Di, 14:00 Uhr
17.06.2014
Nordhäuser Proportionalität
Die Eröffnung des Bürgerhauses und damit auch der Bibliothek ist auf den Spätsommer dieses Jahres verschoben. Zeit für die nnz, sich um das Innenleben noch ein wenig genauer zu kümmern...
Bisher war noch wenig Zeit neue Medien anzuschaffen. Das wird über den Sommer geschehen. Bücher haben in Deutschland einen Festpreis, aber: Öffentliche Bibliotheken erhalten beim Buchhandel einen Rabatt von zehn Prozent, wissenschaftliche Bibliotheken (Fachhochschule zum Beispiel) einen Rabatt von fünf Prozent.
Das sei eine Vorgabe des Deutschen Börsenvereins. Weltbild gewährt diesen Rabatt nicht. Deshalb kauft die Nordhäuser Bibliothek dort nicht ein.
Der Erwerb von Medien werde niemals ausgeschrieben, weil es in Deutschland die gesetzliche Preisbindung gibt. Eine Buchhandlung, die mehr Rabatt gewährt, würde sich strafbar machen. Der Buchfestpreis ist ein hohes Gut im deutschsprachigen Raum und ist Grundlage für die Verlagsvielfalt.
Zu den konkreten Zahlen: Der Medienetat der Stadtbibliothek umfasst 2014 erstmals nur noch 20.000 Euro. Bisher waren es immer 30.000 Euro. Hiervon sind 10. 000 Euro gebunden in ThuebibNet (Onlineausleihe) und Abonnements. 5.000 Euro gibt die Nordhäuser Stadtverwaltung für Zeitschriften und Fortsetzungsbestellungen aus. Lieferant war bisher Presseplus. Das sei gekündigt worden, lässt die Pressestelle mitteilen. Man beziehe die Zeitschriften jetzt seit 1. Juni über ILGE, ein Zeitschriftengroßhändler für Bibliotheken, weil dort 15 Prozent Rabatt zu erheischen seien. Dadurch konnte die Zeitschriftenanzahl erhöht werden. Zeitungen werden über den örtlichen Zeitschriftenhandel bezogen. Fortsetzungen über die entsprechenden Verlage.
5.000 Euro kosten die B-Books. Das rechnet die Bibliothek über die Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken ab. Die handelt für alle Einrichtungen die Konditionen aus. Der Vertrag einer Kommune richtet sich nach deren Größe und Einwohnerzahl.
Der verbleibende Medienetat von 10.000 Euro für Bücher wird proportional auf den örtlichen Buchhandel aufgeteilt. Das sei eine generelle Vorgehensweise aller Städte. "In Nordhausen werden Bücher in der Bahnhofsbuchhandlung, bei Buchhandlung Hartmann und im Buchhaus Rose gekauft", heißt es in der Rathaus-Antwort.
Das bedeutet im Umkehrschluss, das jeweils rund 3.300 Euro in den drei Buchhandlungen ausgegeben werden. Darüber kann in der Bücherstube Hartmann nur herzhaft gelacht werden. In diesem Jahr wurde bislang für sage und schreibe 367 Euro in der Bahnhofstraße eingekauft. Auch im vergangenen Jahr war es insgesamt nur eine dreistellige Summe, erinnert sich Frau Hartmann.
Ein ähnliches Ergebnis liefert die Recherche in der Bahnhofsbuchhandlung. Helmut Schneeberg muss lange überlegen und berichtet schließlich das Ergebnis der geschäftlichen Bücherbeziehungen zwischen seiner Buchhandlung und der Stadtverwaltung: In diesem Jahr belaufen sich die Geschäfte auf Null, im vergangenen Jahr wurden am Bahnhof für 64 Euro Bücher eingekauft. In diesem Jahr hatte die Nordhäuser Bibliothek noch keinen Einkäufe getätigt, außer dem erwähnten Betrag in der Bücherstube Hartmann.
Bleibt rein rechnerisch die Frage, was die Nordhäuser Stadtverwaltung unter proportionaler Aufteilung versteht oder ist es die räumliche Nähe zum verbleibenden Buchhaus Rose und die damit sprichwörtlich "kurzen Wege", mit der das "zarte" Ungleichgewicht begründet werden kann? Denn, das bestätigen Frau Hartmann und Herr Schneeberg: Es gebe kein Buch, das sie nicht bestellen können.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redBisher war noch wenig Zeit neue Medien anzuschaffen. Das wird über den Sommer geschehen. Bücher haben in Deutschland einen Festpreis, aber: Öffentliche Bibliotheken erhalten beim Buchhandel einen Rabatt von zehn Prozent, wissenschaftliche Bibliotheken (Fachhochschule zum Beispiel) einen Rabatt von fünf Prozent.
Das sei eine Vorgabe des Deutschen Börsenvereins. Weltbild gewährt diesen Rabatt nicht. Deshalb kauft die Nordhäuser Bibliothek dort nicht ein.
Der Erwerb von Medien werde niemals ausgeschrieben, weil es in Deutschland die gesetzliche Preisbindung gibt. Eine Buchhandlung, die mehr Rabatt gewährt, würde sich strafbar machen. Der Buchfestpreis ist ein hohes Gut im deutschsprachigen Raum und ist Grundlage für die Verlagsvielfalt.
Zu den konkreten Zahlen: Der Medienetat der Stadtbibliothek umfasst 2014 erstmals nur noch 20.000 Euro. Bisher waren es immer 30.000 Euro. Hiervon sind 10. 000 Euro gebunden in ThuebibNet (Onlineausleihe) und Abonnements. 5.000 Euro gibt die Nordhäuser Stadtverwaltung für Zeitschriften und Fortsetzungsbestellungen aus. Lieferant war bisher Presseplus. Das sei gekündigt worden, lässt die Pressestelle mitteilen. Man beziehe die Zeitschriften jetzt seit 1. Juni über ILGE, ein Zeitschriftengroßhändler für Bibliotheken, weil dort 15 Prozent Rabatt zu erheischen seien. Dadurch konnte die Zeitschriftenanzahl erhöht werden. Zeitungen werden über den örtlichen Zeitschriftenhandel bezogen. Fortsetzungen über die entsprechenden Verlage.
5.000 Euro kosten die B-Books. Das rechnet die Bibliothek über die Landesfachstelle für öffentliche Bibliotheken ab. Die handelt für alle Einrichtungen die Konditionen aus. Der Vertrag einer Kommune richtet sich nach deren Größe und Einwohnerzahl.
Der verbleibende Medienetat von 10.000 Euro für Bücher wird proportional auf den örtlichen Buchhandel aufgeteilt. Das sei eine generelle Vorgehensweise aller Städte. "In Nordhausen werden Bücher in der Bahnhofsbuchhandlung, bei Buchhandlung Hartmann und im Buchhaus Rose gekauft", heißt es in der Rathaus-Antwort.
Das bedeutet im Umkehrschluss, das jeweils rund 3.300 Euro in den drei Buchhandlungen ausgegeben werden. Darüber kann in der Bücherstube Hartmann nur herzhaft gelacht werden. In diesem Jahr wurde bislang für sage und schreibe 367 Euro in der Bahnhofstraße eingekauft. Auch im vergangenen Jahr war es insgesamt nur eine dreistellige Summe, erinnert sich Frau Hartmann.
Ein ähnliches Ergebnis liefert die Recherche in der Bahnhofsbuchhandlung. Helmut Schneeberg muss lange überlegen und berichtet schließlich das Ergebnis der geschäftlichen Bücherbeziehungen zwischen seiner Buchhandlung und der Stadtverwaltung: In diesem Jahr belaufen sich die Geschäfte auf Null, im vergangenen Jahr wurden am Bahnhof für 64 Euro Bücher eingekauft. In diesem Jahr hatte die Nordhäuser Bibliothek noch keinen Einkäufe getätigt, außer dem erwähnten Betrag in der Bücherstube Hartmann.
Bleibt rein rechnerisch die Frage, was die Nordhäuser Stadtverwaltung unter proportionaler Aufteilung versteht oder ist es die räumliche Nähe zum verbleibenden Buchhaus Rose und die damit sprichwörtlich "kurzen Wege", mit der das "zarte" Ungleichgewicht begründet werden kann? Denn, das bestätigen Frau Hartmann und Herr Schneeberg: Es gebe kein Buch, das sie nicht bestellen können.
Peter-Stefan Greiner

