So, 12:27 Uhr
13.05.2001
Greife nie in ein fallendes Messer
Nordhausen (nnz). Das ist nicht die einzige Börsenweisheit, die Dr. Friedhelm Busch am Freitagabend in einer prall gefüllten Kreissparkasse in Nordhausen zu verbreiten wußte. NNZ hat seinen Vortrag zusammengefaßt und auch die Gelegenheit zu einem Interview genutzt.
Nordhausen (nnz). Das Warten hatte sich gelohnt. Der mit Verspätung eingetroffene Busch (er war nach seiner Sendung am Nachmittag in Frankfurt/Main mit dem Auto über Erfurt nach Nordhausen gefahren) hat es verstanden, in einem engagierten und kurzweiligen, außerdem mit Humor gewürzten Vortrag die Besucher mitzureißen. Der promovierte Volkswirt, dem man das Rentenalter weder ansieht noch anmerkt, begann mit einem Geständnis: Die Börse ist so verwirrend, daß ich selber nicht weiß, was ich machen soll." Bloß gut, daß es solchen Fachleuten auch nicht anders geht als Otto Normalanleger. Im Laufe des Abends präzisierte der Börsenexperte aus dem n-tv-Fernsehen allerdings seinen Standpunkt, und da gab es für jeden der Zuhörer etwas zu lernen und mitzunehmen.
Das Messer am Neuen Markt fällt immer noch", orakelte Busch und empfahl eher die Standardtitel zum Kauf. Man solle sich nicht durch einen exorbitant gefallenen Kurs eines Wertes am Neuen Markt zu der Annahme verleiten lassen, dieser Kurs könne nicht noch weiter in den Keller gehen. Dann begann der Fernsehmann, den Neuen Markt aufs Korn zu nehmen. Und da wuchs dann kein Gras mehr. Junge Leute ohne Verständnis von Betriebswirtschaft und Controlling, ohne Schlips und Stuhl hätten sich mit einer guten Idee zusammengetan und eine Firma gegründet. Und die Anleger hätten ihnen ihr Geld in den Rachen geschmissen, ohne nach Zahlen und Fakten zu fragen. Visionen wurden gehandelt, ohne Fundament. Schließlich hatte Bill Gates ja auch mal in einer Garage angefangen, und vielleicht war ja gerade dieser Börsenneuling ein aufkommender Bill. Da wollte man auf den Zug aufspringen, und die Phase der -zigfach überzeichneten Neuemissionen brach an. In vielen Fällen ging das Konzept der Anleger ja auch auf, räumte Busch ein. Beispiel EM.TV. Viele sind mit der Aktie reich geworden, die auf ihrem Höchststand 25.000 Prozent Kursgewinn gebracht hatte.
Im nachhinein habe sich dann der mangelnde Sachverstand von Finanzchef Florian Haffa gerächt, dem die Grundlagen der Finanzbuchhaltung fremd gewesen seien. Das sei zuerst den amerikanischen Anlegern bitter aufgestoßen, weshalb sie sich von der EM.TV-Aktie verabschiedet hätten. Das Desaster, das danach kam, kennen wir alle. Auch Intershop-Gründer Stephan Schambach hätte laut Busch erst einmal kleinere, europäische Brötchen backen sollen, anstatt sich nach Amerika aufzumachen, wo sich Firmen wie diese gegenseitig auf die Füße träten. Busch wollte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden: Auch er glaube an die Zukunft des Internets und der Informationstechnologie, aber nicht an kleine Garagenfirmen, die mit nur einem Produkt am Markt bestehen wollten. Die Zeit der Insellösungen sei nämlich vorbei. Vielmehr werden die Old-Economy-Firmen den Internetmarkt aufrollen und notfalls die kleinen Newcomer schlucken. Bis das Internet überhaupt lukrativ werde, würden Garagenfirmen verhungern. Nur die Großen hätten genügend Kapital zum Überbrücken der Durststrecke in der Hinterhand.
Und vielleicht, weil die Sparkasse zu diesem Abend in Nordhausen eingeladen hatte, machte Busch auch einen Schlenker zu den Onlinebrokern und Direktbanken. Die würden sich ohne Beratung auch nicht halten können. Zwar seien die Transaktionskosten niedrig, doch am Ende käme trotzdem ein Fehlinvestment teurer, als wenn man sich vorher ordentlich hätte beraten lassen. Und gute Beratung habe eben ihren Preis. Aber nicht alle Aktien des Neuen Marktes wollte Busch verteufeln. Die guten und substanzhaltigen Titel (Aixtron, Qiagen) seien aber auch entsprechend gut bezahlt.
Sauer war der Referent vor allem über die letzte Zinssenkung der EZB. Angesichts einer Inflation von 2,9 Prozent in Deutschland (angestrebt sind 2 Prozent) hätten wir uns das nicht leisten können. Und da die Truppe um Wim Duisenberg ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet sei, hätte man sich von der Industrie niemals zu einer Zinssenkung drängen lassen dürfen, nur um die Konjunktur am Laufen zu halten. Natürlich wurde auch der Blick nach Amerika gewagt. Und hier sieht Busch keinesfalls so schwarz für die Konjunktur, wie allenthalben zu hören ist. Nur, weil die Aktienkurse mal nicht jeden Tag steigen, ist die Konjunktur noch lange nicht am Boden. Wir haben es in Amerika noch immer mit einem steigenden Bruttoinlandsprodukt zu tun, die Arbeitslosigkeit liegt bei 4,5 Prozent (4 Prozent gilt als Vollbeschäftigung), die Zahl der Hausneubauten nimmt zu, auch der Konsum steigt. Also wo ist das Problem? Es könnte die Inflation sein. Und hier besonders die steigenden Preise für Strom und Sprit. Das mache sicher noch dieses Jahr Leitzinserhöhungen nötig, ist Busch überzeugt. Und dann würden viele Aktienbesitzer aus allen Wolken fallen.
Ohne Tipps läßt man natürlich keinen Börsenexperten gehen. Und hier verweist Busch auf die Riester-Rente, die den Versicherungs- und Bankentiteln Aufschwung verleihen könnte. Außerdem würde die Tatsache, daß sich Unternehmen steuerfrei von Beteiligungen trennen könnten, auch diesen Werten zu gutem Geld verhelfen. Und da die Menschen immer älter werden, empfiehlt Busch auch weiter Investments in Pharma-, Gesundheits- und Biotechtitel. Man könne auch schon in Mobilfunkunternehmen wie Nokia gehen, denn diese Branche stehe vor einem großen Wandel. Die Nutzungsmöglichkeiten des Handys würden stark erweitert, so daß die Konsumenten in einigen Jahren die neue Handygeneration kaufen würden. Gute Aussichten für den Umsatz. Auch der günstig bewertete Maschinenbau und die Autoindustrie sind für Busch ein Kauf. Auf Nachfrage erklärte Busch im Interview, daß er auch den mit Umweltschutz befaßten Unternehmen Potential zutraue, Stichworte Brennstoffzelle, Wasserstoff, Wasser, Wind. Je mehr der Ölpreis in die Höhe gehe, um so mehr bemühe man sich um alternative Energiequellen.
Vom Einstieg in die Versorger rät Busch dagegen ab, hier belaste der ewige Streit um den Atomkonsens zu sehr. Auf die Rolle der Analysten für die Aktienauswahl der Privatanleger angesprochen, sieht Busch Probleme: Wenn ein Analyst in der Öffentlichkeit zitiert wird, ist meistens seine Analyse längst von den Kunden seines Arbeitgebers genutzt worden." Mit anderen Worten: Es könnte sein, man rennt den Kursen hinterher, nachdem sich andere längst mit dem Papier eingedeckt haben. Weiter verweist Busch darauf, daß sich jeder Analyst nennen dürfe, denn der Beruf sei nicht geschützt. Und: Ich habe häufig den Eindruck, daß die Analysten glauben, sie seien die besseren Unternehmer." Sie würden oft in die Management-Entscheidungen hineinreden. Und wenn sie dann kein Gehör bei den Unternehmern fänden, würden negative Unternehmenseinschätzungen der Analysten in der Presse landen. Auch hier könne ein Anleger falschen Informationen aufsitzen.
Greife nie in ein fallendes Messer. Diese Börsenweisheit hat Dr. Friedhelm Busch als Titel für ein Buch gewählt. NNZ wollte wissen, ob er weiteren Börsenweisheiten vertraut. Der schlimmste Feind der Anleger ist die Gier", gibt Busch zurück. Viele Menschen seien hereingefallen, weil sie über ihre Verhältnisse spekuliert hätten. 70 Prozent der amerikanischen Daytrader seien nach einem Jahr pleite. Zurück zur Bescheidenheit und zur Vernunft sei die Devise.
Die Frage nach der optimalen Haltezeit für Aktien wollte der Börsenexperte nicht eindeutig beantworten. Entgegen der Meinung vieler solle sich der Anleger aber auf keinen Fall schlafen legen und erst Jahre später nach dem Depot schauen. Mann müsse stets das wirtschaftliche Umfeld und die Branche beobachten. Auch könne man nicht darauf vertrauen, daß sich eine ins Bodenlose abgesackte Aktie irgendwann wieder erhole. Je nach Markteinschätzung könne es da schon mal besser sein, sich sofort mit Verlust von dem Investment zu trennen. Auch ab und zu eine Gewinnmitnahme sei in Ordnung. Von Haltedauern zwischen Wochen und Monaten will Busch aber nichts wissen.
Ein bißchen mehr Zeit sollte man mitbringen. Und an die Adresse der Fans von festverzinslichen Anlageformen: Es gibt keine risikolose Geldanlage. Auch ein Sparbuch ist nicht risikolos, denn wenn die Inflationsrate größer ist als der Zins, dann verliert auch das Sparbuch an Wert." Die älteren Anleger sollten es auf keinen Fall versäumen, rechtzeitig vor der Rente umzuschichten: sukzessive raus aus Aktien und rein in Festverzinsliche. Hier könnte sich allerdings ein Problem ergeben, daß in den USA für 2008, in Europa für 2035 prognostiziert wird: Wenn die sogenannte Babyboomer-Generation an die Rente heranrückt und aus den Aktien heraus will, dann könnte das dem Markt einen starken Dämpfer versetzen. Viele Menschen wollten dann Aktien abstoßen. Die Nachfrage würde fehlen, die Kurse sinken. Dann könnte der Traum von der gesicherten Rente ausgeträumt sein.
Wer Dr. Busch auf dem Börsenterrain im Fernsehen erleben möchte, der wird immer weniger die Gelegenheit dazu haben. Der ehemalige Leiter des Wirtschaftsressorts der ARD-Tagesthemen will sich mehr und mehr aufs Altenteil zurückziehen. Jetzt arbeitet er noch 100 Tage pro Jahr, 2002 sollen es nur noch 80 Tage sein. Irgendwann wird er sich nur noch in Spanien aufhalten, wo er auch jetzt schon lebt. Aber eben mit Unterbrechungen, für die die n-tv-Gucker ihm dankbar sind.
Autor: ssNordhausen (nnz). Das Warten hatte sich gelohnt. Der mit Verspätung eingetroffene Busch (er war nach seiner Sendung am Nachmittag in Frankfurt/Main mit dem Auto über Erfurt nach Nordhausen gefahren) hat es verstanden, in einem engagierten und kurzweiligen, außerdem mit Humor gewürzten Vortrag die Besucher mitzureißen. Der promovierte Volkswirt, dem man das Rentenalter weder ansieht noch anmerkt, begann mit einem Geständnis: Die Börse ist so verwirrend, daß ich selber nicht weiß, was ich machen soll." Bloß gut, daß es solchen Fachleuten auch nicht anders geht als Otto Normalanleger. Im Laufe des Abends präzisierte der Börsenexperte aus dem n-tv-Fernsehen allerdings seinen Standpunkt, und da gab es für jeden der Zuhörer etwas zu lernen und mitzunehmen.
Das Messer am Neuen Markt fällt immer noch", orakelte Busch und empfahl eher die Standardtitel zum Kauf. Man solle sich nicht durch einen exorbitant gefallenen Kurs eines Wertes am Neuen Markt zu der Annahme verleiten lassen, dieser Kurs könne nicht noch weiter in den Keller gehen. Dann begann der Fernsehmann, den Neuen Markt aufs Korn zu nehmen. Und da wuchs dann kein Gras mehr. Junge Leute ohne Verständnis von Betriebswirtschaft und Controlling, ohne Schlips und Stuhl hätten sich mit einer guten Idee zusammengetan und eine Firma gegründet. Und die Anleger hätten ihnen ihr Geld in den Rachen geschmissen, ohne nach Zahlen und Fakten zu fragen. Visionen wurden gehandelt, ohne Fundament. Schließlich hatte Bill Gates ja auch mal in einer Garage angefangen, und vielleicht war ja gerade dieser Börsenneuling ein aufkommender Bill. Da wollte man auf den Zug aufspringen, und die Phase der -zigfach überzeichneten Neuemissionen brach an. In vielen Fällen ging das Konzept der Anleger ja auch auf, räumte Busch ein. Beispiel EM.TV. Viele sind mit der Aktie reich geworden, die auf ihrem Höchststand 25.000 Prozent Kursgewinn gebracht hatte.
Im nachhinein habe sich dann der mangelnde Sachverstand von Finanzchef Florian Haffa gerächt, dem die Grundlagen der Finanzbuchhaltung fremd gewesen seien. Das sei zuerst den amerikanischen Anlegern bitter aufgestoßen, weshalb sie sich von der EM.TV-Aktie verabschiedet hätten. Das Desaster, das danach kam, kennen wir alle. Auch Intershop-Gründer Stephan Schambach hätte laut Busch erst einmal kleinere, europäische Brötchen backen sollen, anstatt sich nach Amerika aufzumachen, wo sich Firmen wie diese gegenseitig auf die Füße träten. Busch wollte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden: Auch er glaube an die Zukunft des Internets und der Informationstechnologie, aber nicht an kleine Garagenfirmen, die mit nur einem Produkt am Markt bestehen wollten. Die Zeit der Insellösungen sei nämlich vorbei. Vielmehr werden die Old-Economy-Firmen den Internetmarkt aufrollen und notfalls die kleinen Newcomer schlucken. Bis das Internet überhaupt lukrativ werde, würden Garagenfirmen verhungern. Nur die Großen hätten genügend Kapital zum Überbrücken der Durststrecke in der Hinterhand.
Und vielleicht, weil die Sparkasse zu diesem Abend in Nordhausen eingeladen hatte, machte Busch auch einen Schlenker zu den Onlinebrokern und Direktbanken. Die würden sich ohne Beratung auch nicht halten können. Zwar seien die Transaktionskosten niedrig, doch am Ende käme trotzdem ein Fehlinvestment teurer, als wenn man sich vorher ordentlich hätte beraten lassen. Und gute Beratung habe eben ihren Preis. Aber nicht alle Aktien des Neuen Marktes wollte Busch verteufeln. Die guten und substanzhaltigen Titel (Aixtron, Qiagen) seien aber auch entsprechend gut bezahlt.
Sauer war der Referent vor allem über die letzte Zinssenkung der EZB. Angesichts einer Inflation von 2,9 Prozent in Deutschland (angestrebt sind 2 Prozent) hätten wir uns das nicht leisten können. Und da die Truppe um Wim Duisenberg ausschließlich der Preisstabilität verpflichtet sei, hätte man sich von der Industrie niemals zu einer Zinssenkung drängen lassen dürfen, nur um die Konjunktur am Laufen zu halten. Natürlich wurde auch der Blick nach Amerika gewagt. Und hier sieht Busch keinesfalls so schwarz für die Konjunktur, wie allenthalben zu hören ist. Nur, weil die Aktienkurse mal nicht jeden Tag steigen, ist die Konjunktur noch lange nicht am Boden. Wir haben es in Amerika noch immer mit einem steigenden Bruttoinlandsprodukt zu tun, die Arbeitslosigkeit liegt bei 4,5 Prozent (4 Prozent gilt als Vollbeschäftigung), die Zahl der Hausneubauten nimmt zu, auch der Konsum steigt. Also wo ist das Problem? Es könnte die Inflation sein. Und hier besonders die steigenden Preise für Strom und Sprit. Das mache sicher noch dieses Jahr Leitzinserhöhungen nötig, ist Busch überzeugt. Und dann würden viele Aktienbesitzer aus allen Wolken fallen.
Ohne Tipps läßt man natürlich keinen Börsenexperten gehen. Und hier verweist Busch auf die Riester-Rente, die den Versicherungs- und Bankentiteln Aufschwung verleihen könnte. Außerdem würde die Tatsache, daß sich Unternehmen steuerfrei von Beteiligungen trennen könnten, auch diesen Werten zu gutem Geld verhelfen. Und da die Menschen immer älter werden, empfiehlt Busch auch weiter Investments in Pharma-, Gesundheits- und Biotechtitel. Man könne auch schon in Mobilfunkunternehmen wie Nokia gehen, denn diese Branche stehe vor einem großen Wandel. Die Nutzungsmöglichkeiten des Handys würden stark erweitert, so daß die Konsumenten in einigen Jahren die neue Handygeneration kaufen würden. Gute Aussichten für den Umsatz. Auch der günstig bewertete Maschinenbau und die Autoindustrie sind für Busch ein Kauf. Auf Nachfrage erklärte Busch im Interview, daß er auch den mit Umweltschutz befaßten Unternehmen Potential zutraue, Stichworte Brennstoffzelle, Wasserstoff, Wasser, Wind. Je mehr der Ölpreis in die Höhe gehe, um so mehr bemühe man sich um alternative Energiequellen.
Vom Einstieg in die Versorger rät Busch dagegen ab, hier belaste der ewige Streit um den Atomkonsens zu sehr. Auf die Rolle der Analysten für die Aktienauswahl der Privatanleger angesprochen, sieht Busch Probleme: Wenn ein Analyst in der Öffentlichkeit zitiert wird, ist meistens seine Analyse längst von den Kunden seines Arbeitgebers genutzt worden." Mit anderen Worten: Es könnte sein, man rennt den Kursen hinterher, nachdem sich andere längst mit dem Papier eingedeckt haben. Weiter verweist Busch darauf, daß sich jeder Analyst nennen dürfe, denn der Beruf sei nicht geschützt. Und: Ich habe häufig den Eindruck, daß die Analysten glauben, sie seien die besseren Unternehmer." Sie würden oft in die Management-Entscheidungen hineinreden. Und wenn sie dann kein Gehör bei den Unternehmern fänden, würden negative Unternehmenseinschätzungen der Analysten in der Presse landen. Auch hier könne ein Anleger falschen Informationen aufsitzen.
Greife nie in ein fallendes Messer. Diese Börsenweisheit hat Dr. Friedhelm Busch als Titel für ein Buch gewählt. NNZ wollte wissen, ob er weiteren Börsenweisheiten vertraut. Der schlimmste Feind der Anleger ist die Gier", gibt Busch zurück. Viele Menschen seien hereingefallen, weil sie über ihre Verhältnisse spekuliert hätten. 70 Prozent der amerikanischen Daytrader seien nach einem Jahr pleite. Zurück zur Bescheidenheit und zur Vernunft sei die Devise.
Die Frage nach der optimalen Haltezeit für Aktien wollte der Börsenexperte nicht eindeutig beantworten. Entgegen der Meinung vieler solle sich der Anleger aber auf keinen Fall schlafen legen und erst Jahre später nach dem Depot schauen. Mann müsse stets das wirtschaftliche Umfeld und die Branche beobachten. Auch könne man nicht darauf vertrauen, daß sich eine ins Bodenlose abgesackte Aktie irgendwann wieder erhole. Je nach Markteinschätzung könne es da schon mal besser sein, sich sofort mit Verlust von dem Investment zu trennen. Auch ab und zu eine Gewinnmitnahme sei in Ordnung. Von Haltedauern zwischen Wochen und Monaten will Busch aber nichts wissen.
Ein bißchen mehr Zeit sollte man mitbringen. Und an die Adresse der Fans von festverzinslichen Anlageformen: Es gibt keine risikolose Geldanlage. Auch ein Sparbuch ist nicht risikolos, denn wenn die Inflationsrate größer ist als der Zins, dann verliert auch das Sparbuch an Wert." Die älteren Anleger sollten es auf keinen Fall versäumen, rechtzeitig vor der Rente umzuschichten: sukzessive raus aus Aktien und rein in Festverzinsliche. Hier könnte sich allerdings ein Problem ergeben, daß in den USA für 2008, in Europa für 2035 prognostiziert wird: Wenn die sogenannte Babyboomer-Generation an die Rente heranrückt und aus den Aktien heraus will, dann könnte das dem Markt einen starken Dämpfer versetzen. Viele Menschen wollten dann Aktien abstoßen. Die Nachfrage würde fehlen, die Kurse sinken. Dann könnte der Traum von der gesicherten Rente ausgeträumt sein.
Wer Dr. Busch auf dem Börsenterrain im Fernsehen erleben möchte, der wird immer weniger die Gelegenheit dazu haben. Der ehemalige Leiter des Wirtschaftsressorts der ARD-Tagesthemen will sich mehr und mehr aufs Altenteil zurückziehen. Jetzt arbeitet er noch 100 Tage pro Jahr, 2002 sollen es nur noch 80 Tage sein. Irgendwann wird er sich nur noch in Spanien aufhalten, wo er auch jetzt schon lebt. Aber eben mit Unterbrechungen, für die die n-tv-Gucker ihm dankbar sind.

