Mo, 06:29 Uhr
08.07.2013
Wirklich alles durchdacht?
Das Flächennaturdenkmal "Kelle" bei Cleysingen ist ein Aushängeschild der Karstmorphologie und auch unserer Regionalgeschichte. Auf den Seiten des Kastwanderweges wird beschrieben, dass es bereits im 16. Jahrhundert seine Erwähnung findet. Dazu Anmerkungen von Bodo Schwarzberg...
Wahrscheinlich ist dies auch der Grund für die touristische Erschließung der Kelle in jüngster Zeit. Ein Aushängeschild des Naturparks, wie zu vernehmen war. Eine hölzerne Treppe nebst Holz-Geländer führt hinab zur im Vergleich zu früheren Zeiten durch natürliche Vorgänge etwas verfallenen Karsthöhle.
Dafür wurde die steinerne Senke aufgelichtet, d.h. Bäume und Gesträuch wurden entfernt. Aus der noch vor rund zwei Jahren im Schatten der Gehölze befindlichen Sehenswürdigkeit entstand so im wahrsten Wortsinne ein "Highlight" - lichtdurchflutet bis zum Grund des Karstgewässers.
Aber war all dies wirklich auch durchdacht? Ich kenne die Schutzgebietsverordnung für das altehrwürdige Flächennaturdenkmal Kelle nicht. Nicht vorstellen aber kann ich mir, dass sie ausdrücklich die mögliche Gefährdung von bedrohten Pflanzenarten durch pflegerische Eingriffe beinhaltet. Konkret geht es um Polystichum aculeatum, den Dornigen Schildfarn.
Diese bundesweit gesetzlich geschützte Art ist laut aktueller Roter Liste Thüringen auch noch in seinem Bestand gefährdet (Rote Liste 3). Sie ist aber auch eine ausgewiesene "Schattenart" (Quelle: www.floraweb.de), will sagen, sie hat sich nicht gerade auf einen größerflächigen, menschgemachten Lichtgenuss spezialisiert, wie er im Zuge des Naturparkprojektes durch Rodungen erzeugt wurde.
Es bleibt abzuwarten, wie die gefährdete Art den Eingriff verträgt. Möglicherweise toleriert sie ihn, weil es auch im Vorfeld der menschliche Besiedlung zur Ausbildung natürlicher Lichtungen infolge umbrechender Bäume kam.
Sicher indes ist dies nicht, weil im Zuge des Tourismusprojekts eine recht große Fläche auf einmal aufgelichtet wurde. Eigentlich sollten sich Experimente dieser Art mit bedrohten Arten verbieten, da sie in unserer heutigen Zeit meist einer Vielzahl weiterer Gefährdungen ausgesetzt sind.
Ich selbst kenne den Standort des Farns seit 2007. Damals begann ich Standorte von in Thüringen gefährdeten Arten im Auftrag des Landes im Gebiet des Landkreises Nordhausen zu untersuchen und verfolge privat nun deren weitere Entwicklung. 2007 wuchsen die Exemplare des Farns unter einem dichten Blätterdach umstehender Bäume. Schatten und eine hohe Luftfeuchtigkeit bestimmten die lokalen Verhältnisse.
Mir missfällt, dass bei der Planung des touristischen Kelleprojekts offenbar nicht alle möglichen Folgen berücksichtigt wurden. Recht sicher bin ich mir, dass der Dornige Schildfarn bei der Umsetzung des Vorhabens keine Rolle spielte, trotz aller vorhandenen, von uns Botanikern erfassten Daten.
Dann frage ich mich aber, warum wir überhaupt Daten über die bedrohten Arten erfasst haben.
Es kann doch nicht sein, dass wir im Auftrag einer Behörde (TLUG) einerseits Daten über bedrohte Arten in zäher Detailarbeit zusammenstellen und andere Institutionen dann Entscheidungen treffen, die unsere Erfassungsarbeit durch eine zusätzliche Gefährdung einer bedrohten Art im schlimmsten Fall ad absurdum führen. Schließlich bekommen ja mehrere Beamte und öffentlich Bedienstete in verschiedenen Behörden für ihre Arbeit und damit auch für solche Entscheidungen nicht zu knapp Geld, welches wir Steuerzahler berappen müssen.
Geld fließt auch für die Verfassung dicker Roter Listen und Gesetzesblätter, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden, wenn sich die Verantwortlichen nicht an ihre eigenen Verordnungen und Gesetze halten - vielleicht auch, weil sie einfach den Durchblick verloren haben. Falls letzteres der Fall ist, müsste es einen Aufschrei empörter Staatsbediensteter geben. - Der aber wird ganz gewiss ausbleiben.
Ich erwarte dennoch wenigstens eine Erklärung der zuständigen Behörden. Und für die Zukunft eine größere Würdigung der ehrenamtlichen Kartierer - z.B., in dem nicht fahrlässig die Standorte bedrohter Arten auf Kosten des Steuerzahlers möglicherweise noch zusätzlich bedroht werden.
Den Standort des schattenliebenden Farns Polystichum aculeatum indes werde ich in den nächsten Jahren genau beobachten und über meine Ergebnisse in der nnz berichten.
Bodo Schwarzberg
Kommentare bitte nur mit Klarnamen
Autor: redWahrscheinlich ist dies auch der Grund für die touristische Erschließung der Kelle in jüngster Zeit. Ein Aushängeschild des Naturparks, wie zu vernehmen war. Eine hölzerne Treppe nebst Holz-Geländer führt hinab zur im Vergleich zu früheren Zeiten durch natürliche Vorgänge etwas verfallenen Karsthöhle.
Dafür wurde die steinerne Senke aufgelichtet, d.h. Bäume und Gesträuch wurden entfernt. Aus der noch vor rund zwei Jahren im Schatten der Gehölze befindlichen Sehenswürdigkeit entstand so im wahrsten Wortsinne ein "Highlight" - lichtdurchflutet bis zum Grund des Karstgewässers.
Aber war all dies wirklich auch durchdacht? Ich kenne die Schutzgebietsverordnung für das altehrwürdige Flächennaturdenkmal Kelle nicht. Nicht vorstellen aber kann ich mir, dass sie ausdrücklich die mögliche Gefährdung von bedrohten Pflanzenarten durch pflegerische Eingriffe beinhaltet. Konkret geht es um Polystichum aculeatum, den Dornigen Schildfarn.
Diese bundesweit gesetzlich geschützte Art ist laut aktueller Roter Liste Thüringen auch noch in seinem Bestand gefährdet (Rote Liste 3). Sie ist aber auch eine ausgewiesene "Schattenart" (Quelle: www.floraweb.de), will sagen, sie hat sich nicht gerade auf einen größerflächigen, menschgemachten Lichtgenuss spezialisiert, wie er im Zuge des Naturparkprojektes durch Rodungen erzeugt wurde.
Es bleibt abzuwarten, wie die gefährdete Art den Eingriff verträgt. Möglicherweise toleriert sie ihn, weil es auch im Vorfeld der menschliche Besiedlung zur Ausbildung natürlicher Lichtungen infolge umbrechender Bäume kam.
Sicher indes ist dies nicht, weil im Zuge des Tourismusprojekts eine recht große Fläche auf einmal aufgelichtet wurde. Eigentlich sollten sich Experimente dieser Art mit bedrohten Arten verbieten, da sie in unserer heutigen Zeit meist einer Vielzahl weiterer Gefährdungen ausgesetzt sind.
Ich selbst kenne den Standort des Farns seit 2007. Damals begann ich Standorte von in Thüringen gefährdeten Arten im Auftrag des Landes im Gebiet des Landkreises Nordhausen zu untersuchen und verfolge privat nun deren weitere Entwicklung. 2007 wuchsen die Exemplare des Farns unter einem dichten Blätterdach umstehender Bäume. Schatten und eine hohe Luftfeuchtigkeit bestimmten die lokalen Verhältnisse.
Mir missfällt, dass bei der Planung des touristischen Kelleprojekts offenbar nicht alle möglichen Folgen berücksichtigt wurden. Recht sicher bin ich mir, dass der Dornige Schildfarn bei der Umsetzung des Vorhabens keine Rolle spielte, trotz aller vorhandenen, von uns Botanikern erfassten Daten.
Dann frage ich mich aber, warum wir überhaupt Daten über die bedrohten Arten erfasst haben.
Es kann doch nicht sein, dass wir im Auftrag einer Behörde (TLUG) einerseits Daten über bedrohte Arten in zäher Detailarbeit zusammenstellen und andere Institutionen dann Entscheidungen treffen, die unsere Erfassungsarbeit durch eine zusätzliche Gefährdung einer bedrohten Art im schlimmsten Fall ad absurdum führen. Schließlich bekommen ja mehrere Beamte und öffentlich Bedienstete in verschiedenen Behörden für ihre Arbeit und damit auch für solche Entscheidungen nicht zu knapp Geld, welches wir Steuerzahler berappen müssen.
Geld fließt auch für die Verfassung dicker Roter Listen und Gesetzesblätter, die das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt wurden, wenn sich die Verantwortlichen nicht an ihre eigenen Verordnungen und Gesetze halten - vielleicht auch, weil sie einfach den Durchblick verloren haben. Falls letzteres der Fall ist, müsste es einen Aufschrei empörter Staatsbediensteter geben. - Der aber wird ganz gewiss ausbleiben.
Ich erwarte dennoch wenigstens eine Erklärung der zuständigen Behörden. Und für die Zukunft eine größere Würdigung der ehrenamtlichen Kartierer - z.B., in dem nicht fahrlässig die Standorte bedrohter Arten auf Kosten des Steuerzahlers möglicherweise noch zusätzlich bedroht werden.
Den Standort des schattenliebenden Farns Polystichum aculeatum indes werde ich in den nächsten Jahren genau beobachten und über meine Ergebnisse in der nnz berichten.
Bodo Schwarzberg
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