräch mit dem Vorsitzenden gewünscht. Da es auf sich warten ließ, schrieb er, wohl im Frust, nicht gerade einen Liebesbrief an den Chef. Auch das war übereilt.

Neuer Termin mit dieser Festlegung: Die „Baum“-Familie beauftragt eine Firma, im Herbst auf eigene Kosten den Kirschträger fachgerecht zu stutzen. Eine scheinbar anmutende Lappalie hatte sich hochgeschaukelt. Oft sind es nur Kleinigkeiten, die in einem sachlichen Gespräch und der nötigen Einsicht unproblematisch geklärt werden könnten. Fehlt sie, wird es kritisch. Vor allem dann, wenn die Polizei auf dem Plan erscheint.

Seine Kulturen habe ein Unbekannter vergiftet. In Verdacht geriet der Nachbar, mit dem vorher gutes Einvernehmen bestand. Dessen Frau stand vor lauter Aufregung vor einem Herzinfarkt. Die Schlichtungskommission ließ über ein Labour das angeblich Vergiftete untersuchen. Am Ende war es ein Sturm im Wasserglas. Worte wie „dumme Kuh“ und „blöde Ziege“, die über den Gartenzaun klangen, brachten Schlichtungskommissionen ebenfalls Arbeit.

Allein in der größten zusammenhängenden Gartenanlage des Landkreises „Am Schurzfell“ konnten in den letzten sechs Jahren fünf Streitereien ausgeräumt werden. Alle zur Zufriedenheit der Beteiligten. Das spricht für die Schlichtungskommission. „Wir sind froh, wenn man unliebsame Ereignisse an Ort und Stelle klärt“, bekräftigt Dieter Springmann, Vorsitzender des Kreisverbandes der Kleingärtner. Nicht immer gelingt das.

Dann geht der Fall an den Kreisverband. Hans-Georg Dittmann, stellvertretender Kreisvorsitzender, bemerkt: In den letzten vier Jahren waren sieben Vorfälle zu klären. Nach etlichen Aussprachen und Beratungen war der Frieden wieder hergestellt. Schwerpunkte bildeten ausstehende Zahlungen, Baumaßnahmen, die vom Vorstand nicht genehmigt waren, unordentliche Gärten und mangelhafte Pflege der Außenanlagen. Auch sogenannte Grenzbepflanzungen, die dem Nachbarn nicht passten, standen zur Debatte.

Kann weder die Schlichtungskommission der jeweiligen Gartenanlage noch der Kreisvorstand einen Streitfall klären, landet er vor Gericht. Sehr selten sei das der Fall, sagt Dittmann. Immerhin bewirtschaften gegenwärtig 3000 Kleingärtner 140 Hektar, wovon allein 75 Hektar auf die Kreisstadt entfallen. Die Parzellen bewegen sich zwischen 300 und 600 Quadratmeter. Sozial verträglich der Pachtpreis. Er beläuft sich auf sechs Cent pro Quadratmeter und Jahr und ist nach oben begrenzt.
Kurt Frank
Autor: red

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