Do, 09:13 Uhr
11.07.2013
nnz-Forum: Unterstützung
Die nnz hatte gestern über einen stattgefundenen Gipsgipfel berichtet, zu dem die Stadt Nordhausen ins Rathaus eingeladen hatte. Jetzt gibt es dazu die Meinung eines nnz-Lesers...
"Blick auf den Kohnstein" - eine Postkarte aus dem Jahre 1914.
Ich unterstütze die hier von Stadt, Kommunen und Kreis zum Ausdruck gebrachte Haltung gegenüber der Gipsindustrie mit Nachdruck und ich freue mich zugleich über die nun offenbar ernst gemeinte, baldige Ausweisung der Naturschutzgebiete Pfaffenköpfe und Harzfelder Holz.
Indes hört man Schlimmes über das Verhalten einzelner Bergbaukonzerne in unserer Region, wenn Ihnen der Bürgerwille nicht willfährig ist. Es darf keine neuen Abbaufelder geben! Und in Betrieb befindliche dürfen nicht erweitert werden. Der bereits angerichtete Schaden reicht für Jahrhunderte und ist allen anderweitigen Bekundungen zum Trotz niemals ausgleichbar. Das beweisen eigene Beobachtungen wie Untersuchungen der Gipsindustrie selbst. Der Gips ist weg und mit ihm die typische Vegetation.
Der Kohnstein und die fürchterlichen Wunden um Ellrich, Rottleberode und Woffleben mahnen uns auch in dieser Hinsicht für immer.
Alle müssen gegen die überholte Naturgipsgewinnung im großtechnischen Stil an einem Strang ziehen. Zu DDR-Zeiten hieß das in anderem Kontext "Einheitsfront". Dieser Begriff sollte in diesem Zusammenhang ruhig wiederbelebt werden. Der einzigartige Wert unserer Südharzer Gipskarstlandschaft besteht nicht in ihrer kurzsichtigen Verscherbelung, sondern in ihrem Dasein an sich.
Ministerpräsidentin Lieberknecht sagte bei ihrem Besuch 2011 in Neustadt: "Wir wollen keinen Gipsabbau". Ich würde sie so gern beim Wort nehmen. Vielleicht hat die Politik tatsächlich erkannt, welche schlimmen Fehler ihre Vorgänger 1990 machten, als sie die Gipshügel, wohl angesichts des allgemeinen D-Mark-Dopings, verhökerten. Hoffen wir, dass es nun nicht zu spät ist, mit Erklärungen wie der der Nordhäuser und der regionalen Verantwortungsträger.
Die Leute um Knauf und Bögartz indes werden nicht aufgeben. Und ich persönlich kann mich auch eines Restmisstrauens gegenüber der Kommunalpolitik nicht erwehren: 1990 war der Politik diese weltweit einmalige Landschaft auch egal. Geld haben die Kommunen nicht. Und so mancher Sperrgrundstückbesitzer oder eben Politiker könnte weich werden, wenn ihm von Knauf & Co. goldenes Straßenpflaster oder anderes versprochen wird.
In Ellrich werden aberwitzige Pläne für ein Pumpspeicherkraftwerk im Steinmühlental geschmiedet. Am 12.07. wird die Politik bei einer Zusammenkunft versuchen, Zerstörungen unglaublichen Ausmaßes in einem naturbelassenen Tal als etwas Wunderbares, Notwendiges und Unvermeidbares erscheinen zu lassen. Der Ausverkauf unserer Südharzlandschaft ist also nicht vom Tisch. Für Geld tun nicht nur manche Unternehmer, sondern auch viele Politiker fast alles, so wie es eben die Grundeigenschaft dieser Gesellschaft ist.
Oder wie schrieb der Nordhäuser Bundesverdienstkreuzträger und Forstwissenschaftler, der unvergessene Dr. Walter Elmer, noch 1993: Die Empörung in unserer Bevölkerung ist groß. Geschäftemacher aus aller Herren Länder stürzen sich förmlich auf die Rohstoffe in unserer Landschaft, um das schnelle Geld zu machen und sich auf Jahrzehnte hinaus zu bevorraten. (Quelle: ELMER, W. (1993): Südharzlandschaft – Quo vadis? – In: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1990-1993. – Nordhausen: 76-82)
Gips ist ein solcher Rohstoff, aber auch das Wasser des Fuhrbaches im Steinmühlental, das manchen Leuten wegen seines unprofitablen Dahinplätscherns ebenso ein Dorn im Auge ist, wie eben Gipshügel mit naturnahen Buchenwäldern und Orchideen.
Bodo Schwarzberg
Autor: red"Blick auf den Kohnstein" - eine Postkarte aus dem Jahre 1914.
Ich unterstütze die hier von Stadt, Kommunen und Kreis zum Ausdruck gebrachte Haltung gegenüber der Gipsindustrie mit Nachdruck und ich freue mich zugleich über die nun offenbar ernst gemeinte, baldige Ausweisung der Naturschutzgebiete Pfaffenköpfe und Harzfelder Holz.
Indes hört man Schlimmes über das Verhalten einzelner Bergbaukonzerne in unserer Region, wenn Ihnen der Bürgerwille nicht willfährig ist. Es darf keine neuen Abbaufelder geben! Und in Betrieb befindliche dürfen nicht erweitert werden. Der bereits angerichtete Schaden reicht für Jahrhunderte und ist allen anderweitigen Bekundungen zum Trotz niemals ausgleichbar. Das beweisen eigene Beobachtungen wie Untersuchungen der Gipsindustrie selbst. Der Gips ist weg und mit ihm die typische Vegetation.
Der Kohnstein und die fürchterlichen Wunden um Ellrich, Rottleberode und Woffleben mahnen uns auch in dieser Hinsicht für immer.
Alle müssen gegen die überholte Naturgipsgewinnung im großtechnischen Stil an einem Strang ziehen. Zu DDR-Zeiten hieß das in anderem Kontext "Einheitsfront". Dieser Begriff sollte in diesem Zusammenhang ruhig wiederbelebt werden. Der einzigartige Wert unserer Südharzer Gipskarstlandschaft besteht nicht in ihrer kurzsichtigen Verscherbelung, sondern in ihrem Dasein an sich.
Ministerpräsidentin Lieberknecht sagte bei ihrem Besuch 2011 in Neustadt: "Wir wollen keinen Gipsabbau". Ich würde sie so gern beim Wort nehmen. Vielleicht hat die Politik tatsächlich erkannt, welche schlimmen Fehler ihre Vorgänger 1990 machten, als sie die Gipshügel, wohl angesichts des allgemeinen D-Mark-Dopings, verhökerten. Hoffen wir, dass es nun nicht zu spät ist, mit Erklärungen wie der der Nordhäuser und der regionalen Verantwortungsträger.
Die Leute um Knauf und Bögartz indes werden nicht aufgeben. Und ich persönlich kann mich auch eines Restmisstrauens gegenüber der Kommunalpolitik nicht erwehren: 1990 war der Politik diese weltweit einmalige Landschaft auch egal. Geld haben die Kommunen nicht. Und so mancher Sperrgrundstückbesitzer oder eben Politiker könnte weich werden, wenn ihm von Knauf & Co. goldenes Straßenpflaster oder anderes versprochen wird.
In Ellrich werden aberwitzige Pläne für ein Pumpspeicherkraftwerk im Steinmühlental geschmiedet. Am 12.07. wird die Politik bei einer Zusammenkunft versuchen, Zerstörungen unglaublichen Ausmaßes in einem naturbelassenen Tal als etwas Wunderbares, Notwendiges und Unvermeidbares erscheinen zu lassen. Der Ausverkauf unserer Südharzlandschaft ist also nicht vom Tisch. Für Geld tun nicht nur manche Unternehmer, sondern auch viele Politiker fast alles, so wie es eben die Grundeigenschaft dieser Gesellschaft ist.
Oder wie schrieb der Nordhäuser Bundesverdienstkreuzträger und Forstwissenschaftler, der unvergessene Dr. Walter Elmer, noch 1993: Die Empörung in unserer Bevölkerung ist groß. Geschäftemacher aus aller Herren Länder stürzen sich förmlich auf die Rohstoffe in unserer Landschaft, um das schnelle Geld zu machen und sich auf Jahrzehnte hinaus zu bevorraten. (Quelle: ELMER, W. (1993): Südharzlandschaft – Quo vadis? – In: Jahrbuch des Landkreises Nordhausen 1990-1993. – Nordhausen: 76-82)
Gips ist ein solcher Rohstoff, aber auch das Wasser des Fuhrbaches im Steinmühlental, das manchen Leuten wegen seines unprofitablen Dahinplätscherns ebenso ein Dorn im Auge ist, wie eben Gipshügel mit naturnahen Buchenwäldern und Orchideen.
Bodo Schwarzberg


