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Mi, 08:56 Uhr
22.01.2014

Heimatgeschichte: Die Wipper (1)

Liebe Leser der Nordthüringer Online-Zeitungen, lassen sie sich doch bitte einmal von Horst Rasemann entführen auf eine interessante Wanderung entlang der Wipper in vier Teilen, von der Quelle im Eichsfeld in Worbis bis zur Mündung in die Unstrut bei Sachsenburg an der berühmten Porta Thuringiaca (Thüringer Pforte)...


Teil 1: Von der Quelle bis nach Niedergebra

Zu den reizvollsten Landschaften unserer Region zählt zweifellos für jeden Heimatfreund die nordthüringische Hügellandschaft mit dem schönen Wippertal. Eingerahmt von den Höhenzügen der nördlichen Begrenzung des Thüringer Beckens, des aus dem Eichsfeld ostwärts schwenkenden Düns und der Hainleite, dem Ohmgebirge, den Bleicheröder Bergen und der Windleite, windet sich in zahlreichen Mäandern auf wiesenreichem Grund von Worbis her die „ Wipper“, um bei Sachsenburg in die Unstrut zu münden.

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Das Tal des Flusses und sein Verlauf sind seit frühester Geschichte vornehmlich Siedlungsraum der Menschen. Die ersten Ansiedler fanden in den nahen Wäldern Bau- und Brennholz in Hülle und Fülle. Auf der anderen Seite gewährte ihnen der Wasserlauf der Wipper einen gewissen Schutz gegen Viehräuber, denn der Wohlstand der Bewohner bestand damals vor allem aus Haustieren.

Die Brunnen gaben ein gutes und gesundes Trinkwasser und die fruchtbaren Fluren trugen Getreide und Wurzelfrüchte im Überfluss. Die Berge zu beiden Seiten schützten gegen die rauen Winde des Nordens. Wohl waren die neuen Siedlungen einsam gelegen, aber der durchlaufende alte Weg vom Rhein zur Elbe gewährleistete doch eine Berührung mit der Außenwelt.

So führte schon in früher Zeit durch das von West nach Ost laufende Wippertal im oberen Bereich eine alte Handelsstraße, welche, von Braunschweig über Osterode und Duderstadt gehend, von Worbis aus dem Lauf der Wipper folgte, von da schräg durch die Niedergebraische Flur verlief, durch den Pass bei Lohra die Hainleite erstieg und dann über Kleinberndten, Dietenborn, Ebeleben und Gebesee ihre Richtung nach Erfurt nahm.

Obwohl von geringer Breite, weil nur für Karren und Lasttiere berechnet, war sie doch von Relevanz, weil sie den Verkehr zwischen den altsächsischen Ländern und Thüringen vermittelte, bis sie im 16. Jahrhundert durch die Hamburg-Magdeburger Straße überflügelt wurde und damit ihre Bedeutung verlor. Auch eine Heerstraße führte seit alters her durch das Tal. Sie teilte sich bei dem eichsfeldischen Ort Beuren und traf erst im Wippertal, und zwar unterhalb des Katzensteins bei Sollstedt, wieder zusammen.

Doch nun wandern wir am Lauf der Wipper entlang, streifen durch das Ursprungsgebiet und folgen ihrem Lauf bis zur Mündung unterhalb der Thüringer Pforte. Zwar entbehrt der Fluss der dichterisch-musikalischen Huldigung, wie es z.B. die unsterblichen Melodien der symphonischen Dichtung „Der Moldau“ von Smetana sind, die diesen Fluss vom unscheinbaren Gebirgsquell bis zum breiten Strom in das Böhmische Becken begleiten, jedoch die Wipper ist nicht minder beschaulich.

Betrachten wir unsere geographische Landkarte, so stellen wir fest, dass es noch zwei Flüsse mit ähnlichen Namen gibt. Es sind dies die Wipfra im Thüringischen Becken und die Wipper im Harz. Unsere Wipper erhielt ihren Namen Ende des 9.Jahrhunderts. Damals hieß sie noch „Uipparaha“ und um 1170 wurde sie „Wyppera“ genannt. Dieser Name bedeutet „Der singende springende Wasserlauf“.

Die Quelle unserer Wipper liegt im Unter-Eichsfeld. Sie entspringt in der in 350 m Höhe am Südhang des waldreichen Ohmgebirges liegenden kleinen Stadt Worbis, im Norden des Landes Thüringen. Hier sind nicht nur zahlreiche Wipperquellen vorhanden, es entspringen auf dem ehemaligen Grundstück der mehr als hundertjährigen Brauerei „Neuspringe“ auch neun Quellen der Hahle. Mit Fug und Recht spricht man auch von Worbis als dem Städtchen auf der Wasserscheide, denn der Ort ist gleichzeitig die Grenzlinie zwischen verschiedenen Einzugsgebieten, von wo aus das Wasser nach gegensätzlichen Richtungen abfließt.

So führt quer durch den Ort eine Wasserscheide zwischen Weser und Elbe. Die Wipperquellen fließen über die Unstrut und Saale in die Elbe, während die Hahlequellen, die ihren Lauf entgegengesetzt der Wipper nehmen, ihr Wasser der Weser zuführen. Die Quellen in Worbis befinden sich in einer Schicht, die an der unteren Grenze des Muschelkalks liegt und dem Buntsandstein auflagert. Durch den Muschelkalk, der sehr wasserdurchlässig ist, sickern die Niederschläge in die Tiefe, sammeln sich an den tonhaltigen Schichten und treten schließlich an den Berghängen, oder, wie im Falle der Stadt Worbis, auch im Tal als sprudelnde Quellen hervor.

Die Hauptquelle der Wipper in Worbis (Foto: Archiv Rasemann) Die Hauptquelle der Wipper in Worbis (Foto: Archiv Rasemann)

Eine steinerne Einfassung kennzeichnet die Hauptquelle der Wipper (siehe Foto)in der Nähe des Landratsamtes. Noch in der Stadt wird diese durch andere Quellflüsse an Volumen bereichert. Am Ortsrand von Worbis, liegt die im Jahre 1828 gegründete Wassermühle, die heute noch der Herstellung von Mehlen und Futtermitteln dient. Die Mühlanlage ist als Vierseitenhof ausgebildet und gehört nun bereits schon in der fünften Generation der Müllerfamilie Büschleb.

Mühle (Foto: Archiv Rasemann) Mühle (Foto: Archiv Rasemann) Eine Besonderheit ist hier die Zuführung des Wassers über ein aus Bögen ausgeführtes Sandsteinaquädukt, welches das sieben Meter hohe Wasserrad speist. Dieses eingehauste Wasserrad ist außergewöhnlich und heute nur noch in wenigen Fällen in Deutschland erhalten. Mit der 1994 sanierten Wasserkraftanlage wird Energie gewonnen. Nach Voranmeldung kann auch die Mühle besichtigt werden. Die Wipper fließt nun als größerer Bach in einem Wiesental über Kirchworbis nach Bernterode.

Jetzt begleitet die Wipper die Muschelkalkhöhenzüge des Dün und der Hainleite und gibt dem Tal, das sie durchfließt, den Namen. Im Wippertal zwischen den Bleicheröder Bergen und der Hainleite liegt Niedergebra. Unweit der Wipper im Ort befindet sich „Der Blaue Hof“, ein barockes Wasserschloß.

Wasserschloss (Foto: Archiv Rasemann) Wasserschloss (Foto: Archiv Rasemann)

Ursprünglich gehörte es den Herren von Gebra. Ihre Wasserburg gelangte 1562 an den Landrat Friedrich Philipp von Hagen, der von 1730 – 32 den sogenannten „Blauen Hof“ umbauen ließ. Es entstand ein symmetrisch angelegter, viereckiger Massivbau mit quadratischen Türmen an den vier Ecken. (siehe Foto). Jetzt ist dieses ehemals schöne Denkmal in privaten Händen und leider den Verfall Preis gegeben.
Horst Rasemann
Autor: red

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Kommentare
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23.01.2014, 11:34 Uhr
kleine Berichtigung
Als ehemaliger Einwohner (28 Jahre) von Worbis möchte ich berichtigen, dass Worbis nicht im Unter-Eichsfeld liegt, sondern zum Obereichsfeld gehört. Ansonsten ist es ein interessanter Artikel - auch der 2. Teil.
Glaskugel
23.01.2014, 13:09 Uhr
Nee, passt schon
Das Obereichsfeld ist der südliche, höher gelegene Teil des Eichsfeldes. Außerdem wurden früher topographische Karten von Nord nach Süd "gelesen". Heute ist es genau anders herum. Weil ber die alten Bezeichnungen überliefert sind, liegen z.b. die Oberlausitz oder Oberbayern im südlichen Teil des Bezugsgebietes.
Glaskugel
23.01.2014, 13:36 Uhr
Nee, hast recht @Jens Körner
Hab nochmal nachgeguckt. Hast recht Jens Körner, Worbis gehört zum Obereichsfeld. Tut mir leid, hätte ich nicht vermutet.
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