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Sa, 14:41 Uhr
10.04.2004

nnz-Forum: Babyflaute

Nordhausen (nnz). Ist Deutschland ein Land, das keine Umgebung für Kinder schafft? Was kostet ein Baby seinen Eltern? Mit diesen Fragen und Anworten setzt sich Prof. Manfred Baumann im nnz-Forum aus.


Im Jahr 2003 gab es so wenig Babys wie noch nie in Deutschland. Diese Nachricht müßte Politiker und Familientheoretiker zur Verzweiflung bringen und neue Maßnahmen gegen den Trend initiieren. Es bleibt aber alles wie gehabt.

Dieses System ist eben kinderunfreundlich. Welcher Unternehmer nimmt bei der Aufgabenvergabe schon Rücksicht auf Kinder der Arbeitnehmer(Innen)? Kinder unter 2,5 Jahren gelten als „unter dem Rechtsanspruch“, das heißt, ihnen steht kein Platz in Kindertageseinrichtungen zu. Kinderkrippen im bekannten Sinne gibt es nicht, zumindest werden sie nicht staatlich unterstützt. Werden sie eingerichtet, müssen die Kommunen allein für sie aufkommen. Da sie dringend gebraucht werden, um Müttern die Berufstätigkeit zu ermöglichen, kommen die Kommunen in eine ziemliche Zwangslage.

Anstatt Familien mit Kindern finanziell zu fördern, wurde das Erziehungsgeld klammheimlich gekürzt und die Einkommensgrenzen dafür gesenkt. Außerdem leisten wir uns eine überaus unangebrachte Diskussion, dass man Eltern von Kindern nicht besonders unterstützen dürfe, weil man damit Eheleute ohne Kinder „bestrafen“ würde. Dabei ist das Wort Strafe hier völlig unangebracht. Vielmehr stellen Kinder in der heutigen Zeit für die Eltern eine deutliche Belastung dar, obwohl sie die Rentenversorger für die ältere Generation, auch die kinderlosen Bürger, großziehen.

Man mache sich die finanzielle Belastung allein für das erste Lebensjahr, die von den meisten Eltern auch gern getragen wird, einmal klar. Eine Babyausstattung enthält ungefähr folgende Ausgaben:

Kinderwagen (250 €), Kinderbett mit Matratze (200 €), 2 Autositze verschiedener Größe (250 €), Wickelkommode mit Auflage (130 €), Kleidung Start-Set (130 €), Spielzeug wie Klappern, Lutsch- und Bissringe, Bauklötze u.a. (120 €) , Baby-Phon (200 €), Baby-Stuhl mit Kissen (90 €), Ställchen mit Matratze (80 €), Flaschenbox und Desinfiziergerät (50 €) monatlich Windeln ( 35 € = 420 € pro Jahr), Baby-Nahrung ab 5. Monat (480 €) und Kleidung nach dem Start-Set in verschiedenen Grössen (?).

Ein Kind erfordert also im ersten Lebensjahr Aufwendungen von fast 3000 €. Dabei sind Durchschnittspreise angenommen worden. Kinderschuhe für ein einjähriges Kind kosten bereits 25 – 50 €. In den nächsten Lebensjahren werden die Ausgaben noch höher, wenn die Kinder erst beginnen, bestimmte Ansprüche zu entwickeln. Ist es dann nicht verständlich, wenn sich manche Eltern höchstens für ein, selten für zwei und kaum einmal für drei Kinder entscheiden? Wie viele Schwangerschaften werden wohl aus wirtschaftlichen Erwägungen unterbrochen? Aber trotz der ständigen Geburtenrückgänge werden Kinder nicht subventioniert. Subventionen gehen an alle möglichen anderen Bereiche. Da gibt es Kohlesubventionen, Entfernungspauschalen, Eigenheimzulagen, Dienstwagensubventionen usw. Für letztere hat unser früherer Ministerpräsident Bernhard Vogel einmal eine Steuerreform zu Fall gebracht, weil sie gestrichen werden sollte.

Kinder haben keine Lobby, obwohl sie die künftigen Arbeitnehmer, Verbraucher, Steuerzahler und Rentensicherer sind. Ehepaare ohne Kinder, gewollt oder ungewollt, können in Ruhe arbeiten, Karriere machen, Sparbeträge akkumulieren, Altersvorsorge betreiben usw. Sie brauchen nicht die besondere Unterstützung, die wir für Eltern mit Kindern einfordern müssen. 715.000 Kinder wurden 2003 geboren. Hätte man ihnen 1000 € als Starthilfe zukommen lassen, würden 715 Millionen gebraucht. So viel kostet ein kompliziertes Militärgerät. Vielleicht würde dann aber in den nächsten Jahren die Geburtenrate ansteigen - welch ein Segen für uns alle !
Manfred Baumann, Nordhausen

Anmerkung der nnz-Redaktion: Die im nnz-Forum dargestellten Äußerungen und Meinungen sind nicht unbedingt mit denen der Redaktion identisch. Für den Inhalt ist der Verfasser verantwortlich. Die Redaktion behält sich das Recht auf Kürzungen vor.
Autor: nnz

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