Fr, 16:14 Uhr
17.05.2013
Senioren als Brandstifter
Ein sehr spannendes Stück haben sich die Silberdisteln, das Seniorentheater am Theater Nordhausen, für ihre vierte Produktion ausgesucht: Biedermann und die Brandstifter von Max Frisch. In der kommenden Woche ist Premiere...
Herr Biedermann leidet. Nicht einmal eine Zigarette kann er sich noch in Ruhe anzünden, ohne an Brandstiftung denken zu müssen seit Hausierer in der Stadt sind! Immer wieder nutzen sie die Gutgläubigkeit, die Höflichkeit und die Angst unbescholtener Bürger aus, und dann steht das ganze Haus in Flammen!
Da bittet bei Gottlieb Biedermann höflich ein ehemaliger Ringer um Obdach. Soll Biedermann ihn abweisen wie einen Brandstifter? Ist er keiner, hätte Biedermann ihn damit beleidigt. Ist er aber einer, wird er sich rächen und das Haus anzünden! Und der arbeitslose Kellner, dessen Etablissement abgebrannt ist, kann man so ein Brandopfer wegschicken? Und was ist eigentlich in den Fässern, die neuerdings auf dem Dachboden lagern?
Der Chor der Feuerwehrleute, der sowieso alles besser weiß, meint, es röche nach Benzin. Und was meint, was tut Herr Biedermann?
Seit dem Herbst arbeitet Anja Eisner, Chefdramaturgin am Theater Nordhausen, mit den theaterbegeisterten Senioren an dem herausfordernden Stoff. Nicht nur Solorollen waren diesmal zu besetzen – eine wichtige Rolle spielt der Chor, der ähnlich wie ein antiker Chor die Handlung begleitet und kommentiert. Erstaunlicherweise haben viele, als im Oktober das Stück ausgewählt wurde, dieses gewählt, weil sie Chorarbeit ausprobieren wollten, erzählt Anja Eisner vom Beginn der Arbeit. Längst hat sich herausgestellt, dass ein ‚Silberdistel-Profi‘ eine individuelle Charakterisierung fast mit links spielen kann, dass aber der Auftritt als eines von 11 Chormitgliedern mehr Arbeit macht als eine Solo-Rolle zu stemmen.
Auch die Fragen, die das Stück aufwirft, sind weder leicht zu beantworten noch die Konflikte der Figuren für die Darsteller leicht zu spielen. Man weiß oder ahnt die Wahrheit, hat aber nicht die Courage, seine Meinung zu vertreten. Was bedeutet es, wenn ich das tue, was man von mir erwartet?, so beschreibt Regisseurin Anja Eisner einige der Kerngedanken. Wir bieten keine Rezepte, keine verspätete Auseinandersetzung mit der Geschichte vor dem 2. Weltkrieg. Wir erzählen ein aktuelles Thema, das sich nicht eingegrenzt auf politische Richtungen versteht.
Noch eine Woche voller Proben haben die Silberdisteln vor sich, bevor sich die große Spannung in der Premiere löst. Passen alle Kostüme? Sind alle Auftritte klar? Klappt auch technisch alles? Da wird noch einmal der Text durchgesprochen, werden Gänge wiederholt, bevor in der Haupt- und der Generalprobe dann schon alles läuft wie im Ernstfall.
Karten für die Premiere am 25. Mai um 17 Uhr und die nächsten Vorstellungen am 26. Mai um 15 Uhr und am 29. Mai um 10 Uhr gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.
Autor: redHerr Biedermann leidet. Nicht einmal eine Zigarette kann er sich noch in Ruhe anzünden, ohne an Brandstiftung denken zu müssen seit Hausierer in der Stadt sind! Immer wieder nutzen sie die Gutgläubigkeit, die Höflichkeit und die Angst unbescholtener Bürger aus, und dann steht das ganze Haus in Flammen!
Da bittet bei Gottlieb Biedermann höflich ein ehemaliger Ringer um Obdach. Soll Biedermann ihn abweisen wie einen Brandstifter? Ist er keiner, hätte Biedermann ihn damit beleidigt. Ist er aber einer, wird er sich rächen und das Haus anzünden! Und der arbeitslose Kellner, dessen Etablissement abgebrannt ist, kann man so ein Brandopfer wegschicken? Und was ist eigentlich in den Fässern, die neuerdings auf dem Dachboden lagern?
Der Chor der Feuerwehrleute, der sowieso alles besser weiß, meint, es röche nach Benzin. Und was meint, was tut Herr Biedermann?
Seit dem Herbst arbeitet Anja Eisner, Chefdramaturgin am Theater Nordhausen, mit den theaterbegeisterten Senioren an dem herausfordernden Stoff. Nicht nur Solorollen waren diesmal zu besetzen – eine wichtige Rolle spielt der Chor, der ähnlich wie ein antiker Chor die Handlung begleitet und kommentiert. Erstaunlicherweise haben viele, als im Oktober das Stück ausgewählt wurde, dieses gewählt, weil sie Chorarbeit ausprobieren wollten, erzählt Anja Eisner vom Beginn der Arbeit. Längst hat sich herausgestellt, dass ein ‚Silberdistel-Profi‘ eine individuelle Charakterisierung fast mit links spielen kann, dass aber der Auftritt als eines von 11 Chormitgliedern mehr Arbeit macht als eine Solo-Rolle zu stemmen.
Auch die Fragen, die das Stück aufwirft, sind weder leicht zu beantworten noch die Konflikte der Figuren für die Darsteller leicht zu spielen. Man weiß oder ahnt die Wahrheit, hat aber nicht die Courage, seine Meinung zu vertreten. Was bedeutet es, wenn ich das tue, was man von mir erwartet?, so beschreibt Regisseurin Anja Eisner einige der Kerngedanken. Wir bieten keine Rezepte, keine verspätete Auseinandersetzung mit der Geschichte vor dem 2. Weltkrieg. Wir erzählen ein aktuelles Thema, das sich nicht eingegrenzt auf politische Richtungen versteht.
Noch eine Woche voller Proben haben die Silberdisteln vor sich, bevor sich die große Spannung in der Premiere löst. Passen alle Kostüme? Sind alle Auftritte klar? Klappt auch technisch alles? Da wird noch einmal der Text durchgesprochen, werden Gänge wiederholt, bevor in der Haupt- und der Generalprobe dann schon alles läuft wie im Ernstfall.
Karten für die Premiere am 25. Mai um 17 Uhr und die nächsten Vorstellungen am 26. Mai um 15 Uhr und am 29. Mai um 10 Uhr gibt es an der Theaterkasse (Tel. 0 36 31/98 34 52) und an allen Vorverkaufsstellen der Theater Nordhausen/Loh-Orchester Sondershausen GmbH.



