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Di, 19:26 Uhr
20.04.2004

Das Hämmern der Götter

Nordhausen (nnz). Der Nordhäuser Büchermarkt wird in diesen Tagen um eine Neuerscheinung reicher. Die „Götterhämmerung“ hat Olaf Schulze geschrieben. Die nnz hat mit dem Chef des OKN ein Interview geführt.


Olaf Schulze nnz: Wie kommt ein Radiomacher dazu, Romane zu schreiben?

Olaf Schulze: Ich bin ausgebildeter Theaterwissenschaftler und hatte dadurch naturgemäß schon immer viel zu schreiben. Und ich schreibe gern. Es macht mir Spaß und fällt mir leicht.

nnz: Gab oder gibt es literarische Vorbilder, denen Du nacheifern oder die dich besonders inspirieren?

Olaf Schulze: Nicht direkt, aber es ist sicher so, dass der eigene Schreibstil von den Lesegewohnheiten geprägt wird. Und ich lese gern und viel. Als Leser hat man irgendwann Autoren, denen man vertraut und von denen man weiß, dass sie einen nicht langweilen werden. Das sind in meinem Fall Stephen King, Douglas Adams, Terry Pratchett, Tom Sharpe oder beispielsweise auch Sven Regners „Herr Lehmann“.

nnz: In Deinem Roman „Götterhämmerung“ gibt es auch einen Herrn Lehmann...

Olaf Schulze: Oh, der hat mit dem von Sven Regner nicht das geringste zu tun und es ist purer Zufall, dass eine meiner Figuren so heißt. Eine Grundregel für Autoren besagt, dass man sich für seine Figuren immer tolle, ungewöhnliche Namen ausdenken sollte. Jetzt weiß ich auch, warum es diese Regel gibt. Nein, ganz im Ernst, ich wollte bewusst einen Allerweltsnamen. Und weil ich selbst schon Schulze heiße, war es nicht schwer, auf Lehmann zu kommen.

nnz: Woher hattest Du die Anregungen genommen und finden sich real existierende Personen im Roman wieder?

Olaf Schulze: Der ganze Roman ist ein reines Phantasiekonstrukt, lediglich kleine Begebenheiten daraus sind wirklich passiert. Die Figuren sind alle frei erfunden und Ähnlichkeiten mit wirklich lebenden Personen wären rein zufällig und sind nicht gewollt.

nnz: Was war Dein Hauptmotiv, den Roman zu schreiben?

Olaf Schulze: Ich habe schon oft langweilige Bücher gelesen und mir dabei gedacht ,das kannst du doch selbst besser'. Und irgendwann hat dann das kleine Teufelchen im Ohr verlangt, ich solle es endlich tun und nicht nur drüber reden. Und wie schon gesagt, es macht mir Spaß zu fabulieren und konkrete Situationen auszudenken.

nnz: Mit welchen Reaktionen rechnest Du bei den Lesern?

Olaf Schulze: Ich hoffe, dass sich die Leser gut unterhalten fühlen und sich mit der Story identifizieren können. Wenn es darüber hinaus den einen oder anderen anregt, mal wieder in die alten Sagenbücher zu schauen, dann würde mich das sehr freuen.

nnz: Arbeitest Du schon am nächsten Roman, wenn dieser hier in die Nordhäuser Buchläden kommt?

Olaf Schulze: Mein Verleger hat mir verboten, auf diese Frage zu antworten. Er sagt, dass die Presse sich bei einer Bejahung der Frage nur noch auf das nächste Buch stürzen würde und wir auf der „Götterhämmerung“ sitzen bleiben. So viel zur Freiheit des Autors.

nnz: Wer hat Dir bei der Umsetzung des Stoffes geholfen?

Olaf Schulze: Fachlich ganz besonders das Internet. Vielen Dank dafür. Dort steht einfach alles über alle und jeden drin, es ist unglaublich. Und natürlich meine Familie, die mich schreiben ließ und nicht zu schwerer Hausarbeit herangezogen hat. Weiterhin hatte ich einige sehr gute Versuchskaninchen, die das Manuskript lesen und mir ihre ehrliche Meinung sagen mussten. Letztendlich dann auch meine Lektorin Elisabeth Claus in Leipzig und mein Verleger natürlich.

nnz: Welche Schwierigkeiten sind beim Schreiben aufgetreten, an die Du vorher nicht gedacht hattest?

Olaf Schulze: Beim Schreiben eigentlich nicht viele. Wenn ich inhaltlich nicht weiter wusste, habe ich im Internet recherchiert oder bin joggen gegangen. Dabei hatte ich die besten Einfälle. Manchmal glaube ich, dass ich in dieser Zeit Hunderte Kilometer gelaufen bin. Die eigentlichen Schwierigkeiten setzen ein, wenn man denkt, das Buch ist fertig und nun sollen sich die Verlage darum streiten. Das tun sie nämlich nicht. Die meisten Verlage wären vermutlich froh, wenn es nur ein Tausendstel so viele Autoren gäbe, wie derzeit Manuskripte auf ihren Schreibtischen liegen.

nnz: Was war Deine überraschendste Erfahrung mit dem Buch?

Olaf Schulze: Dass ich schließlich mit Klaus Bielefeld doch einen Verleger gefunden habe, der nicht nur viel Geld von mir will und unbesehen jeden Blödsinn druckt, wenn ich nur genug bezahle, sondern einen engagierten Mann, der fernab vom Mainstream schlechter Biografien bereit ist, neue Autoren zu fördern.

nnz: Wenn Du denn ein zweites Buch schreiben würdest, was würdest Du dann anders machen?

Olaf Schulze: Ich glaube: alles. Durch die Erfahrungen mit dem ersten Roman habe ich viel hinzu gelernt. Jetzt bin ich gespannt auf die Reaktion der Leser und dann sehe ich weiter, ob es sinnvoll ist, noch einen Roman zu veröffentlichen.

PS: Am Samstag Abend präsentiert Olaf Schulze seinen Roman „Götterhämmerung“ ab 18 Uhr im Foyer des Stadttheaters, bevor dann Angelika Milster die Bühne betritt. Neben seinem druckfrischen Buch zeigt der Autor einen Film zum Buch und einen Hammer.
Autor: nnz

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