Fr, 13:43 Uhr
23.04.2004
FFH bedeutet für Gipswerke das Aus
Nordhausen/Ellrich (nnz). Die nnz hatte bereits vor Wochen über mögliche Auswirkungen einer Unterschutzstellung des Winkelberges für die Südharzer Gipswerke in Ellrich berichtet. Jetzt meldet sich deren Werkleiter, Dr. Tobias Jung, in der nnz zu Wort.
Vor kurzem hat die Südharzer Gipswerk GmbH (SHG) über die Medien erfahren müssen, dass es zu einer Nachmeldung nun auch des letzten Teils ihres Bergwerkseigentums Rüdigsdorf/Winkelberg als Teil des FFH – Gebietes Harzfelder Holz kommen soll. Diese Entscheidung hat existenzielle Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens. Dazu SHG-Werkleiter Tobias Jung: In Anbetracht der dramatischen Auswirkungen dieser Entscheidung ist es für uns mehr als verwunderlich, dass bislang keiner der politischen Entscheidungsträger mit dem betroffenen Unternehmen persönlich Kontakt aufgenommen hat.
Schon seit über 10 Jahren bemüht sich das Ellricher Unternehmen, die Rohstoffversorgung für das Spezialgipswerk und damit auch die rund 70 Arbeitsplätze langfristig zu sichern und eine Genehmigung für die Weiterführung des Gipsabbaus am Winkelberg zu erreichen. Bisher wurden am Standort bereits etwa 60 Millionen Euro investiert.
1997 kam es zu einer Einigung mit dem Land Thüringen und mit Vertretern des Umweltministeriums, in der das Unternehmen einer Einbeziehung von mehr als der Hälfte seiner Fläche in das bestehende Naturschutzgebiet zugestimmt hat. Im Vertrauen darauf, dass die Restfläche gemäß der Einigung dem Unternehmen als Zukunftssicherung zur Verfügung stehen würde, hat die SHG ein freiwilliges und aufwendiges Planfeststellungs-verfahren begonnen. Jetzt, mitten im Verfahren und nach zahlreichen Gutachten, scheint das Land seine Meinung zu ändern. Werkleiter Jung: Es ist schon schwierig genug in der momentanen wirtschaftlichen Situation zu überleben, da kann es nicht sein, dass die politischen Rahmenbedingungen jetzt zusätzlich für uns verschlechtert werden und eine FFH –Nachmeldung auf politischen Druck hin zur Abbauverhinderung missbraucht wird.
Die Südharzer Gipswerk GmbH produziert seit Jahren hochwertige Baustoffe und Spezialgipse. Dazu zählen vor allem Spezialspachtel und Handputze und Formengipse für die Keramische Industrie sowie Lebensmittelgipse, die beispielsweise als Konsistenz- und Trägermittel für die Produktion von Backprodukten und anderen Lebensmitteln Verwendung finden. Daneben liefert die SHG Grundstoffe für Medizinalgipse (Verbände und Dentalgipse). Außerdem, so Jung., produzieren wir auch die technisch nicht einfachen historischen Gipsmörtel, die u. a. bei der Restaurierung der Blasii-Kirche in Nordhausen hauptsächlich Verwendung fanden. Das Südharzer Gipswerk ist auf möglichst reine und hochwertige Rohstoffe angewiesen – eben solche, wie sie im hochreinen Sangerhäuser Gips am Winkelberg vorzufinden sind.
Nicht hilfreich ist die in der öffentlichen Diskussion häufig als Alternative dargestellte Lagerstätte am Kohnstein (ehemals Wico), da sie keine Gips- sondern im wesentlichen eine Anhydritlagerstätte ist. Der hier teilweise noch anstehende Gips ist für die Produktion von Spezialgipsen der SHG aus Qualitätsgründen definitiv nicht geeignet. Daher gibt es für die SHG, ausgenommen der Winkelberg, keine andere vergleichbare Gipslagerstätte mehr, die nicht durch ein Naturschutzgebiet oder FFH-Gebiet belegt ist. Auch REA-Gipse lassen sich aus technischen und qualitativen Gründen bei der SHG nur sehr begrenzt einsetzen. Die bestehenden Lagerstättenvorräte laufen in absehbarer Zeit aus. Damit ist das Unternehmen in einer prekären Situation.
Werkleiter Jung weiter: Für uns ist es erschreckend, wie mit einem Thüringer Unternehmen umgegangen wird. Wer will hier noch investieren und Arbeitsplätze schaffen, wenn Einigungen verworfen werden und keine Sicherheit geboten wird? Der Abbau von Rohstoffen, hat viele Menschen in dieser Region über Jahrzehnte ernährt und jetzt scheint es, dass diese Arbeitsplätze von Politikern nicht mehr gewollt werden. In der heutigen Situation muss es etwas intelligentere und flexiblere Lösungen geben, Kompromisse zwischen unterschiedlichen Nutzungsarten wie Tourismus, Naturschutz und Rohstoffabbau zu finden als eine Entweder-Oder-Haltung. Hier ist ein Miteinander gefragt. Tatsache ist: Wenn wir keine Abbaugenehmigung erreichen können, bedeutet dies in letzter Konsequenz das Aus für unser bislang erfolgreiches Unternehmen.
Autor: nnzVor kurzem hat die Südharzer Gipswerk GmbH (SHG) über die Medien erfahren müssen, dass es zu einer Nachmeldung nun auch des letzten Teils ihres Bergwerkseigentums Rüdigsdorf/Winkelberg als Teil des FFH – Gebietes Harzfelder Holz kommen soll. Diese Entscheidung hat existenzielle Bedeutung für die Zukunft des Unternehmens. Dazu SHG-Werkleiter Tobias Jung: In Anbetracht der dramatischen Auswirkungen dieser Entscheidung ist es für uns mehr als verwunderlich, dass bislang keiner der politischen Entscheidungsträger mit dem betroffenen Unternehmen persönlich Kontakt aufgenommen hat.
Schon seit über 10 Jahren bemüht sich das Ellricher Unternehmen, die Rohstoffversorgung für das Spezialgipswerk und damit auch die rund 70 Arbeitsplätze langfristig zu sichern und eine Genehmigung für die Weiterführung des Gipsabbaus am Winkelberg zu erreichen. Bisher wurden am Standort bereits etwa 60 Millionen Euro investiert.
1997 kam es zu einer Einigung mit dem Land Thüringen und mit Vertretern des Umweltministeriums, in der das Unternehmen einer Einbeziehung von mehr als der Hälfte seiner Fläche in das bestehende Naturschutzgebiet zugestimmt hat. Im Vertrauen darauf, dass die Restfläche gemäß der Einigung dem Unternehmen als Zukunftssicherung zur Verfügung stehen würde, hat die SHG ein freiwilliges und aufwendiges Planfeststellungs-verfahren begonnen. Jetzt, mitten im Verfahren und nach zahlreichen Gutachten, scheint das Land seine Meinung zu ändern. Werkleiter Jung: Es ist schon schwierig genug in der momentanen wirtschaftlichen Situation zu überleben, da kann es nicht sein, dass die politischen Rahmenbedingungen jetzt zusätzlich für uns verschlechtert werden und eine FFH –Nachmeldung auf politischen Druck hin zur Abbauverhinderung missbraucht wird.
Die Südharzer Gipswerk GmbH produziert seit Jahren hochwertige Baustoffe und Spezialgipse. Dazu zählen vor allem Spezialspachtel und Handputze und Formengipse für die Keramische Industrie sowie Lebensmittelgipse, die beispielsweise als Konsistenz- und Trägermittel für die Produktion von Backprodukten und anderen Lebensmitteln Verwendung finden. Daneben liefert die SHG Grundstoffe für Medizinalgipse (Verbände und Dentalgipse). Außerdem, so Jung., produzieren wir auch die technisch nicht einfachen historischen Gipsmörtel, die u. a. bei der Restaurierung der Blasii-Kirche in Nordhausen hauptsächlich Verwendung fanden. Das Südharzer Gipswerk ist auf möglichst reine und hochwertige Rohstoffe angewiesen – eben solche, wie sie im hochreinen Sangerhäuser Gips am Winkelberg vorzufinden sind.
Nicht hilfreich ist die in der öffentlichen Diskussion häufig als Alternative dargestellte Lagerstätte am Kohnstein (ehemals Wico), da sie keine Gips- sondern im wesentlichen eine Anhydritlagerstätte ist. Der hier teilweise noch anstehende Gips ist für die Produktion von Spezialgipsen der SHG aus Qualitätsgründen definitiv nicht geeignet. Daher gibt es für die SHG, ausgenommen der Winkelberg, keine andere vergleichbare Gipslagerstätte mehr, die nicht durch ein Naturschutzgebiet oder FFH-Gebiet belegt ist. Auch REA-Gipse lassen sich aus technischen und qualitativen Gründen bei der SHG nur sehr begrenzt einsetzen. Die bestehenden Lagerstättenvorräte laufen in absehbarer Zeit aus. Damit ist das Unternehmen in einer prekären Situation.
Werkleiter Jung weiter: Für uns ist es erschreckend, wie mit einem Thüringer Unternehmen umgegangen wird. Wer will hier noch investieren und Arbeitsplätze schaffen, wenn Einigungen verworfen werden und keine Sicherheit geboten wird? Der Abbau von Rohstoffen, hat viele Menschen in dieser Region über Jahrzehnte ernährt und jetzt scheint es, dass diese Arbeitsplätze von Politikern nicht mehr gewollt werden. In der heutigen Situation muss es etwas intelligentere und flexiblere Lösungen geben, Kompromisse zwischen unterschiedlichen Nutzungsarten wie Tourismus, Naturschutz und Rohstoffabbau zu finden als eine Entweder-Oder-Haltung. Hier ist ein Miteinander gefragt. Tatsache ist: Wenn wir keine Abbaugenehmigung erreichen können, bedeutet dies in letzter Konsequenz das Aus für unser bislang erfolgreiches Unternehmen.

