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Mo, 16:05 Uhr
14.05.2001

"Gegen Gewalt - Für Toleranz und Zivilcourage"

Nordhausen (nnz). In Nordhausen ist in den zurückliegenden Wochen die Idee zu einem neuen Projekt geboren worden. Ziel des Projektes ist es, möglichst vielen Menschen die Thematik „Gegen Gewalt - Für Toleranz und Zivilcourage“ vorzustellen und mit der Brisanz dieses Themas zu konfrontieren. nnz stellt das Projekt, das unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Bernhard Vogel steht, ausführlich vor.

Das oben genannte Projekt hat einen historischen Hintergrund. „Unsere Stadt war Standort eines der grausamsten nationalsozialistischen Konzentrationslager. Die heutige Gedenkstätte mahnt am authentischen Ort zur Erinnerung und Auseinandersetzung mit der jüngeren Zeitgeschichte Deutschlands“, erläutert der Pressesprecher des Vereins „neueebenen“, Daniel Eisler nnz. Die Region Nordthüringen werde - folge man Aussagen aus rechten Kreisen - von der sogenannten neonazistischen Szene als weißer Fleck angesehen, den es zu besetzen gilt. nnz sprach mit dem 1. Vorsitzenden des Vereins, Stephan Masch.

nnz: Wer ist der Verein "neueebenen"?

Masch: Wir sind Studenten des 2. Fachsemesters des Studienganges Sozialmanagement an der Fachhochschule Nordhausen, einer der jüngsten Fachhochschulen Thüringens. Auf Grund einer im vergangenen Jahr in Nordhausen stattgefundenen NPD-Demonstration haben sich vier Studenten dieser Fachhochschule zusammengefunden, um ein zielgruppenübergreifendes Konzept "Gegen Gewalt - Für Toleranz und Zivilcourage“ zu erstellen. Zur Schaffung eines Anlaufpunkt sowie einer Handlungsgrundlage gründeten Steffen Schönemann, Michael Will, Daniel Eisler und ich den Verein "neueebenen e.V." und stehen diesem seither als Vorstand vor.

nnz: Was wollen Sie erreichen?

Masch: Das Ziel unseres Projektes besteht darin, durch Veranstaltungen viele Personen mit der Thematik zu konfrontieren und die Menschen so für das Thema zu sensibilisieren. Es wird bei der Organisation des Gesamtprojektes auf die Nachhaltigkeit jedes Teilprojektes höchsten Wert gelegt. Unser Projekt soll ein Pilotprojekt des Freistaates Thüringen darstellen und nach seiner Durchführung übertragbar auf andere Bundesländer sein. Weiterhin soll durch die strukturierten Veranstaltungsangebote verschiedene Institutionen als Multiplikatoren gewonnen werden.

nnz: Wen wollen Sie erreichen?

Masch: Wesentlicher Bestandteil unseres Konzeptes ist es, Veranstaltungen zu organisieren, welche vor allem die nachfolgend aufgeführten Zielgruppen erreicht: Pädagogen, Wehrpflichtige, Zivildienstleistende, Polizeibeamte, Schüler aller Schulformen, Studenten, interessierten Personen u.a.

nnz: Wie kommen Sie an „ihre“ Zielgruppe?

Masch: Auf Drängen der Studentenschaft der FH Nordhausen wurde im Studiengang Sozialmanagement zusätzlich das Wahlpflichtfach "Mobilisation und Organisation ehrenamtlicher Tätigkeit in der Gewaltprävention“ eingeführt. Als Dozent für dieses Seminar konnten wir Wolfgang Ruske, Leitender Polizeidirektor a.D. gewinnen. Die Zielstellung des Seminarfaches besteht darin, Studenten über die derzeitige Situation hinsichtlich von Gewalt und entsprechender Bekämpfungsmethoden zu informieren. Für das Seminar haben sich über 70 Studenten eingeschrieben, welche aktiv die Umsetzung des Gesamtprojektes begleiten. Durch die praktische Arbeit an der Realisierung des Seminars und der weiteren Teile unseres Projektes soll den Studierenden die Möglichkeit eröffnet werden, theoretische Ansätze in der sozialen Wirklichkeit zu erproben. Das ist für die Studenten äußerst bedeutsam, da deren spätere Hauptbetätigungsfelder im Bereich von Non - Profit - Organisationen liegen.

Wichtige Grundlage für die geplante Veranstaltungswoche vom 11.-18.11.2001 bildet eine im August 2001 stattfindende Lehrerfortbildung. Zu dieser sind von Schulen Thüringens Partnerlehrer zu gewinnen, die an ihren Schulen in Projektwochen oder in Unterrichtseinheiten das zu erstellende Modul: "Gegen Gewalt - Für Toleranz und Zivilcourage“ mit einbeziehen. Den teilnehmenden Lehrern sind bei der Fortbildung Kenntnisse über die Problematik Gewalt, Rechtextremismus sowie Handlungsgrundlagen zur Bekämpfung der genannten Probleme zu vermitteln. Der sich von anderen Veranstaltungen dieser Art abhebende Charakter der Fortbildung besteht darin, dass den Lehrern in unterschiedlichen Workshops die Grundlage mitgegeben werden soll, zielorientierte Inhalte für die einzelnen Schulprojekte vor Ort zu erarbeiten.

Die Partnerlehrer sollen an ihren Schulen im Zeitraum vom 1. September 2001 bis 7. Oktober 2001 in bereits erwähnten Projektwochen und/oder Unterrichtseinheiten ihre schuleigenen, vorkonzipierten Module mit Schülern erarbeiten, die anschließend in die Form einer Ausstellung gebracht werden sollen. Die gesamte Arbeit der Schüler an ihren Projekten soll redaktionell von den Gruppen selbst begleitet werden. Den Schülern wird dadurch die Möglichkeit gegeben, Inhalte selbst zu erarbeiten, Teamarbeit zu erlernen und sich in der Hauptsache mit dem Leitgedanken des Gesamtprojektes, "Gegen Gewalt - Für Toleranz und Zivilcourage", produktiv auseinanderzusetzen.

Diese. Ausstellung wird nach ihrer Groberstellung durch die Schüler professionell von einer Werbeagentur aufbereitet. Die fertiggestellte Ausstellung wird danach im Verlauf der Veranstaltungswoche vom 11.-18.11. in Nordhausen zu sehen sein. Die einzelnen Gruppen werden zur Präsentation ihrer Arbeit nach Nordhausen eingeladen. Jeder Gruppe wird die Möglichkeit eingeräumt ihr Projekt den Gästen vorzustellen. Um einen, dem Anlass entsprechenden Rahmen zu schaffen, ist angedacht, den Kultusminister Thüringens als Gast einzuladen. Damit soll den Schüler die Wichtigkeit ihres Engagements eindrucksvoll vor Augen geführt werden. Nach der Präsentation der Arbeitsergebnisse können die Schülern an verschiedenen Zeitzeugengesprächen mit ehemaligen Häftlingen des KZs Mittelbau - Dora und deren Befreiern teilnehmen. Dadurch wird ein Bezug von aktuellen Geschehen im Erfahrungshorizont der Schüler zu historischen Ereignissen hergestellt.

nnz: Was bietet die eigentliche Veranstaltungswoche?

Masch: Die Veranstaltungswoche selbst beginnt am 11.11.2001 und wird mit der Ausstellung "Sage nie du gehst den letzten Weg - der Genozid an den litauischen Juden“ eröffnet. Diese Exposition zeigt Bildmaterial, das die Geschichte des Wilnaer Ghettos dokumentiert und beinhaltet Berichte über das Schicksal der Überlebenden. Dieser Veranstaltung folgt die Arbeit mit Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden. Den beiden Gruppen soll die Möglichkeit gegeben werden sich gemeinsam mit dem Leitgedanken unseres Projektes auseinanderzusetzen. Die Teilnehmer werden sich am Vorabend des eigentlichen Veranstaltungstages kennenlernen, um eine möglichst offene und freie Diskussion führen zu können.

Am Veranstaltungstag ist eine Führung durch die KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora geplant, an die sich ein Zeitzeugengespräch mit einen Befreier des KZs sowie mit einem ehemaligen Häftling anschließt. Der Kontakt von ehemaligen Befreiern zu den Wehrpflichtigen beinhaltet auf Grund der derzeitigen Friedenseinsätze der Bundeswehr einen aktuellen Bezug. Eine vom Aufbau gleich strukturierte Veranstaltung mit der Zielgruppe Polizeibeamte folgt am nachfolgenden Tag. Natürlich ist für uns die Arbeit mit den Studenten der Fachhochschule Nordhausen äußerst wichtig. Wir werden in der Veranstaltungswoche an einem bestimmten Tag während der Veranstaltungswoche die gesamte Hochschule durch verschiedene Vortragsangebote, welche auf die angebotenen Studiengänge abgestimmt sein werden, mit der Thematik konfrontieren.

Um interessierten Bürgern ein Informationsangebot unterbreiten zu können ist geplant, eine Diskussionsveranstaltung mit Prominenten sowie mit regional bekannten Gästen in der Stadt Nordhausen durchzuführen. Begleitend zu dem gesamten Veranstaltungsangebot werden in der Stadt Nordhausen verschiedene Ausstellungen gezeigt, so u.a. eine von der Polizeidirektion Köln zum Thema "Polizei im Nationalsozialismus“. Es ist angedacht, die in Ausbildung befindlichen Polizeibeamten des Bundeslandes Thüringen mit dieser Ausstellung zu konfrontieren. Weiterhin wird eine Photoausstellung über das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz in Nordhausen gezeigt.

Um einen ziel- und altersübergreifenden Effekt zu erreichen ist eine dezentrale Musikveranstaltung in unserer Stadt geplant, bei der sich die Besucher mit dem Leitgedanken unseres Projektes identifizieren sollen. Diese Musikveranstaltung ist bereits konzipiert. Abschluss der Veranstaltungswoche bildet ein Benefizkonzert des Loh-Orchester im Theater Nordhausen zugunsten des Zwangsarbeiterentschädigungsfonds.

nnz: Wird das Projekt fortgesetzt?

Masch: Es ist angedacht, in den Jahren 2002/2003 weitere Projekte in Nordhausen gemäß der Satzung des Vereins neueebenen e.V. durchzuführen. Um weitere, tiefgreifendere Informationen über unser Projekt zu erhalten können Sie uns kontaktieren oder informieren Sie sich bitte HIER

nnz: Wir danken für dieses Gespräch.
Autor: nnz

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