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Fr, 07:00 Uhr
24.05.2013

„Wann wir schreiten Seit' an Seit'...“ (2. Teil)

Die älteste Partei Deutschlands – die SPD – begeht in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag. Doch wo liegen eigentlich die Wurzeln der deutschen Sozialdemokratie? nnz-Autor Hans-Georg Backhaus hat sich mit der Parteigeschichte näher befasst und beleuchtet in diesem Teil die Zeit von 1877 bis 1913...


Bedingt durch das rasch wachsende Industrieproletariat errang bei den Reichstagswahlen 1877 die neue vereinigte Arbeiterpartei rund eine halbe Million Stimmen, und neben Arbeitern und Kleinhandwerkern gesellten sich zur Wählerschaft schon bald Intellektuelle hinzu, die mit den Zielen der Sozialdemokraten sympathisierten. Indes wurde die Partei von der Reichsregierung mit großem Argwohn beobachtet. So war es nicht verwunderlich, dass es nur noch eines besonderen Anlasses bedurfte, um gegen die nun politisch geschlossen agierende deutsche Arbeiterschaft vorzugehen. Zwei Attentate auf den deutschen Kaiser Wilhelm, die fälschlicherweise der Sozialdemokratie zugeschrieben wurden, lieferten der Obrigkeit den willkommenen Anlass für das „Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“, welches im Oktober 1878 im Reichstag verabschiedet wurde.

Mit Hilfe dieses sogenannten „Sozialistengesetzes“ wurde die Parteiorganisation sowie ihr nahestehende Gewerkschaften und deren Publikationen verboten. Sozialdemokraten waren fortan starken Verfolgungen ausgesetzt, mussten oft ihre Wohnungen und Heimatorte verlassen oder wurden gar ins Gefängnis geworfen. Nicht selten lautete der Hauptanklagepunkt „Majestätsbeleidigung“. Zwar konnten die Vertreter der Sozialdemokratie mit Hilfe von Wahlvereinen sich weiter an den Wahlen zum Reichstag beteiligen, doch sah Bismarck in ihnen nichts weiter als eine „bedrohliche Räuberbande“. Trotz dieser rechtlich fixierten Unterdrückungsmaßnahmen konnte die deutsche Obrigkeit nicht verhindern, dass die SAPD zur stärksten politischen Kraft wurde.

Auch wenn bereits 1890 die „Sozialistengesetze“ wieder außer Kraft gesetzt wurden, verfestigte sich bei den Sozialdemokraten ein tiefes Misstrauen gegenüber dem Obrigkeitsstaat, wurden sie doch als „vaterlandslose Gesellen“ oder als „Reichsfeinde“ abgestempelt. Die fortdauernden Repressalien hatten zwangsläufig zur Folge, dass sich die Opposition festigte und parallel zur pragmatischen Reformarbeit in der Alltagspolitik eine verstärkte Radikalisierung unter den Parteimitgliedern einsetzte.

Die Marxschen Lehren wurden zu einer Art „Ersatzreligion“, und viele leiteten aus den Lehren die wissenschaftlich belegte Erkenntnis ab, dass die Arbeiterklasse eines Tages die Macht erlangen und der Sozialismus für immer den Sieg davon tragen werde. Zudem setzte eine Zeit der „Verklärung“ des – wie es in Reden und Schriften nicht selten zu hören bzw. zu lesen war - „heldenhaften Kampfes“ der organisierten Arbeiterschaft ein. Die Partei jedenfalls erhielt immer mehr Zulauf und wuchs Mitte der 1890er Jahre zur mitgliederstärksten deutschen Partei heran (etwa 100.000 Mitglieder). Aufgrund des herrschenden monarchischen Systems blieb ihr Einfluss jedoch sehr begrenzt.

Auf dem Parteitag 1890 in Halle gab sich die Partei den noch heute gültigen Namen Sozialdemokratische Partei Deutschlands - SPD. 1891 versammelte sich die SPD abermals zu einem Parteitag – diesmal in Erfurt. Die Delegierten verabschiedeten ein neues Grundsatzprogramm, das unter der maßgeblichen Regie der beiden Parteitheoretiker Eduard Bernstein und Karl Kautsky erarbeitet wurde und sich eng an den Marxismus anlehnte. Doch so revolutionär sich die Partei in ihren verabschiedeten Dokumenten auch gab, so pragmatisch agierte sie in der Tagespolitik.

Bei der Reichstagswahl im Jahre 1912 errang die SPD nahezu 35 Prozent der Wählerstimmen. Dafür musste sie ein Jahr später einen schmerzlichen personellen Verlust verkraften: Ihr langjähriger Vorsitzender, August Bebel, verstarb im Alter von 73 Jahren. Mit ihm verloren die deutschen Sozialdemokraten eine Symbolgestalt, einen charismatischen Führer, der ihnen einerseits Wege aus der Verelendung aufzeigte und andererseits durch seine besonnenen Reden und seinem pragmatischen Handeln eine hohe Wertschätzung nicht nur in seiner Partei genoss. (Wird fortgesetzt).
Hans-Georg Backhaus
Autor: red

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