eic kyf msh nnz uhz tv nt
Anzeige Refinery (c1)
So, 15:59 Uhr
19.01.2014

"Großer Bahnhof" für eine Künstlerlegende

Mit einer beeindruckenden Sonderausstellung ehrt das Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg seit 18. Januar einen der bedeutendsten Bildhauer und Grafiker Mitteldeutschlands: Heinz Scharr. Der begeht am 1. Juli seinen 90. Geburtstag. Bei der Vernissage am gestrigen Samstagabend war auch die nnz dabei...

Blick in das Auditorium (Foto: Heidelore Kneffel) Blick in das Auditorium (Foto: Heidelore Kneffel)

Wenn Kunstwerke des gebürtigen Sondershäusers und seit 1975 auf dem ehemaligen Komturhof Utterode bei Rehungen lebenden und wirkenden Heinz Scharr präsentiert werden, dann verwundert niemandem "das überwältigende Interesse", wie es Hannelore Haase (Die Linke), 2. Beigeordnete der Stadtverwaltung Nordhausen, in ihrer Begrüßung freudig konstatierte. Sie wünschte allen Anwesenden – und das waren an die 100 – "ein abwechslungsreiches und spannendes Kunstjahr".

Anzeige symplr (1)
In ihrer Laudatio ließ Susanne Hinsching eingangs die Biographie Heinz Scharrs Revue passieren: Am 1. Juli 1924 in Sondershausen geboren, arbeitete Scharr nach Schulabsovierung und einer Handwerkerlehre im Kalibergbau. Er wurde Soldat, lernte die Schrecken des Krieges kennen und geriet in Gefangenschaft. All dies verarbeitete er später in seiner Kunst. Zuvor aber studierte er an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig und wechselte Jahre später – bedingt durch sein wachsendes Interesse für Plastiken und Skulpturen – in die Bildhauerklasse.

Nach dem Studium ging er zurück in seine Heimatstadt Sondershausen, wo er in den 1960er und 1970er Jahren "neben Grafiken zahlreiche Metallplastiken für den öffentlichen Raum, die von Tierdarstellungen für Brunnen bis zu dem 40 m langen Kupferrelief für die KZ-Gedenkstätte Mitelbau-Dora reichte" entstanden, wie Susanne Hinsching zu Recht hervorhob.

Seit nahezu vier Jahrzehnten lebt und arbeitet Heinz Scharr mit seiner Frau Jutta in Utterode und bezeugt damit seine Naturverbundenheit, aus der er immer wieder neue Kraft für seine Kunst und die Erhaltung des Hofes schöpft. Die aktuelle Ausstellung zeigt hauptsächlich großformatige Holzschnitte, die sich in Schwarz-Weiß und in Farbe präsentieren. Die Laudatorin sprach einerseits von einer "Beherrschung der Technik, die durch ständiges Experimentieren entstanden ist", andererseits bilde dieses technische Können die Grundlage für die Umsetzung seiner künstlerischen Vorstellungen und Visionen.

Heinz Scharr (links) (Foto: Hans-Georg Backhaus) Heinz Scharr (links) (Foto: Hans-Georg Backhaus)

Zudem befasste sich Hinsching auch mit dem Einfluss von Farben auf Scharrs Kunstwerke und sagte: "Im Gegensatz zu seinen Radierungen verwendet Scharr in den Farbholzschnitten auch gern sehr expressive Farben, wie zum Beispiel das kräftige Rot." Dieses setze er dann in Kontrast zu Schwarz oder dunklem Blau und zu Weiß und nannte als Beispiel das Werk "Farbkomposition" (entstanden 1985), wo es scheint, als kämpften Rot und Schwarz miteinander und sich doch gegenseitig bedingten. Susanne Hinsching charakterisierte am Ende ihres Vortrages Heinz Scharr als einen, der "in senen Werken stets die Auseinandersetzung mit den Prozessen des Werdens und Vergehens" sucht. Sein künsterisches Anliegen sei es nicht, Vorhandenes abzubilden, sondern einen veränderlichen Prozess darzustellen, zum Beispiel den Verfall. Scharr besitze die Fähigkeit, seine Gefühle durch die Kunst auf den Betrachter zu übertragen.

Weggefährten - Gerd Mackensen (links) (Foto: Hans-Georg Backhaus) Weggefährten - Gerd Mackensen (links) (Foto: Hans-Georg Backhaus)

Mit diesen abschließenden Worten war es für die Laudatorin ein leichtes, auf Silke Gonska zu verweisen. Auch sie besitze die besondere Fähigkeit, ihre Gefühle durch Musik auszudrücken. Was sie dann auf beindruckende Art auch unter Beweis stellte. Sie brachte nämlich experimentellen Vocal-Jazz mit Hilfe eines elektronischen Musikinstrumentes – eines Live-Samplers – zu Gehör. Eine akustisch ungewohnte, dennoch faszinierende Vortragsform, die dieser Vernissage im wahrsten Sinne des Wortes zusätzlich eine besondere Note verlieh. Die Ausstellung ist noch bis zum 2. März 2014 zu den bekannten Öffnungszeiten im Nordhäuser Kunsthaus Meyenburg zu sehen.
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

Anzeige symplr (6)
Kommentare

Bisher gibt es keine Kommentare.

Kommentare sind zu diesem Artikel nicht möglich.
Es gibt kein Recht auf Veröffentlichung.
Beachten Sie, dass die Redaktion unpassende, inhaltlose oder beleidigende Kommentare entfernen kann und wird.
Anzeige symplr (9)
Anzeige symplr (8)