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Di, 09:32 Uhr
23.04.2013

Das Buch lebt

An einem 23. April starben der Engländer William Shakespeare und der Spanier Miguel de Cervantes, also zwei weltweit bekannte Autoren. Die 28. Generalkonferenz der UNESCO rief deshalb 1995 den „Welttag des Buches und des Urheberrechts“ aus, um damit auf die Bedeutung des Buches und seine unverzichtbare Rolle auch in der Informationsgesellschaft hinzuweisen. Ein Gastbeitrag von Heidelore Kneffel...


Buch Cover (Foto: Archiv Kneffel) Buch Cover (Foto: Archiv Kneffel) Am 17. April nahm ich in der Flohburg | das Nordhausen Museum an einer Lesung aus dem Buch „Der gefesselte Wald - Gedichte aus Buchenwald“ teil. Der renommierte deutsche Dichter Wulf Kirsten aus Weimar las gemeinsam mit Annette Seemann, die, aus Frankfurt/Main gebürtig, als freie Autorin und Übersetzerin gleichfalls in Weimar lebt. Die beiden Autoren sind die Herausgeber der zweisprachigen Ausgabe, die im Wallstein Verlag 2013 herauskam. Seemann übertrug die in Französisch geschriebenen Verse ins Deutsche. Die erste französische Originalausgabe erschien 1946 in Verantwortung von André Verdet (1913-2004), der mit den anderen männlichen Personen, die die Gedichte in Buchenwald schrieben, dort inhaftiert war.

In der Einleitung der Erstausgabe nach der Heimkehr aus dem KZ schrieb Verdet im August 1945 in der Einleitung: „Trotz der Hölle auf Erden haben Menschen hier gedacht, nicht literarisch gedacht, aber human. Und sie dachten, dass irgendwo außerhalb dieser Hölle die Welt noch sehr viel an Schönheit und Güte bereithält.“ Erst 1959 kam eine zweite Auflage des Buches in Frankreich heraus. In dieser Sammlung von Gedichtetem, unter extremen Bedingungen entstanden, sind zwei Belgier, ein Spanier, drei Polen, zwei Deutsche, ein Russe, sechzehn Franzosen vereint - Arbeiter, Geschäftsleute, Künstler, Intellektuelle. Viele von ihnen waren in der Résistance Wulf Kirsten, auch ein ausgezeichneter Essayist, verfasste das Nachwort unter dem Titel „Dichten, um zu überleben.“

Kirsten und Seemann (Foto: Archiv Kneffel) Kirsten und Seemann (Foto: Archiv Kneffel)

Mit dem dort Mitgeteiltem im Gedächtnis, liest man die kürzeren oder längeren Gedichte mit noch gesteigerter Anteilnahme, weil die sensible Kraft des Geschriebenen angesichts des Ortes, der die Verfasser umgibt, außergewöhnlich ist. Man merkte den beiden Erzählenden und Vortragenden dieses Abends an, dass die Herausgabe dieses Buches ihnen am Herzen gelegen hat. Die Zuhörer in der Flohburg erfuhren, dass die Häftlinge sich zu kulturellen Veranstaltungen trafen, um dadurch bewusst etwas gegen die inhumanen Lagerbedingungen zu setzen.

Man wollte sich durch Kultur innerlich wappnen. Deshalb gestalteten sie ein Rezitationsprogramm, in dem sie aus dem Gedächtnis Gedichte aus fünf Jahrhunderten vortrugen. Dadurch inspiriert, dichteten sie dann selbst, jeder nach seinen Möglichkeiten. Natürlich war das Schreiben in Buchenwald strengstens verboten und die Häftlinge mussten absolutes Vertrauen in den Mithäftling haben.

Namenszüge der Herausgeber (Foto: Archiv Kneffel) Namenszüge der Herausgeber (Foto: Archiv Kneffel)

Bereits das Besorgen von Papier und Stift war eine Herausforderung. So ein gemeinsames Tun festigt die Solidarität, aber auch den Sinn für Ordnung unter extremen Bedingungen. Man gab ein Selbstzeugnis ab und setzte ein Zeichen der Selbstbehauptung. Die Gedichte wurden Ende 1944 Anfang 1945 in drei handschriftlichen Anthologien vereint. Zwei nähte man in Jacken ein, eine begrub man in einer Büchse unter den Block 45. André Verdet war es, dem das Herausschmuggeln gelang. Aber eine gebührende Würdigung des dann herausgegebenen Buches erfolgte, so Wulf Kirsten, „Weder in Ost noch in West.“

Dank der aktuellen Herausgabe der Anthologie in dieser deutsch-französischen Ausgabe müsste sich das ändern, so die einhellige Ansicht der Zuhörer dieser Buchvorstellung.
Heidelore Kneffel
Autor: red

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