Mi, 07:35 Uhr
09.04.2014
Möglichst alle mitnehmen
In knapp sieben Wochen werden die Gemeinderäte und der Kreistag neu gewählt. Viele Namen auf den Listen sind bekannt, einige aber neu. Mit einer der interessantesten Personalien hat sich die nnz unterhalten...
Es ist Toni Pille. Auf den Tag exakt 20 Jahre leitete er die Geschicke des Nordhäuser Südharz-Krankenhauses. Seit einigen Tagen befindet sich der Diplom-Volkswirt im Ruhestand. Sowohl in Nordhausen als auch später in Südthüringen war der 58jährige immer Chef von kommunalen Kliniken, hatte immer mit der kommunalen Politik zu tun. Das war teils erfreulich, teils unerfreulich.
Jetzt aber, so meint Antonius Pille, sei der Zeitpunkt gekommen, sich in genau diese Politik einzumischen. Er, der Parteilose, wurde angesprochen. Von der FDP. Ausgerechnet diese Partei, deren Mitglieder und Sympathisanten ihn, respektive das Krankenhaus, einst mit allerlei Unerquicklichem in einem Wahlkampf zu schaffen machten. Und da ist diese Frage - warum gerade die FDP? - geradezu unausweichlich.
"Die FDP in der Nordhäuser Region ist die einzige Partei, die an der kommunalen Basis innerlich nicht zerstritten erscheint. Da gibt es keine Grabenkämpfe zwischen Stadt und Landkreis. Und liberale Politik ist de facto nicht nur Steuersenkung oder ungebremstes Wirtschaftswachstum. Liberale Politik hatte schon immer eine soziale Komponente. Der will ich mit der Aufstellung auf den Listen für Stadtrat und Kreistag mehr Gewicht verleihen. Vorausgesetzt, der Wähler ermöglicht mir das", sagt Pille im Gespräch mit der nnz.
Für Antonius Pille gibt es derzeit in den Gemeinde- und auch in der Kreisverwaltung kein abgestimmtes Konzept einer sozialen Politik. "Nur Geld verteilen, das ist zu wenig." Vielmehr will Pille Fragen stellen und nach Antworten suchen. Zum Beispiel: Wo will eine Kommune sozial-politisch hin? Was ist das Ziel? Wie kann das - auch im Landkreis Nordhausen vorhandene viele Geld - dorthin fließen, wo es am meisten gebraucht wird. Die Gesellschaft, das Gemeinwesen müsse dafür sorgen, dass möglichst alle mitgenommen werden. Das müsse nicht nur der Bundes- und Landespolitik überlassen werden, das kann zum größten Teil in der Kommune geregelt werden.
Toni Pille hat sich vorgenommen, so er es denn tatsächlich in Stadtrat oder Kreistag schaffen würde, nicht das zu kritisieren, was gemacht wurde, sondern Ansätze und Ideen zu suchen, wie man es hätte anders machen können. Wie oder was man aus Fehlern lernen sollte und: wie das Vorhandene so ein- oder umgesetzt werden kann, dass möglichst vielen Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewährt werden kann. Am normalsten dieser Welt.
Als Mensch mit norddeutschen Wurzeln sagt Pille zum Beispiel, dass das Millionengrab Elb-Philharmonie in Hamburg - sollte es denn irgendwann mal eröffnet werden - für die "oberen Zehntausend" gebaut wurden. Nun will Pille Hamburg nicht mit Nordhausen vergleichen. Aber das Theater auch für die Menschen zu öffnen, die sich keine Karten zu normalen Preisen leisten können, das wäre doch mal ein Denkansatz.
Soziale Arbeit aller Träger, aller Verantwortlichen in einem Raum so zu koordinieren, so zu lenken, dass sie effektiv wird, dass sie auch die Menschen erreicht, die vielleicht vom Mainstream abgeschrieben wurden, das wäre ein Ziel, das sich Pille vorgenommen hat.
Auf den ersten und zweiten Blick sieht das alles wie Phantasterei aus. Wer jedoch den unverstellten Blick in die Gesellschaft hineinwagt, der wird erkennen, dass es sich lohnen könnte, Politik auch im lokalen Revier anders auszurichten. Man muss es anfangen, so man denn überhaupt will. Das vermutlich wird für Antonius Pille die größte Unbekannte in den kommenden Monaten bleiben. Vorausgesetzt - er bekommt am 25. Mai so viele Stimmen, dass es für ein Mandat reicht.
Peter-Stefan Greiner
Autor: redEs ist Toni Pille. Auf den Tag exakt 20 Jahre leitete er die Geschicke des Nordhäuser Südharz-Krankenhauses. Seit einigen Tagen befindet sich der Diplom-Volkswirt im Ruhestand. Sowohl in Nordhausen als auch später in Südthüringen war der 58jährige immer Chef von kommunalen Kliniken, hatte immer mit der kommunalen Politik zu tun. Das war teils erfreulich, teils unerfreulich.
Jetzt aber, so meint Antonius Pille, sei der Zeitpunkt gekommen, sich in genau diese Politik einzumischen. Er, der Parteilose, wurde angesprochen. Von der FDP. Ausgerechnet diese Partei, deren Mitglieder und Sympathisanten ihn, respektive das Krankenhaus, einst mit allerlei Unerquicklichem in einem Wahlkampf zu schaffen machten. Und da ist diese Frage - warum gerade die FDP? - geradezu unausweichlich.
"Die FDP in der Nordhäuser Region ist die einzige Partei, die an der kommunalen Basis innerlich nicht zerstritten erscheint. Da gibt es keine Grabenkämpfe zwischen Stadt und Landkreis. Und liberale Politik ist de facto nicht nur Steuersenkung oder ungebremstes Wirtschaftswachstum. Liberale Politik hatte schon immer eine soziale Komponente. Der will ich mit der Aufstellung auf den Listen für Stadtrat und Kreistag mehr Gewicht verleihen. Vorausgesetzt, der Wähler ermöglicht mir das", sagt Pille im Gespräch mit der nnz.
Für Antonius Pille gibt es derzeit in den Gemeinde- und auch in der Kreisverwaltung kein abgestimmtes Konzept einer sozialen Politik. "Nur Geld verteilen, das ist zu wenig." Vielmehr will Pille Fragen stellen und nach Antworten suchen. Zum Beispiel: Wo will eine Kommune sozial-politisch hin? Was ist das Ziel? Wie kann das - auch im Landkreis Nordhausen vorhandene viele Geld - dorthin fließen, wo es am meisten gebraucht wird. Die Gesellschaft, das Gemeinwesen müsse dafür sorgen, dass möglichst alle mitgenommen werden. Das müsse nicht nur der Bundes- und Landespolitik überlassen werden, das kann zum größten Teil in der Kommune geregelt werden.
Toni Pille hat sich vorgenommen, so er es denn tatsächlich in Stadtrat oder Kreistag schaffen würde, nicht das zu kritisieren, was gemacht wurde, sondern Ansätze und Ideen zu suchen, wie man es hätte anders machen können. Wie oder was man aus Fehlern lernen sollte und: wie das Vorhandene so ein- oder umgesetzt werden kann, dass möglichst vielen Menschen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gewährt werden kann. Am normalsten dieser Welt.
Als Mensch mit norddeutschen Wurzeln sagt Pille zum Beispiel, dass das Millionengrab Elb-Philharmonie in Hamburg - sollte es denn irgendwann mal eröffnet werden - für die "oberen Zehntausend" gebaut wurden. Nun will Pille Hamburg nicht mit Nordhausen vergleichen. Aber das Theater auch für die Menschen zu öffnen, die sich keine Karten zu normalen Preisen leisten können, das wäre doch mal ein Denkansatz.
Soziale Arbeit aller Träger, aller Verantwortlichen in einem Raum so zu koordinieren, so zu lenken, dass sie effektiv wird, dass sie auch die Menschen erreicht, die vielleicht vom Mainstream abgeschrieben wurden, das wäre ein Ziel, das sich Pille vorgenommen hat.
Auf den ersten und zweiten Blick sieht das alles wie Phantasterei aus. Wer jedoch den unverstellten Blick in die Gesellschaft hineinwagt, der wird erkennen, dass es sich lohnen könnte, Politik auch im lokalen Revier anders auszurichten. Man muss es anfangen, so man denn überhaupt will. Das vermutlich wird für Antonius Pille die größte Unbekannte in den kommenden Monaten bleiben. Vorausgesetzt - er bekommt am 25. Mai so viele Stimmen, dass es für ein Mandat reicht.
Peter-Stefan Greiner



